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Die Sozialphysik der Blogosphäre verstehen und nutzbar machen

Seit der Inbetriebnahme des ersten Webservers und einigen wenigen Internetseiten zu Beginn der 90er erfuhr das World Wide Web ein stetes und starkes Wachstum. Es ermöglichte Informationen “online” zu veröffentlichen, mit anderen zu teilen, und andere Ressourcen durch Hyperlinks zu referenzieren. Die Erschaffung eines solch gewaltigen und globalen Netzwerks revolutionierte die Art und Weise mit der Informationen verbreitet und ausgetauscht werden konnten.

Eine äußerst populäre Anwendung in diesem Zusammenhang wurden Weblogs: spezialisierte, leicht zu bedienende Redaktionssysteme mit Fokussierung auf aktualisierbare Inhalte, soziale Interaktion und Interoperabilität mit anderen Autorensystemen. Aufgrund Ihrer mannigfaltigen Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten entwickelten sichWeblogs seit dem Ende der 90er zu einem festen Bestandteil der Netzkultur; als persönliches onlinebasiertes Tagebuch, für Wissens- oder Aktivitäts-Management oder auch als publizistisches Angebot. Der eigentliche Mehrwert liegt dabei jedoch nicht in einzelnen Weblogs, sondern in deren Gesamtverbund: ein segmentiertes, höchst dynamisches und stark vernetztes Kollektiv mit eigenen Regeln und wechselnden Protagonisten, auch bekannt als “Blogosphäre”.

Der hierdurch erfolgte Zusammenschluss von individuellem Wissen schuf ein gigantisches Archiv quelloffener Intelligenz. Als logische Konsequenz wurde es für Privatpersonen, Institutionen und sogar Regierungen zunehmend attraktiv, zuverlässige und aufschlussreiche Trends, Meinungsbilder oder ganz bestimmte Informationen aus dieser Wissensbank zu gewinnen. Mit der global ständig zunehmenden Anzahl von Weblogs und dem damit einhergehenden massenhaften Anwachsen unstrukturierter Informationen in einem Netzwerk ohne zentrale Kontrollinstanz, wurde diese Bestrebung jedoch zunehmend komplex.

Als Antwort auf diese Herausforderungen liefert die hier vorliegende Arbeit eine fundierte Diskussion über das Weblog-Phänomen insgesamt und stellt sich dabei der konkreten Herausforderung ein Informationsportal zu realisieren, mit dem Informationen aus der Blogosphäre in einer zentralen Instanz aufbereitet, analysiert und sinnvoll bereitgestellt werden können. Hierfür werden im ersten Teil die gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen, die dem außergewöhnlichen Wachstum der Blogosphäre zugrunde liegen aufgearbeitet und charakteristische Merkmale sowie Belange der Dienstbereitstellung von Weblog- Software dargelegt. Zudem wird auf bereits existierende wissenschaftliche Versuche einer Weblog-Einordnung eingegangen, die wir mit einer eigenen Typologisierung integrieren. Zudem beweisen wir die Anwendbarkeit anerkannter wissenschaftlicher Theorien auf die grundlegenden Dynamiken und Regel-mäßigkeiten der Blogosphäre und präsentieren somit einen Erklärungsversuch für das Weblog-Phänomen insgesamt. Die Anpassungsfähigkeit von Weblogs an die unterschiedlichsten Anwendungsszenarien belegen wir im zweiten Teil dieser Arbeit durch eigens hierfür realisierteWeblog-Projekte. Unsere Beweggründe Informationen aus der Blogosphäre zu sammeln, aufzubereiten, zu analysieren und bereitzustellten werden im dritten Teil diskutiert. Im Anschluss präsentieren wir die einzelnen Komponenten unseres Informationsportals im Detail und validieren deren Konzeption und Realisierung mit Hilfe einer Anforderungsanalyse sowie einer Nutzerstudie.