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14.09.2015

News

Design Thinking Week: Mit Software und Selbstvertrauen gegen Lese- und Schreibschwächen

Menschen mit Lese- und Schreibschwäche den Alltag erleichtern, daran haben acht interdisziplinäre Teams während der internationalen "Design Thinking Week" vom 3. bis 9. September 2015 am Hasso-Plattner-Instituts (HPI) gearbeitet. Gemeinsam mit der Berliner KOPF, HAND + FUSS gGmbH als Projektpartner suchten die jungen Studierenden, Designer, Programmierer, Unternehmer und Dozenten innovative Lösungen, um mit neuen Technologien Lese- und Schreibkompetenzen zu fördern.

International Design THinking Week 2015
Design-Thinking-Studierende bekämpfen Lese- und Schreibschwächen mit Software und Selbstvertrauen. (Foto: HPI School of Design Thinking)

Anlässlich des Welttags der Alphabetisierung am 8. September 2015 suchten mehr als 40 Nachwuchsinnovatoren am HPI mithilfe der Design-Thinking-Methode nach Wegen, Lese- und Schreibkompetenzen zu fördern. Angesichts von rund 7,5 Millionen deutschen Erwachsene, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, ein drängendes Thema. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie insbesondere Computer und digitale Medien helfen können, betroffenen Menschen den Alltag zu erleichtern. Unter Anleitung erfahrener Dozenten der HPI School of Design Thinking präsentierten die Teams vielfältige Ergebnisse.

Eine Gruppe entwickelte beispielsweise die Idee für ein Softwareprogramm, das Internetbrowser Texte, Links und Funktionen vorlesen lässt und es so Menschen mit Leseschwäche ermöglicht, Nachrichtenportale oder soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen. Weiter soll eine Handyapplikation durch eine bildbasierte Navigationssoftware bei der Orientierung im Alltag helfen. Anstatt Karten und Straßennamen, die für Analphabeten oft unverständlich sind, wird die Wegbeschreibung durch Bilder von Gebäuden und Straßen Schritt für Schritt nachvollziehbar. Eine weitere Lösung war ein Videoportal, in welchem alltägliche Fragen z.B. zur Bedienung von Elektrogeräten per Videobotschaft gestellt und beantwortet werden können.

Ergebnisse reichen vom Internetbrowser-Add-On bis zur bildbasierten Navigations-App

Die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe identifizierten die Design-Thinking-Studierenden im direkten Austausch mit Betroffenen unter Mithilfe der KOPF, HAND + FUSS gGmbH, die mit dem Projekt IRMGARD aktuell Deutschlands erste Schreib- und Lese-Lern-App für Erwachsene entwickelt. Darüber hinaus war auch der Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe (AOB e.V.), der seit vielen Jahren Lesen und Schreiben für Jugendliche und Erwachsene unterrichtet, und der Berliner Verein Arbeit und Leben involviert.

"Von dem Feedback unserer Projektpartner haben alle Teams profitiert. Es war besonders wertvoll, dass sie für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die gesamte Woche als Ansprechpartner verfügbar waren", sagte Dr. Claudia Nicolai, die als akademische Direktorin der HPI School of Design Thinking verantwortlich für den Ablauf der Design Thinking Week war. Der Fokus auf Resultate mit Computer- und Internetbezug war dabei bewusst gewählt: "Wichtig war uns, dass sich die Teams mit technologischen Lösungen auseinandersetzen, um Menschen mit Lese- und Schreibschwäche auch an neue Medien heranzuführen. Auf diese Weise lernen sie noch Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien", erläuterte Nicolai.

Design-Thinking-Teams helfen dabei, aus Schwächen Stärken zu machen

Neben technischen Lösungen widmeten sich zwei Teams aber auch Innovationen, die das Selbstvertrauen und -wertgefühl von Menschen mit Lese- und Schreibschwäche steigern sollen. In persönlichen Gesprächen mit Betroffenen fanden sie heraus, dass Analphabeten Probleme haben, ihre persönlichen Stärken zu identifizieren – insbesondere bei der Jobsuche. Ein Team verwies darauf, dass die eigenen Vorzüge oft erst im gemeinsamen Gespräch mit Dritten deutlich werden. Betroffene müssten also dabei unterstützt werden, Qualifikationen zu entdecken, die ihnen eine Anstellung ermöglichen. Sie entwickelten daraufhin eine Skill-Box, in der alle Fähigkeiten gesammelt werden. Bei der Identifizierung würde eine geschulte Fachkraft helfen.

Die zweite Gruppe machte aus den Schwächen eine Stärke: Menschen mit Lese- und Schreibschwäche besäßen z.B. besondere Fähigkeiten wenn es darum geht, die Bedienung von Geräten oder Softwareapplikationen zu vereinfachen. Daher könnten sie beispielsweise als Produkttester arbeiten oder bei der Konzipierung von Bedienoberflächen beraten.

Von der Qualität der Ergebnisse waren auch die Projektpartner überzeugt. Alle Teams hätten das Thema sehr gut aufgenommen, sagte Stefanie Trzecinski, Gründerin und Geschäftsführerin der KOPF, HAND + FUSS gGmbH. Sie hoffe, dass einige der Ideen weiterverfolgt werden können und lud alle Anwesenden ein, gemeinsam weiter an den Ergebnissen zu arbeiten.

Die International Design Thinking Week gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Einführung in den Design-Thinking-Prozess. In einer Woche mit fünf Teamarbeitstagen erlernten die jungen Studierenden, Designer, Programmierer und Unternehmer aus aller Welt Kernkompetenzen für die Arbeit in innovativen und kreativen Berufen.