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03/02 - In Deutschlands ältester Stadt wird für die Telemedizin der Zukunft geforscht

Institut für Telematik: Spitzenleistungen fürs Internet

Trier. In vier Jahren Arbeit zwei Patente, drei Promotionen und gut 70 Fachbeiträge zu internationalen Konferenzen - die wissenschaftliche Bilanz von Deutschlands Spitzenforschungszentrum fürs Internet, dem Institut für Telematik in Trier, kann sich sehen lassen. Die fast 50-köpfige Mannschaft rund um Professor Christoph Meinel (47) hat sich seit Gründung des gemeinnützigen Instituts Anfang 1998 hohe Reputation erworben. In Deutschlands ältester Stadt, unweit des berühmten Denkmals Porta Nigra, entwickelt Meinels junges Top-Team anwenderfreundliche und praxistaugliche Hightech-Lösungen fürs Internet. Neuer Schwerpunkt: M-Commerce, also alles rund um den elektronischen Geschäftsverkehr per Mobilfunk.

"Wir erforschen und entwickeln Möglichkeiten, wie man an jedem Ort und zu jeder Zeit auf die in den weltweit verbreiteten Computernetzwerken vorhandenen Informationen effizient zugreifen, mit diesen sicher umgehen und sie intelligent nutzen kann. Abläufe in Gesundheitswesen, Wirtschaft, Verwaltung und Verkehr und können durch die Ergebnisse unser praxisorientierten Arbeit wesentlich rationeller gestaltet werden. Dabei streben wir danach, die Anwendung so einfach und nutzerfreundlich wie möglich zu machen", beschreibt Institutsleiter Prof. Meinel das Credo seines Forschungs- und Entwicklungszentrums, das mit der Fraunhofer-Gesellschaft verbunden ist.

Meinel, der an der Universität der Mosel-Metropole ordentlicher Professor für Informatik ist, steht einer als eingetragener Verein verfassten außeruniversitären Forschungs- und Entwicklungs-Institution vor, die in ihrer Ausrichtung in Deutschland einmalig ist. 1998 gegründet, widmet sich das junge Spitzenforschungs-Institut sowohl der anwendungsorientierten Grundlagenforschung als auch der Entwicklung maßgeschneiderter Problemlösungen für Medizin, Handel, Industrie und Verwaltung.

"Wir sind Dank unserer Konstruktion sehr unabhängig. Unser Leistungsanspruch ist hoch und die Mitarbeiter sind topqualifiziert. Zudem sind wir sehr flexibel und können permanent neue Forschungsthemen aufgreifen", betont der Trierer Telematik-Professor. Deshalb gelinge es dem Institut auch immer wieder, in kurzer Zeit wissenschaftliche Höchstleistungen zu erbringen.

Telemedizin, Internet/Intranet, Sicherheit der Datenkommunikation in offenen Netzen, Elektronisches Publizieren - das sind die derzeitigen Forschungs- und Entwicklungsfelder des international beachteten Instituts. Es hat sich die Erschließung und Weiterentwicklung neuester wissenschaftlicher Ergebnisse für eine Anwendung in Wirtschaft und Gesellschaft auf die Fahne geschrieben. Dr. Thomas Engel, der stellvertretende Institutsleiter, drückt es so aus: "Wir agieren sozusagen in der Bugwelle neuester technologischer Entwicklungen und wollen durch das 'Ausreizen' technischer Potentiale Pilotlösungen für die tägliche Praxis schaffen".

Gemeinnützigkeit sichert Unabhängigkeit

Die Gemeinnützigkeit der deutschen Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtung sichert ihr die notwendige Unabhängigkeit. Jeweils ein Drittel des Jahresetats von zur Zeit rund 1,5 Millionen Euro stammt aus ungebundenen Fördermitteln des Landes, von öffentlichen Institutionen und aus eingeworbenen Projekten der Wirtschaft. Auftraggeber sind sowohl weltbekannte Großunternehmen wie Siemens oder die Dresdner Bank als auch kleine und mittelständische Firmen, Krankenhäuser, Finanzdienstleister und Verwaltungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Luxemburg.

