Hasso-Plattner-Institut
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14.05.2009

Potsdam/Berlin. In Deutschland sollen bis zum nächsten Jahr in breitem Maße die international bereits verabschiedeten neuen Datenverkehrsregeln fürs Internet der nächsten Generation eingeführt werden. Das fordert der deutsche IPv6-Rat. Das Verbandsgremium aus Internetexperten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik verabschiedete am Donnerstag (14. Mai) auf einem Gipfeltreffen am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) einen entsprechenden "Nationalen Aktionsplan". Er sieht vor, dass sich Deutschland aktiv an der weltweiten technischen Weiterentwicklung des Internets beteiligt. Das Maßnahmenbündel für den Umstieg auf das moderne Internetprotokoll IPv6 soll auf dem nächsten IT-Gipfel der Bundesregierung beraten werden. Bei einer Festveranstaltung mit Internetpionier Dr. Robert E. Kahn (70) aus Anlass des zweiten deutschen IPv6-Gipfels ernannte Wissenschaftsmäzen Prof. Hasso Plattner den US-Informatiker am Donnerstagabend zum „HPI Fellow“. Im Berliner Museum für Kommunikation wurden außerdem sechs Preisträger aus Deutschland, Frankreich und Italien ausgezeichnet. Sie sind die Sieger eines vom deutschen IPv6-Rat international ausgeschriebenen Wettbewerbs. Daran hatten 41 Experten aus 19 Ländern teilgenommen und neue Produkte und Konzepte für die großflächige Nutzung des neuen Internetstandards eingereicht.

"Das Internet ist Rückgrat der modernen Gesellschaft und muss sich auch in Deutschland weiterentwickeln – so wie schon in Asien und den USA. Sonst geraten wir als Technologiestandort ins Hintertreffen", erklärte Prof. Christoph Meinel, Vorsitzender des deutschen IPv6-Rats und Direktor des Hasso-Plattner-Instituts. Der Wissenschaftler verwies während der Potsdamer Expertentagung darauf, dass der neue Standard IPv6 bereits definiert und ausgereift sei. Er sei zum Beispiel eine wichtige Voraussetzung für die Internet-Kommunikation mit und zwischen Fahrzeugen sowie in Sensor-netzwerken mit RFID-Technologie. Hier gehe es um grundlegende Einsatzmöglichkeiten des "Internets der Dinge", wie sie auch im Theseus-Programm der Bundesregierung beschrieben seien.

Der nationale Aktionsplan für ein "Internet der nächsten Generation" fordert, dass bis 2010 mindestens ein Viertel der deutschen Nutzer in der Lage sein soll, auf Inhalte und Dienste im IPv6-Internet zuzugreifen, ohne einen Unterschied im Vergleich zum bisherigen Standard festzustellen. "Diese Forderung des deutschen IPv6-Rats steht im Einklang mit der Haltung der EU-Kommission", betonte Meinel. EU-Kommissarin Viviane Reding hatte in einer Grußbotschaft für die Teilnehmer am zweiten deutschen IPv6-Gipfel erklärt, es werde Zeit für die öffentliche Hand, in die eigene IPv6-Infrastruktur zu investieren: "Wir müssen jetzt Ernst machen und selber IPv6 nutzen", sagte Reding. Geschehe dies europäisch abgestimmt, werde dies einen enormen Nachfrageschub erzeugen, der Bewegung in den Markt bringe.

 

Bundesregierung sagt aktive Unterstützung des neuen Internetstandards in Deutschland zu

Staatssekretär Dr. Hans Bernhard Beus, der Bundesbeauftragte für Informationstechnik, bezeichnete auf der Potsdamer Fachtagung die Nutzung des IPv6-Standards als "wichtige infrastrukturelle Grundsatzentscheidung". Er kündigte an, die Bundesregierung wolle IPv6 "selber einsetzen und die Verbreitung empfehlen". Zur Eröffnung des Gipfels am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut hatte Dr. Robert E. Kahn, neben Vint Cerf einer der beiden „Väter“ des Internet, einen schnellen Umstieg auf IPv6 befürwortet, damit das weitere Wachstum des Internets gewährleistet werden könne. „Ich wäre nicht überrascht, wenn der neue Standard schon in den nächsten Jahren weiter verbreitet ist als der bisherige.“

 

Preisverleihung mit Internetpionier Robert Kahn und Hasso Plattner

Internetpionier Kahn war auch zugegen, als am Donnerstagabend im Berliner Museum für Kommunikation die Preisträger des International IPv6 Application Contest gekürt wurden. Sieger in der Kategorie „IPv6-Anwendungen“ wurde Mark Palkow, Geschäftsführer des 2001 gegründeten Berliner Unternehmens Daviko GmbH. Mit seiner neuen Software macht das Unternehmen besondere Internet-Videokonferenzen möglich: Teilnehmer können eine laufende Sitzung auf ihrem tragbaren PDA (Personal Digital Assistant) verfolgen und leicht auf ein stationäres Telepräsenz-System im Raum umschalten. Palkow erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Preis aus der Hand von HPI-Stifter Prof. Hasso Plattner und HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel.

