Hasso-Plattner-Institut
 

27.06.2008

Potsdam. Eine studentische Projektgruppe hat am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) eine Software entwickelt, die dreidimensionale Stadtmodelle qualitativ verbessert und Fehler automatisch korrigiert. 3D-Stadtmodelle werden in Wirtschaft und Verwaltung immer öfter zur raumbezogenen Kommunikation eingesetzt und gelten als eine Schlüsseltechnologie für Informationsinfrastrukturen der Zukunft. Die fünf Studierenden stellten ihre Arbeit am 27. Juni beim Bachelorpodium des HPI vor, zu dem rund 200 Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft nach Potsdam gekommen waren. 

„Virtuelle 3D-Stadtmodelle entstehen oft aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen. Oft sind dann einzelne Komponenten nicht vollständig definiert und aufeinander abgestimmt“, erläuterte der Sprecher der Bachelorprojektgruppe, Martin Konarski, die Ausgangssituation. Dieses Problem tritt besonders dann auf, wenn einzelne Modelle, die mit unterschiedlichen Methoden modelliert wurden, in einem Modell vereinigt werden sollen. Dann kann es vorkommen, dass verdeckte Wände sichtbar sind, Häuser in der Luft schweben oder sogar auf dem Kopf stehen.

Da die manuelle Korrektur solcher Fehler sehr zeitaufwändig ist, entwickelten die Studierenden mit dem „City Analysis and Repair Tool“ (CityART) eine Lösung, die den Anwender bei diesen „Reparaturarbeiten“ unterstützt. Dafür prüft CityART die Semantik der unterschiedlichen Objekte und analysiert deren Geometrie und Topologie. Einige Reparaturen können vollautomatisch ausgeführt werden, bei anderen unterstützt das Programm den Anwender – so können massive, großflächige Stadtmodelle, die sich meist aus hunderttausenden von Einzelkomponenten zusammensetzen, mit geringem Aufwand qualitativ stark verbessert werden.

Außerdem ist es mit CityART möglich, die Bestandteile von 3D-Modellen zu strukturieren und eindeutig zu bezeichnen. Dabei setzten die Studierenden die „City Geography Markup Language“ (CityGML) ein – ein Standard, der künftig die Kompatibilität von 3D-Modellen untereinander verbessern soll.

CityART basiert auf der LandXplorer-Systemplattform, die von dem Kooperationspartner 3D Geo GmbH aus Potsdam den HPI-Studierenden zur Verfügung gestellt wurde. Die neunmonatige Projektarbeit wurde am HPI-Fachgebiet „Computergrafische Systeme“ unter Leitung von Prof. Jürgen Döllner betreut, der die Erstellung der offiziellen 3D-Stadmodelle von Dresden und Berlin technisch realisiert hat:
http://www.dresden.de/3d 
http://www.3d-stadtmodell-berlin.de

Bachelorpodium – Ausweis der praxisnahen Ausbildung am HPI
Das „Bachelorpodium“ des Hasso-Plattner-Instituts gibt es schon seit dem Jahr 2005. Seitdem präsentieren die Bachelorstudierenden des HPI ein- oder zweimal im Jahr öffentlich die Ergebnisse ihrer Praxis-Projekte, die sie in Teams von vier bis acht Studentinnen und Studenten am Ende ihres Bachelorstudiums absolviert haben. Sie zeigen, wie sie zwei Semester lang - von ihren Professoren angeleitet - größere praktische Aufgaben der Informationstechnologie eigenverantwortlich angepackt und welche innovativen Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft sie dabei entwickelt haben. Projektgeber sind renommierte Unternehmen und Institutionen aus ganz Deutschland. Eine Übersicht über die laufenden Projekte gibt die HPI-Internetseite http://www.hpi.uni-potsdam.de/lehre/studienprojekte/bachelorprojekte.html.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut
Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – eine praxisnahe und ingenieurwissenschaftlich orientierte Alternative zum herkömmlichen Informatik-Studium, die von derzeit circa 400 Studentinnen und Studenten genutzt wird. Insgesamt 50 Professoren und Dozenten sind am HPI tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – auch für erste Adressen der Wirtschaft. Vor allem geht es um Grundlagen und Anwendungen für große, hoch komplexe und vernetzte IT-Systeme.

Hinweis für Redaktionen:
Gerne stellen wir für Interviews Kontakt zu den Studenten her. Druckfähige Bilder der Veranstaltung und der Bachelorstudenten mailen wir Ihnen auf Nachfrage gerne zu!