Hasso-Plattner-Institut
  
Hasso-Plattner-Institut
Prof. Dr. Jürgen Döllner
  
 

Entwicklung eines Planungsunterstützungswerkzeuges für die städtebauliche Strukturplanung

Die Reaktivierung und Entwicklung von innerstädtischen Brachen ist ein zentrales Instrument zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme und wird als eines der Haupthandlungsfelder für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung gesehen. Ein Beispiel für die Aktivierung einer innerstädtischen Brachfläche ist die Speicherstadt in Potsdam. Obwohl für den seit 1990 brachliegenden Standort im Zentrum Potsdams seit Jahren Ideen und Konzepte für eine Nachnutzung vorgebracht werden, ist eine geordnete Neubebauung erst seit diesem Jahr realisierbar. Hintergrund des langen Vorlaufs war vor allem das Bestreben der Stadt, zunächst ein Gesamtkonzept für das Gelände, das gegenüber dem Hauptbahnhof und direkt an der Havel liegt, zu entwickeln. Dies war auf Grund der komplexen Grundeigentümerstrukturen bis 2007 nicht umsetzbar. Inzwischen hat die Immobilienholding der Stadt Potsdam, die Pro Potsdam GmbH, viele Flächen aufgekauft. Das Gesamtareal mit etwa 7 Hektar befindet sich damit in der Hand von nur noch drei Eigentümern.

Damit tritt die Planung in eine neue Phase. Aktuell wurde ein Strukturkonzept erarbeitet, das noch in diesem Jahr in der Bauversammlung abgestimmt und als Grundlage der Bauleitplanung dienen soll. Vor dem Hintergrund des Weltkulturerbestatus Potsdams und der damit verbundenen besonderen Sensibilität gegenüber Eingriffen an der Siedlungsstruktur, ist die Definition einer abgestimmten Raumstruktur für das Gesamtvorhaben von besonderer Bedeutung.

Insbesondere die Freihaltung von Sichtachsen vom Brauhausberg in die Stadt und von der Stadt aus, über das Wasser, auf den Berg, sowie die Integration der bestehenden denkmalgeschützten Speicherbauten von Schinkel und Persius sind hochsensible Themenfelder im Planungsprozess. Durch die Integration des vorgestellten Strukturkonzeptes der Architekten Hilmer & Sattler in ein virtuelles 3D-Stadtmodell der Potsdamer Innenstadt wird von den Forschungspartnern eine Arbeitsgrundlage für die fachlichen und politischen Abstimmungsprozesse bereitgestellt. Diese Technik ist schon in anderen Planprozessen erfolgreich angewendet worden, soll aber in diesem Fall durch spezielle Fachfunktionalitäten unterstützt werden. Dazu zählen unter anderem eine Abgrenzung der Planung gegenüber dem Bestand durch eine differenzierte Darstellung, eine integrierte ad-hoc Ermittlung von planspezifischen Kennzahlen (z. B. Bruttogeschoßfläche, Verhältnis der überbauten Fläche zur Gesamtfläche), eine Funktion zur Kommentierung des Planes, bzw. geplanter Objekte und Sichtbarkeitsanalysen.

Die Integration des Strukturkonzeptes in das Stadtmodell, die Entwicklung und Systemintegration der skizzierten Fachfunktionen und die nötigen Erweiterungen des Datenmodells wurden im Oktober 2007 begonnen.

Planungsvarianten im Potsdamer Stadmodell