Hasso-Plattner-Institut
 

17.07.2009

Potsdam/Berlin. Ein studentisches Team der HPI School of Design Thinking hat einen Aufsatz für Klinikbetten in der Notaufnahme entwickelt. Mit der „Heimat-Haube“ der jungen Erfinder sollen alte, demente Patienten von der Krankenhaushektik abgeschirmt werden und sich in ihre eigene Privatsphäre zurückziehen können. Damit auch dem Klinikpersonal geholfen ist, hat das Verdeck eine integrierte Alarmfunktion. Partner bei dem zwölfwöchigen Innovationsprojekt waren die Berliner Charité und ihre Stiftung. Vorgestellt wurde die Lösung bei der Verabschiedung des zweiten Absolventenjahrgangs der School of Design Thinking am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI).

Die mobile Betterweiterung ähnelt von außen betrachtet einem großen Kinderwagenverdeck. Von innen dagegen sieht und hört jeder etwas anderes: Mit Hilfe von Informationen, die die Patienten auf einer speziellen Armbanduhr mit integriertem Speicherchip bei sich tragen, kann die Haube individuell programmiert werden und beruhigende Bilder und Geräusche erzeugen. „Das hilft dementen Patienten, die sich von der Unruhe in der Notaufnahme stark überfordert und bedroht fühlen“, erläuterte Lisa Kroll, Frankreichstudien-Studentin der FU Berlin und Mitglied des interdisziplinären Innovatoren-Teams.

Verängstigte Patienten seien auch für das Notaufnahme-Personal eine große Belastung, da die Kranken zu Extremreaktionen wie Weglaufen neigten. Damit gefährdeten sie sich und andere, berichtete Krolls Kommilitone Toni Grütze vom Hasso-Plattner-Institut. Deshalb haben die Studenten eine Alarmfunktion in die Betthaube integriert: Abgestimmt auf die akute Verletzung des Patienten bekommt ein Mitarbeiter der Notaufnahme ein Signal, sobald die alten Menschen ihr Bett oder den Bereich der Notaufnahme verlassen möchten. „So kann das Personal im Ernstfall schnell reagieren. Bettgitter und ähnliches werden damit überflüssig“, erläuterte Grütze die sanfte „Weglaufsperre“.

Langfristig sollen auch Altenheime und Pflegeinrichtungen in das Konzept eingebunden werden. „Dort kennt das Pflegepersonal die Patienten schließlich am besten und kann deren Vorlieben nach und nach auf den intelligenten Armbanduhren sammeln“, ergänzte Design Thinking-Studentin Kroll. Zu dem Innovationsteam gehörten ferner noch Björn Wisnewski (Uni Potsdam, Kunst und Geographie), Claudio Rimmele (FU Berlin, Psychologie) und Monika Frech (FU Berlin, Nordamerikastudien). Betreut wurde die Gruppe von Margarete Pratschke (HU Berlin).

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