Hervorgegangen ist das Trierer Zentrum aus einer Abteilung des Kaiserslauterner "Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik". Unter der Leitung von Professor Meinel hatte sich dieser Zweig in zweijähriger Existenz zu einer anerkannten und beachteten Einrichtung entwickelt, die sich der Erforschung und Entwicklung von Informatikwerkzeugen fürs Internet und für neue Medien widmete. Dann, mit der Gründung als selbstständige Institution am 1. Januar 1998, schlug sich das beackerte Forschungsfeld auch im Namen des Instituts nieder: "Telematik ist eine junge und hochinnovative Wissenschaftsdisziplin. Sie befasst sich mit den vielfältigen, neuen Möglichkeiten, die sich aus der Verschmelzung von Telekommunikation und Informatik für die Nutzung der weltweit verteilten und elektronisch verfügbaren Daten ergeben. Ihr kommt deshalb bei der Weiterentwicklung von der Informations- zur Wissensgesellschaft eine Schlüsselrolle zu", sagt Prof. Meinel.

Nach vier Jahren Instituts-Tätigkeit steht fest: Die Mitarbeiter sind auf wissenschaftlichen Fachtagungen geschätzte Referenten, Doktoranden promovieren während ihrer Trierer Tätigkeit in sehr kurzer Zeit. Instituts-Vize Dr. Thomas Engel: "Wir arbeiten eben wie ein 'Durchlauferhitzer' und bereiten die akademische Elite unseres Fachs durch anwendungsbezogene Projekte schnell und gezielt auf die Tätigkeit als Führungskräfte der Wirtschaft vor". Erklärtes Ziel der Trierer "Kaderschmiede" ist es, künftig noch mehr begabte, neugierige junge Leute dafür zu begeistern, wissenschaftliche Höchstleistungen auf dem Schlüsselgebiet der Telematik anzustreben. "Hohe Leistungsbereitschaft, Freude an anspruchsvollen Forschungsaufgaben sowie Ehrgeiz und Ausdauer sollten die mitbringen, die bei uns tätig werden wollen", beschreibt Prof. Meinel das Profil der Ideal-Kandidaten. Sie will er der Wissenschaft und später der Wirtschaft als diejeningen Spitzenkräfte zuführen, an denen es heute noch so sehr mangelt.

Wissenschaftliche Nachwuchs-Förderung

Kontakt zum hoffnungsvollen wissenschaftlichen Nachwuchs sucht und findet Informatik-Spezialist Meinel einerseits als Uni-Professor in Trier, aber auch über die Website seines TelematikInstituts (www.telematik-institut.org) sowie über Konferenzen, Tagungen und Ausstellungen. CeBIT, Online, Internet World, Arab Health und RSA - selbst auf solchen Messen sind die Trierer Telematik-Forscher mit eigenen Beiträgen zu finden. Jährlich zweimal laden sie führende Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Medien zu einem zweitägigen "Trierer Symposium" in die beschauliche Römerstadt ein. Bisherige Themen: Smart Cards, Virtuelle Hochschule, Televerwaltung, Elektronisches Publizieren, Telemedizin, M-Commerce und Digitale Signaturen. Mit dem einmal jährlich veranstalteten "Trierer Wissenschaftstag" versucht Meinels Telematik-Team, die neuesten Forschungsergebnisse in populärer Form "unters Volk" zu tragen.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit soll ferner künftig dazu beitragen, dass auch mögliche Auftraggeber aus dem Bereich Regierungen, Wirtschaft und öffentliche Verwaltung auf die hervorragenden Leistungen des Trierer Spitzenforschungs- und Entwicklungs-Zentrums aufmerksam werden. Einen gehörigen Schub hat der Bekanntheitsgrad des Trierer Instituts für Telematik durch zwei Erfindungen bekommen. Anfang Februar 2001 konnte Prof. Meinel bekanntgeben, dass Patentschutz für den "Lock Keeper" erteilt worden ist, ein schleusenartig funktionierendes System, das Computer im Internet durch physikalische Vorkehrungen absolut sicher vor Hacker-Angriffen schützt und damit wirkungsvoller ist als die bisherigen, weltweit verwendeten "Firewalls" mit den höchsten Sicherheits-Standards.

Nur wenige Wochen später konnte Meinels Mannschaft einen zweiten Erfolg vermelden: Patentschutz für eine Erfindung, welche die sogenannte "Telemedizin" noch schneller und einfacher macht. Das neu entwickelte Verfahren stellt eine bisher unerreichte und praktisch verlustfreie Verdichtung der digitalen Daten von Patienten-Bildern sicher. Dadurch benötigt die Übermittlung von Arzt zu Arzt übers Internet nicht mehr bis zu drei Stunden, sondern nur wenige Sekunden - wichtig vor allem in der Notfall-Medizin.