Hasso-Plattner-Institut
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26.06.2007

Potsdam. Wissenschaftsmäzen Prof. Hasso Plattner bringt eine neuartige Ausbildung im erfinderischen Entwickeln nach Deutschland. Wie der SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsvorsitzende zur Eröffnung der Konferenz
"Design IT" mitteilte, wird dazu am Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam (HPI) ab kommendem Wintersemester eine "School of Design Thinking" ihre Arbeit aufnehmen. Nach dem Vorbild der berühmten "d.school" an der Stanford University (Kalifornien) wird die einjährige akademische Zusatzausbildung "Design Thinking" die Fähigkeit vermitteln, in multidisziplinären Teams besonders benutzerfreundliche IT-nahe Produkte und -Dienstleistungen zu entwickeln. Ab sofort können sich Studierende praktisch aller Fachrichtungen, die sich in der Endphase ihres universitären Master-, Diplom- oder Magister-Studiums befinden, für die studienbegleitende Design Thinking-Ausbildung in Potsdam bewerben.

Als Leiter der neuen Einrichtung am HPI stellte der Stifter Professor Ulrich Weinberg (48) von der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" (HFF) in Potsdam vor. Weinberg, der seit 1994 Computeranimation lehrt und 2005 bis 2006 Vizepräsident der HFF war, ist auch Programm-Direktor der EU-geförderten HFF-Academy "Insight out" für digitalen Kinofilm und hochauflösendes Fernsehen (HDTV). Weinberg ist von der HFF beurlaubt, um seine neue Aufgabe als Fachgebietsleiter am HPI ausüben zu können.

Wie HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel auf der Potsdamer Konferenz "Design IT" betonte, wird die in Deutschland einmalige Ausbildung Design nicht bloß im Sinne von Formgebung verstehen, sondern orientiert sein an der Philosophie der amerikanischen Schwester des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts, dem "Hasso Plattner Institute of Design at Stanford". Es wird kurz "d.school" genannt. Ab Oktober er sollen in der neuen Potsdamer "School of Design Thinking" des HPI jährlich 40 Master-, Diplom- und Magister-Studenten der höheren Semester systematisch lernen, wie man neue IT-nahe Produkte und Dienstleistungen kreativ und nutzerorientiert entwickelt.

Dies soll in Teams von drei bis vier Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen geschehen. "In Frage kommen alle Disziplinen der Ingenieur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, aber auch Medizin, Biologie, Jura sowie Studiengänge im Bereich Medien und Design", erläuterte Prof. Ulrich Weinberg. Jeweils ein HPI-Professor und ein externer Kollege von Hochschulen aus Berlin und Brandenburg werden die Teams anleiten - zusammen mit weiteren Dozenten und Experten aus dem Design-Bereich.

Design und Engineering in der Softwarebranche zusammenbringen
Stifter Prof. Hasso Plattner hatte schon beim ersten Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung im Dezember 2006 betont, dass künftig zum Beispiel mehr Wert gelegt werden müsse auf die Attraktivität und Verständlichkeit von IT-Dienstleistungen und Softwareoberflächen: "Die Entwickler von Software programmieren oft noch an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Da werden Funktionen hineingepackt, die keiner braucht", kritisierte Plattner. Design und Engineering hätten in der Softwarebranche bisher noch nicht richtig zusammen gefunden.

"Es fehlte bisher ein entsprechendes Ausbildungsangebot, da wir uns mit interdisziplinärer Teamarbeit so schwer tun", sagte Plattner. Hier will der Wissenschaftsmäzen nun ansetzen und die beiden Hasso-Plattner-Institute in Potsdam und Palo Alto enger miteinander verbinden. Das geschieht nach Plattners Worten mit dem Ziel, eine lebendige Innovations-Kultur in Deutschland zu etablieren: "Die Studenten sollen befähigt werden, beim erfinderischen Entwickeln kreativ, interdisziplinär und nutzerorientiert zu denken".

Plattners Potsdamer Wagniskapitalfonds "Hasso Plattner Ventures", Veranstalter der Konferenz "Design IT" am HPI, unterstützt bereits unter anderem die junge Start-up-Firma d-labs GmbH (www.d-labs.com). Studenten des Hasso-Plattner-Instituts hatten sie im vergangenen Jahr gegründet. An der Design School in Palo Alto hatten sie die Methoden des kreativen, interdisziplinären Entwickelns kennen gelernt und beraten nun junge und etablierte IT-Unternehmen.

So läuft die Zusatzausbildung im "Design Thinking" ab
An der Potsdamer "School of Design Thinking" des HPI soll die Zusatzausbildung so ablaufen: In einem Bootcamp zu Beginn werden die Studenten in Vorlesungen, praktischen Übungen und kleineren Projekten in die Design-Methodologie eingeführt. Anschließend sollen sie durch Beteiligung an mehreren konkreten Projekten lernen, dass erfolgreiches Design nur gelingt, wenn Kundenwünsche und -bedürfnisse (Desirablity), technische Machbarkeit (Feasibility) und wirtschaftlich-rechtliche Umsetzbarkeit (Viability) ganzheitlich betrachtet werden. Deshalb werden die Studententeams betreut von mindestens zwei Professoren und erfahrenen Experten aus den Fachrichtungen Geisteswissenschaften und Kunst, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaft.

Jedes Design-Projekt wird von mehreren Studenten-Teams im Wettbewerb bearbeitet. Wie HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel ergänzend mitteilte, erhalten die Studierenden nach erfolgreichem Absolvieren der Potsdamer School of Design Thinking ein Zertifikat. Um die betreuenden Professoren in Potsdam mit Philosophie und Praxis des kalifornischen Hasso Plattner Institute of Design vertraut zu machen, ist jährlich ein gemeinsamer Workshop mit den US-Kollegen vorgesehen.

Hinweis:
Mehr zur d.school der Uni Stanford finden Sie im Internet unter http://www.stanford.edu/group/dschool 

Weitere Informationen zur "School of Design Thinking" stehen auf deren Website: http://www.hpi-web.de/d-school

Ein Porträt des Leiters der HPI-School of Design Thinking sowie ein Foto des Gebäudes, in dem sie sich befinden wird, stehen auf unserer Website unter www.hpi.uni-potsdam.de/presse/download.html zur Verfügung.