Hasso-Plattner-Institut
 

09.12.2015

News

ME310-Kurs: HPI-Studierende entwickeln mit Stanford Lösungen für die Welt von Morgen

Wie lässt sich ein vernetztes Haus mit einem intelligenten Auto kombinieren? Welche digitalen Lösungen können der Landwirtschaft bei der Bekämpfung von Schädlingen helfen? Und wie sieht die Bankberatung der Zukunft aus? Mit diesen Fragen beschäftigen sich zwölf Masterstudierende des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) im Rahmen des ME310-Kurses der Stanford Universität.

Auf der Suche nach innovativen Ideen für die digitale Zukunft: die HPI-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer des Stanford-Kurses ME310. (Foto: HPI/M. Bothe)

Stellen Sie sich vor: Sie steigen in Ihr Auto und bestellen einen Kaffee. Der elektronische Sprachassistent des Fahrzeugs nimmt den Wunsch entgegen und funkt diesen an die Kaffeemaschine daheim. Sobald Sie die Haustür öffnen, steht der frischgebrühte Kaffee schon bereit. Zukunftsmusik? Ja, noch! Wenn es nach Masterstudierenden des Hasso-Plattner-Instituts geht, könnte diese Funktion aber schon bald zur Standardausstattung von Fahrzeugen gehören. Im Auftrag des deutschen Autobauers Audi und gemeinsam mit drei Kommilitonen der Stanford Universität in Kalifornien basteln Martin Fritzsche, Jonathan Herdt, Jonas Kemper und Johanna Latt an der Vernetzung von Auto und Zuhause.

Studierende führender Universitäten entwickeln Lösungen für Industriepartner

Sie belegen in diesem Semester zusammen mit acht weiteren HPI-Studierenden den Kurs "ME310". Hinter dem kryptischen Titel verbirgt sich die Lehrveranstaltung "Nummer 310" für Mechanical Engineering (ME) der Stanford Universität und weiterer global führender Universitäten. Am HPI wird der Kurs mit dem Zusatz "Global Team-Based Product Innovation & Engineering" angeboten. Die fachliche und internationale Mischung des Kurses sind dabei besonders wichtige Komponenten. Neben dem Potsdamer Institut sowie der Stanford Universität nehmen unter anderem auch die Schweizer Universität St. Gallen, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die finnische Aalto Universität teil.

"Ziel des Kurses ist es, in gemischten Teams gemeinsam mit Industriepartnern innovative Lösungen für konkrete Herausforderungen der beteiligten Unternehmen zu entwickeln", erklärt Thomas Kowark, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet "Enterprise Platform and Integration Concepts" den Kurs am HPI mitorganisiert. Auf diese Weise sammelten die Studierenden wichtige Projekterfahrung und die Unternehmen profitierten von den Perspektiven der jungen Akademiker und erhielten innovative Lösungen, ergänzt Kowark.

Mit Design Thinking zu neuen Ideen für aktuelle Probleme

Für die Entwicklung dieser Lösungen nutzen die Studierenden die Methode des Design Thinking. Entlang der einzelnen Phasen des Innovationsprozesses widmen sich die Studierenden in kleinen Teams den Aufgaben der Projektpartner. Zugute kommt ihnen dabei die Erfahrung des HPI und der Stanford Universität mit der Methode. Beide Institutionen lehren und erforschen die Innovationsmethode jeweils an einer von Stifter Hasso Plattner finanzierten School of Design Thinking.

Ausgehend von der Beobachtung und dem Verständnis für die Problemstellung nehmen die Studierenden beim Design Thinking die Perspektive des Nutzers ein und entwickeln auf dieser Basis Ideen für Lösungen. Mittels persönlicher Interviews oder weitreichenderer Umfragen versuchen die Studierenden die Bedürfnisse der Nutzer zu ergründen. Anschließend werden Prototypen entworfen, gebaut und getestet. In allen Phasen werden die Studierenden durch Tutoren des HPI unterstützt. Dabei arbeiten die Projektteams über Zeitzonen sowie räumliche Grenzen hinweg und lernen so, gemeinsame Absprachen zu treffen sowie Phasen der eigenständigen und teamorientierten Arbeit zu koordinieren.

Video: Stanford-Kursteilnehmer testen Fahrzeug-Prototypen

Der persönliche Kontakt kommt jedoch nicht zu kurz. Zu Semesterbeginn treffen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine initiale Kennenlern-Veranstaltung an der Stanford Universität im kalifornischen Palo Alto. Traditioneller Bestandteil dieses Events ist ein Design-Wettbewerb, bei dem die Studierenden Nutzgegenstände aus Papier und Pappe konstruieren müssen. Dieses Jahr sollte ein funktionsfähiges Fahrzeug gebaut werden. Die Prototypen wurden unter dem Jubel der Kommilitonen bei einem Hindernisrennen getestet. Was nach Spaß klingt, hat ernsthafte Absichten. Ziel der Aufgabe ist es, das Gruppengefühl zu stärken und die Teams erste Erfahrungen mit dem Design-Thinking-Prozess sammeln zu lassen. Insofern sollen von diesen handwerklichen Übungen auch die späteren Lösungen für die Industriepartner profitieren. 

"Die Digitalisierung betrifft alle Wirtschaftsbereiche, daher suchen immer mehr Unternehmen nach digitalen Lösungen. Gerade hier können unsere Studierenden durch ihre praxisnahe Ausbildung neue Impulse geben", sagt Kowark, der die HPI-Projektteams gemeinsam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern Keven Richly und Franziska Häger als Tutor unterstützt. Verantwortlich für die Leitung der Lehrveranstaltung am HPI ist Dr. Matthias Uflacker, Lehrstuhlvertreter von Professor Hasso Plattner am Fachgebiet "Enterprise Platform and Integration Concepts".

Audi, BASF und Union Investment als Projektpartner

Neben dem Audi-Projekt bearbeiten HPI-Studierende in diesem Semester noch Aufgaben des deutschen Chemiekonzerns BASF und der deutschen Investmentgesellschaft Union Investment. Das Projektteam der BASF rund um die HPI-Studierenden Yannick Bäumer, Alexander Ernst, Jaqueline Pollak, Tamara Slosarek und Kommilitonen des KIT ist auf der Suche nach Ideen, wie Landwirte mit digitalen Lösungen z.B. bei der Bekämpfung von Schädlingen unterstützt werden können. Die dritte Gruppe der HPI-Masterstudierenden Andreas Burmeister, Torben Meyer, Jannik Podlesny und Christian Zöllner widmet sich gemeinsam mit KIT-Studierenden und in Kooperation mit Union Investment der Frage, wie man das Vertrauen zwischen Bank und Kunde bei der Anlageberatung steigern kann.

Alle verbindet die Suche nach neuen Antworten auf aktuelle Probleme. Die Ergebnisse der Projektteams werden im kommenden Juni an der Stanford Universität präsentiert. Bis zur intelligenten Kommunikation zwischen Auto und Zuhause ist es dann vielleicht nur noch ein kleiner Schritt.