Auf den zweiten Platz kam Gilles Haiat, Forschungsleiter des französischen Unternehmens Vizelia in Nanterre mit einer neuen Umweltmonitoring-Software. Sie wurde zusammen mit der kalifornischen Arch Rock Corporation entwickelt. Die Lösung setzt Funksensor-Technologie ein, um im Internet Daten zu verarbeiten, die direkt aus Umgebungsluft, Klimawerten, Geräten, Schaltkreisen und Messvorrichtungen stammen. Dr. Lothar Mackert, Vize-Präsident Public Private Partnerships des Sponsors IBM Deutschland, überreichte Haiat den mit 5.000 Euro dotierten Preis.

Platz 3 ging an Tobias Neumann aus Leingarten, Consulting System Engineer des Netzwerkausrüsters Cisco. Die von ihm vorgestellte Applikation Cisco Unified Communications (CUC) umfasst Netzwerk-Lösungen für Internet-Telefonie, Videokonferenzen, Unified Messaging (Integration vorhandener Kommunikations-Dienste und –Kanäle), Mobilkommunikation und weitere Anwendungen. CUC erleichtert es Unternehmen durch Mehrzweck-Komponenten (dual stack), IPv6-gestützte Kommunikationsdienste schrittweise einzuführen, ohne den IPv4-Standard bereits vollständig abzulösen und damit an Funktionalität einzubüßen. Prof. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Sponsors eco Verband der deutschen Internetwirtschaft, überreichte Neumann einen Geldpreis in Höhe von 2.000 Euro.

Mit jeweils 1.000 Euro dotierte Auszeichnungen für die drei besten Ideen im internationalen Wettbewerb des deutschen IPv6-Rats erhielten Dr. Roland Bless vom Institut für Telematik an der Universität Karlsruhe (Platz 1), der Italiener Emanuele Goldoni, Doktorand an der Universität Pavia (Platz 2) und Maximilian Weigmann, Systemadministrator aus Ampfing. Sponsoren der Preise waren der Branchenverband Bitkom, das IT-Sicherheitsunternehmen Secunet und das Hasso-Plattner-Institut.

Bless beschäftigte sich in seinem Wettbewerbsbeitrag mit Möglichkeiten der Verwendung des neuen Internetstandards IPv6 in so genannten Peer-to-Peer-Netzwerken (PC-Netze, die allen beteiligten Rechnern gleichberechtigte Zusammenarbeit bieten). Goldoni schlug eine neue Art der elektronischen Nachrichtenverbreitung an Gruppenmitglieder in Universitätsnetzwerken vor, praktisch ein umgekehrter RSS-Feed auf IPv6-Basis. Weigmann entwickelte die Idee, die Vitaldaten von älteren oder chronisch kranken Menschen ständig mit einer IPv6-Infrastruktur zu überwachen. Dann könnten in definierten Fällen vorher festgelegte Empfänger wie der nächste verfügbare Arzt oder Apotheker automatisch benachrichtigt werden.

 

Hintergrund Deutscher IPv6-Rat

Der 2007 von HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel ins Leben gerufene Deutsche IPv6-Rat ist der deutsche Landesverband des internationalen IPv6-Forums, dem mehr als 50 nationale Gremien angehören. Ziel ist es, alle nationalen Akteure aus Industrie, Forschung, Politik und Verwaltung, die mit den verbesserten technischen Regeln für die Datenübermittlung im Internet nächsten Generation befasst sind, zu vereinen und die Einführung des neuen Internet-Protokolls voranzutreiben. Dies soll durch die Sensibilisierung von Endnutzern und Industrie für ein ausgereiftes und sicheres Internet sowie durch Verbesserungen in Technik und Vermarktung erreicht werden. Dem Gremium gehören nunmehr 18 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an. Weitere Informationen: www.ipv6council.de

 

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