Hasso-Plattner-Institut
 

13.05.2016

News

i4j Summit Germany: Mit Mut und Innovation zu einer neuen Arbeitswelt

Mit dem ersten "German i4j-Summit – Innovation for Jobs" konnte das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Kooperation mit der US-Initiative "Innovation for Jobs" (i4j) erfolgreich neue Akzente beim Nachdenken über die Digitalisierung und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt setzen. 

Showed insights into the digital work environment of the Deutsche Telekom: Chief Human Resources Officer Dr. Christian Illek (l.). (Picture: HPI/D. Lässig)

"Seien Sie mutig, seien Sie innovativ." Diesen Appell an Innovatoren und Unternehmen richtete Dr. Andreas Goerdeler, Unterabteilungsleiter Informationsgesellschaft und Medien im BMWi an die Teilnehmer des "German i4j-Summit" am Vorabend der Konferenz. Und der Mut zur Innovation zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz. "Die Digitale Transformation verändert unser Leben und unser Arbeiten", konstatierte Prof. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Welche gesellschaftlichen Konsequenzen daraus entstünden, sei heute noch nicht annähernd zu erfassen. Klar sei lediglich, dass man mit dieser Herausforderung umgehen müsse. Neue Erkenntnisse könne die Konferenz liefern, so der Potsdamer Informatiker.

Bildergalerie: i4j Summit Germany

 

Lebenslanges Lernen als Voraussetzung für die neue Arbeitswelt

Der i4j-Vorsitzende David Nordfors plädierte in seiner Keynote für eine neue Auffassung vom Mitarbeiter im Unternehmen: "Unternehmen konzentrieren sich heute darauf, dass sie mit Dingen Geld verdienen. Wir müssen aber viel mehr den einzelnen Menschen betrachten." Jobs würden nur aus Sicht des künftigen Produkts beziehungsweise im Hinblick auf die Aufgabe besetzt. Künftig müsse es einen Mensch-bezogenen Ansatz geben, der die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen stärker in den Mittelpunkt stelle – auch jene Fähigkeiten, die sich der Mensch im Laufe seines (Arbeits-)Lebens angeeignet habe.

In einem waren sich alle einig: Einmal Gelerntes habe heutzutage nicht mehr ein Arbeitsleben lang bestand. Allerdings sei es mit der Weiterbildung nicht immer einfach, berichtete Dr. Christian Illek, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG. Er warnte: "Man kann nicht jeden Mitarbeiter mit der Gießkanne qualifizieren." Laut HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel müssen die Grundlagen schon früher angelegt werden. Vor allem müsse die Vermittlung digitaler Kompetenzen bereits in den Schulen beginnen. Auch Hochschulen seien gefragt: "Universitäten müssen Begleiter für lebenslanges Lernen werden. Dafür drängt sich das Internet als Weg förmlich auf. Mit neuen Lernformaten wie offenen Online-Kursen – sogenannten Massive Open Online Courses (MOOCs) – können wir auch Berufstätige an die Hochschulen virtuell zurückholen und Menschen einbinden, die noch nicht oder noch nie studiert haben."

HPI-TV: Videorücklick zum i4j Summit Germany 2016


Digitalisierung drängt die Politik dazu, Etabliertes neu zu hinterfragen

Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Yasmin Fahimi plädierte: "Wir müssen alles – Gehalt, Absicherung und mehr – neu hinterfragen. Welches sind die Regeln, die wir als Politik vorgeben sollen?" Auf staatlicher Ebene wolle man sich mit den ganz praktischen Aspekten des digitalen Wandels stärker beschäftigen. Denn: Es gebe keinen Automatismus, der in "gut" oder "schlecht" münde: "Wir müssen den Wandel aktiv gestalten." Damit adressierte die Staatssekretärin die Angst vor massivem Arbeitsplatzabbau durch zunehmende Digitalisierung und Automatisierung. "Wir wollen in Dialog treten mit Wirtschaft, Wissenschaft und Interessenverbänden, um die Digitale Transformation zu einem Erfolg für alle zu machen." Im Laufe des Jahres soll ein Weißbuch "Arbeit 4.0" entstehen.

Vor einer Verharmlosung des digitalen Wandels in Bezug auf die Arbeitswelt warnte auch der Sprecher für die Digitale Agenda der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Thomas Jarzombek. Zwei Fehler müsse man vermeiden: "Der erste Fehler ist, den Menschen zu sagen, es wird nicht so schlimm. Der zweite Fehler ist, sich nicht verändern zu wollen." Womit sich der Kreis wieder schloss zur Forderung nach (Weiter-)Bildung und Ausbildung individueller Fähigkeiten. Zugleich betonte der Bundespolitiker: "Politik muss den Blick in die Zukunft zeigen und nicht immer nur Angst machen."

Machte sich für ein neues Verständnis von Mitarbeitern stark: i4j-Vorsitzender David Nordfors. (Foto:HPI/D. Lässig)

Ängste nehmen, Chancen aufzeigen, Bildung stärken und Freiräume schaffen

Autor und Kolumnist Steven Hill schaute gezielt, was der technologische Umbruch für lokale Märkte bedeutet. Für den deutschen Markt zeigte er sich optimistisch: "Der deutsche Mittelstand ist um Vielfaches kreativer als Google, Apple oder Facebook: Er schafft Jobs." Dennoch gehe es nicht ohne Anstrengungen. Alle Beteiligten müssten überlegen, "welche Technologie verheißt eine gute Zukunft und welche führt uns in eine Dystopie."

Wie Technologie ganz konkret in zukunftsfähiger, innovativer Weise eingesetzt werden kann, zeigte Cisco Chief Technology Officer Monique Morrow. Sie stellte den Teilnehmern die "SHE platform" vor, eine IT-Plattform, die in erster Linie Frauen den Einstieg in die Arbeitswelt der Informationstechnologie erleichtern solle. Der Vorteil: "Neue Technologie ist unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft."

Ängste ernst nehmen, Chancen aufzeigen, Bildung stärken und Freiräume schaffen. Vier Kernpunkte, die die Diskussion in Potsdam bestimmten. Eine Aufforderung sich einzubringen, war vielen Vorträgen gemein. Und auch Prof. Christoph Meinel ruft auf: "Auch wenn das 'Wie' noch nicht ganz klar ist, sicher ist, dass sich 'Arbeit' verändern wird, davon ist fest auszugehen. Wir sollten diesen Prozess aktiv mitgestalten."

Staatssekretärin Yasmin Fahimi forderte: "Wir müssen alles neu hinterfragen." (Foto: HPI/D. Lässig)