Hasso-Plattner-Institut
 

07.07.2006

Die Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund veröffentlichte anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Prof. Dr. Werner Zorn folgende Pressemitteilung:

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr.-Ing. Werner Zorn

Minister Reinhart: "Immenses Wirken im Dienste der Wissenschaft und
Forschung"

"Prof. Zorn hat als Gründungsvater des deutschen Internets an der modernsten und bedeutendsten technischen Errungenschaft der letzten Jahrzehnte mitgewirkt", betonte der baden-württembergische Bundesratsminister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart MdL am Freitag (07.07.2006) in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin, wo er dem Lehrstuhlinhaber für Kommunikationssysteme am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam, Prof. Dr.-Ing. Werner Zorn, das von Bundespräsident Horst Köhler verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland übergab. Das Internet sei aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, betonte Minister Reinhart. Es sei zugleich Kommunikationsmittel, mediale Plattform und Datenbank. Das Internet habe nicht nur das alltägliche Leben verändert und geprägt. Die zunehmende weltweite Vernetzung der Menschen habe auch gesellschaftliche Entwicklungen wie Globalisierung und Mobilität verstärkt und mache sie zum Teil sogar erst möglich.

Das Leben von Prof. Zorn sei auf das Engste mit der Geschichte des Internets verknüpft. Nach dem Studium der Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Karlsruhe habe er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe "Bildverarbeitung und Zeichenerkennung" der technischen Hochschule gearbeitet. 1971 habe er zum Dr.-Ing. promoviert und schon im Folgejahr mit erst 30 Jahren die Leitung der neu aufzubauenden Informatik-Rechnerabteilung an der Universität Karlsruhe übernommen. Im Jahr 1979 sei Prof. Zorn zum Professor für Informatik an der Universität Karlsruhe berufen worden und habe ab 1985 die Leitung des Forschungsbereichs "Leistungsoptimierung von Rechensystemen und Datenkommunikation (LORD)" am neu gegründeten Forschungszentrum Informatik übernommen, womit die Infrastrukturen zur Anbindung Deutschlands an das Internet geschaffen worden seien, so Minister Reinhart. "Alles nahm seinen Anfang am 2. August 1984, als die erste deutsche E-mail das erste deutsche Postfach zorn(at)germany im Rechenzentrum der Universität erreichte. Dank Prof. Zorn hing Deutschland ab diesem Zeitpunkt als vierte Nation weltweit am Netz", unterstrich Minister Reinhart.

Mit dem von Prof. Dr. Zorn gegründeten ersten deutschen Internetprojekt "Xlink" habe schließlich 1989 die erste offene Standleitungsverbindung von Deutschland in die USA geschalten werden können. Im Rahmen des Xlink-Projektes sei Anfang der 1990er Jahre in Karlsruhe eine Infrastruktur geschaffen und stetig ausgebaut worden, die von immer mehr Universitäten und Kunden aus der Industrie genutzt worden sei. Mit Unterstützung der Landesregierung von Baden-Württemberg und der Universität Karlsruhe sei nicht nur eine Verbesserung der internen und externen Kommunikation an den Hochschulen und in der Wirtschaft gelungen, gleichzeitig sei damit der heute herausragende Ruf der Universität Karlsruhe als Zentrum und erste Adresse für Internettechnologie und Internetnutzung begründet worden.

"So trug Prof. Zorn aktiv dazu bei, dass Baden-Württemberg seine führende Position im Bereich Forschung und Wissenschaft weiter ausbauen konnte", lobte Minister Reinhart. Schätzungen zufolge sei aus dem Xlink-Projekt etwa ein Drittel des gesamten deutschen Internets gewachsen. Prof. Zorns Engagement und sein beharrliches Durchsetzungsvermögen habe mit dazu beigetragen, dass Karlsruhe nach 2003 auch 2004 beim Städte-Ranking des Wirtschaftsmagazins DMEuro zur deutschen "Internet-Hauptstadt" gekürt worden sei.

