Hasso-Plattner-Institut
 

22.10.2016

#HPI_log

Der 3. Tag: Was, schon vorbei?

In ihrem Logbucheintrag erklärt HPI-Stipendiatin Astrid Thomschke, was einen Konferenzprofi ausmacht, was bei einem Feueralarm zu beachten ist und wie Softwareentwicklerinnen bei Airbnb unübersichtlichen Code bekämpfen.

Atrid Thomschke auf der Grace-Hopper-Konferenz
Auch bei Airbnb muss Code sauber strukturiert werden. Darum kümmert sich Barbara Raitz (l.), deren Vortrag HPI-Stipendiatin Astrid Thomschke (r.) beeindruckt hat. (Foto: privat)

#HPI_log zur Grace-Hopper-Messe

Vier Informatik-Studentinnen haben in diesem Jahr das Glück, dank eines Reisestipendiums des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) die weltweit größte Konferenz für Frauen in der Informatik zu besuchen. Ihre Eindrücke von der Veranstaltung schildern sie im HPI-Logbuch, auf Twitter und Facebook:

Von Astrid Thomschke (Hasso-Plattner-Institut)

Die Grace Hopper ist zu Ende, und ich habe mein Ziel nicht erreicht: Ich wollte den oder die Mutige finden, der oder die sich traut, hier "Nagellack as a Service" anzubieten. Ich habe den hauseigenen Beauty-Salon nicht gefunden, vor dem man mich gewarnt hat. Und ich bin froh darüber. 

Nach drei Tagen hier sind wir Stipendiatinnen inzwischen ziemliche Konferenz-Profis geworden. Wir wissen, dass man sich Schal und Pulli einpacken muss, um in geschlossenen Räumen zu überleben. Grünen Tee gegen die abklingende Erkältung kann man auf dem Hotelzimmer literweise aus der Maschine ziehen. An den Pool geht man nicht, wenn es kalt ist (duh...). Die Kaffee-Flatrate gibt es im Student Corner im zweiten Stock. Das beste Essen auf der Konferenz selbst bietet der LGBT-Lunch, aber die Mall um die Ecke kann da immerhin in Sachen Quantität mithalten. Wir haben sogar rausgefunden, wann Google die besten Goodies rausgibt und inzwischen auch endlich die Hoffnung auf eine Netzwerkverbindung während der Sessions aufgegeben. Und wenn wir nach einem Talk ans Mikro kommen und eine Frage stellen wollen, rennen wir inzwischen rechtzeitig los und fahren die Ellenbogen aus.

Bildergalerie: Der 3. Tag der Konferenz

Endlich ist also der Kopf frei, um sich so richtig auf die Talks zu konzentrieren. Vorausgesetzt, man hat den Steak-Kater und den Schokotorten-Zuckerschock vom vorherigen Abend verdaut und sich vom falschen Feueralarm um 6 in der Früh nicht zu lange aus der Ruhe oder dem Bett bringen lassen. Wer eine Lektion in Sachen korrektes Verhalten im Brandfall braucht, kann sich gerne von Helene und Ann Katrin inspirieren lassen. Während die beiden schon vorbildlich mit Schal und Jacke auf dem Flur stehen, suche ich jedenfalls noch meine Brille. 

Wieder sehfähig und mit genug Koffein im Blut hat sich für mich der letzte Tag der Konferenz als der spannendste herausgestellt. Meine Top Themen heute: Open Source, Containerization - und vor allem: Legacy Code. Ich bin Ingenieurin. Software Engineer. Für mich und viele andere gibt es nichts schöneres als sauberen, getesteten und funktionalen Code. Legacy Code ist nicht so. Aber er ist überall. Auch bei Airbnb. Barbara Raitz entwickelt seit einer Weile für Airbnb. Ihr und ihrem Team ist irgendwann der Kragen geplatzt und sie haben angefangen, diesen riesigen Berg Spaghetti nach und nach zu entheddern. Das erstaunliche dabei ist, dass in einem Raum gefüllt mit Entwicklerinnen aus all den coolen Firmen - Google, Facebook, Amazon, Airbnb, und dergleichen - alle Köpfe die kompletten 20 Minuten durchgängig genickt haben. Das zeigt mir, dass ein Hang zum Refactoring kein dunkler Begleiter ist, den man hinter Feature-Entwicklung verstecken muss.

Inzwischen ist die After-Show-Party vorbei und die Erinnerungen an die abschließende Keynote werden von schmerzenden Füßen, Tanzen mit Kopfhörern und Cookies ohne Ende verdrängt. Wie war das? Ach ja. Wir müssen nächstes Jahr den Film "Hidden Figures" gucken. Und die nächste Grace-Hopper-Konferenz wird in Orlando stattfinden. Bis dann also!