Hasso-Plattner-Institut
 

15.06.2012

Foto: HPI/ K. Herschelmann

Selbst wenn etwas am Vorurteil der Service-Wüste Deutschland dran sein sollte, auf die IT-Wissenschaft trifft das nicht zu. Auf dem Symposium des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts zum Thema „Service Oriented Computing“ zeigten Wissenschaftler aller Kontinente modulare Lösungen für effizienteres Rechnen.

Provokant begann die von rund 100 Teilnehmern besuchte Konferenz mit dem Eröffnungsvortrag des SAP-Mitgründers und HPI-Stifters Prof. Hasso Plattner. Er bezeichnete herkömmliche Festplatten als „alt, rostig und rotierend“. In seinem Hauptvortrag zeigte er Wege auf, Daten drastisch schneller be- und verarbeiten zu können. Dazu plädierte er für eine Kombination der sogenannten „In-Memory-Computing“-Technologie mit neuen Datenbankarchitekturen. Dank ihrer ließen sich, so Plattner, die Verarbeitungszeiten von einigen Stunden oder Minuten auf nur noch Bruchteile von Sekunden reduzieren. Diese Steigerung der Leistungsfähigkeit komme vor allem Echtzeit-Datenbanksystemen in der Wirtschaft zu Gute.

Datenbanken? Nein Danke.

Nicht weniger provokant, wenn auch auf andere Weise, war dann der Vortrag von Prof. Hussein Suleman. Der südafrikanische Wissenschaftler von der University of Cape Town stellte seine unkonventionelle digitale Bibliothek zur Rettung des afrikanischen Kulturerbes vor. Diese Bibliothek setzt gar nicht auf Datenbanksysteme. Das habe auch gute Gründe, sagte der Professor. Konventionelle System würden in mehrfacher Hinsicht nicht funktionieren beziehungsweise nicht den Ansprüchen gerecht. Einer der wichtigsten Punkte sei die möglichst einfache Hard- und Software. Mehr als ein alter einfacher Computer und ein Webbrowser dürften nicht nötig sein, so Suleman. Nur so könne man sicherstellen, dass überall - unabhängig von Ausstattung und Internetanbindung -  das Archiv genutzt und gefüllt werden könne. Realisiert haben er und sein Team die digitale Bibliothek auf Basis von weit verbreiteten Technologien wie XML. So konnten die Forscher außerdem erreichen, dass die Bibliothek auch offline und von einfachen Speichermedien wie CD oder DVD genutzt werden kann. Abschließend postulierte Suleman eine Regel für die Zukunft der digitalen Archivierung: Nur möglichst einfach gehaltene Sammlungen würden sicherstellen, dass das Material auch noch in 50 und 100 Jahren gelesen werden könne. Als Beispiel führte er das Projekt Gutenberg auf. Das habe nur deswegen so erfolgreich werden können, weil statt komplexer proprietärer Formate wie doc oder pdf simple Textdateien mit ASCII-Code verwendet worden seien.

Höher, schneller, effizienter

Ein weiteres Highlight war der Vortrag des Professors Ran Ginosar vom Technion in Haifa, Israel. Er folgte im Ansatz der Grundidee von Hasso Plattner, der von der Verarbeitung riesiger Datenbestände - genannt Big Data - in Sekunden gesprochen hatte. Ginosar ist selbst das noch zu langsam und so setzte er nach und forderte eine Verarbeitung in Millisekunden. Doch nicht nur schneller sollten die Berechnungen werden, sondern auch effizienter. Schließlich spielten auch Kosten für Energie und Wärmeabfuhr eine immer größere Rolle, auch wenn diese beiden Werte - egal wie hoch - noch nichts über die wahre Leistungsfähigkeit der Systeme aussagten. Als einen Ansatz für mehr Leistung bei gleichzeitig deutlich höherer Verarbeitungsgeschwindigkeit stellte Ginosar sein Konzept eines dreidimensionalen Speicher-Rechenverbunds vor. Auf einem Chip stapelt er - stark vereinfacht gesagt - CPU, Arbeitsspeicher und nicht flüchtigen Speicher. Auf diese Art sei extrem hoher Datendurchsatz und extreme Rechenleistung zu erreichen, bei Zugriffszeiten im Picosekunden-Bereich. Dieses Konzept nennt er „Stack of Technologies“.

Forschung in sozialen Netzwerken

Soziologen, Psychologen und Informatiker – ihnen allen gemein ist ihr großes Interesse an sozialen Netzwerken. Wie man diese Netze für die Forschung nutzen kann, war Thema des Vortrags von Wang Chongjun. Der chinesische Professor der Nanjing Universität hob hervor, welche Herausforderungen bei der Analyse der Strukturen und Inhalte auf die Forscher zukämen. Die dazu passenden Algorithmen zur Lösung präsentierte er anhand verschiedener Beispiele.

In weiteren Vorträgen wurden Lösungen aufgezeigt, wie beispielsweise Studenten auf möglichst einfache Weise in die Welt des Service-Oriented Computing einsteigen können. Dazu stellte der HPI-Professor Andreas Polze das „InstantLab 2.0“ vor. Dahinter verbirgt sich eine Experimentierplattform zur Erforschung und Entwicklung von Cloud-basierten Betriebssystem-Lösungen. Passend dazu präsentierte der Software-Hersteller Microsoft seine bereits verfügbaren Cloud-Angebote für Forschung und Wirtschaft.

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