Auch auf internationalem Parkett habe sich Prof. Zorn einen Namen gemacht, führte Minister Reinhart aus. Parallel zur E-mail-Verbindung in die USA habe er bereits eine Verbindung nach China aufgebaut - in einer Zeit, in der das chinesische Wirtschaftssystem noch vom Staatskommunismus geprägt gewesen sei. Ab 1987 habe Prof. Zorn sämtliche chinesische Internetadressen in Karlsruhe verwaltet, da vor Ort noch die technischen Voraussetzungen gefehlt hätten. "Die von Prof. Zorn geschaffene frühzeitige Anbindung Chinas an das Internet bot den Menschen und der Gesellschaft zumindest in Teilen die Möglichkeit, über den Tellerrand des Kommunismus hinauszusehen und sich mit dem weltweiten technologischen Fortschritt und der Weltwirtschaft vertraut zu machen", machte der Minister deutlich. Insofern habe Prof. Zorn ganz konkret zu einem Aufbrechen der alten Strukturen und damit zur langsamen Öffnung der Volksrepublik ab Mitte der 1990er Jahren beigetragen. 1994 sei es China dank der zehnjährigen Vorarbeit Prof. Zorns und der verbesserten politischen Beziehungen zu den USA gelungen, eine eigene Internetverbindung über den Pazifik aufzubauen und den E-mail-Verkehr eigenständig zu verwalten. Prof. Zorns unerschütterlicher Glaube an die Zukunft des Internets und dessen welt- und gesellschaftsverändernde Dimension sei 1999 bei der Festveranstaltung "5 Jahre Internet in China" mit einem Special Award ausgezeichnet worden. Auch das Land Baden-Württemberg als exportstärkste Region Deutschlands profitiere in hohem Maße von der wirtschaftlichen Öffnung Chinas als Absatzmarkt sowie von der zunehmenden Zusammenarbeit in den Kernbranchen des Landes wie dem Maschinen- und Flugzzeugbau, der Elektrotechnik, der Datenverarbeitung und der Metallindustrie.

Zunehmend würden im Internet Verträge abgeschlossen, aus denen zivilrechtliche Ansprüche entstehen könnten, und zunehmend gäbe es Schwierigkeiten in den Bereichen Datenschutz und Missbrauch des Internets im strafrechtlich relevanten Bereich. Mit diesen Rechtsfragen könnten rein technisch ausgebildete Informatiker nicht umgehen. Mit einem von Prof. Zorn an der Universität Karlsruhe eingeführten interdisziplinären Studiengang Informationswirtschaft, der Informatik, BWL und Jura verbinde, seien Kernprobleme gelöst und die Ausbildung kompetenter, vielseitig einsetzbarer Informatiker gelungen. Ebenfalls an der Universität Karlsruhe sei auf Anregung Prof. Zorns ein interessanter und innovativer Forschungsbereich "Musik und Informatik" entstanden, in dem untersucht werde, was Musik syntaktisch und semantisch zusammenhalte.

2001 habe sich Prof. Zorn an der Universität Karlsruhe beurlauben lassen, um dem Ruf der Universität Potsdam auf den Lehrstuhl für  Kommunikationssysteme am Hasso-Plattner-Institut zu folgen. Weiterhin betreue er aber das Online-Buchungssystem für den Gesamthaushalt der Universität Karlsruhe, welches inzwischen auch von der Ludwig-Maximilian-Universität in München genutzt werden werde. Minister Prof. Dr. Reinhart würdigte die herausragenden Verdienste Prof. Dr.-Ing. Werner Zorns und dessen immenses Wirken im Dienste der Wissenschaft und Forschung sowie in der Umsetzung der Internetanbindung Deutschlands und drückte ihm Anerkennung, Respekt und Dank auch im Namen von Ministerpräsident Günther H. Oettinger und der Landesregierung von Baden-Württemberg aus.

Bildmaterial:

Foto von Prof. Reinhart und Prof. Zorn (rechts)
(Foto: Landesvertretung B-W)