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Ralf Teusner

Situational Interventions and Peer Feedback in Massive Open Online Courses

MOOCs (Massive Open Online Courses) ermöglichen es jedem Interessierten sich in verschiedenen Fachrichtungen online weiterzubilden. Sie fördern die persönliche individuelle Entwicklung und ermöglichen lebenslanges Lernen auch dort, wo geeignete Lehrer nicht verfügbar sind. Unsere Gesellschaft befindet sich derzeit in der sogenannten „digitalen Transformation". Von vielen Arbeitnehmern werden in diesem Zusammenhang zunehmend Fähigkeiten wie abstraktes Denken und logisches Schlussfolgern erwartet. Das Erlernen einer Programmiersprache ist eine geeignete Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu erlangen. Obwohl Programmieren als geistige Disziplin angesehen wird, ist es zu einem gewissen Grad auch ein Handwerk, bei dem sich das individuelle Können insbesondere durch stetige praktische Anwendung entwickelt. Um Programmierkenntnisse effektiv in einem MOOC zu vermitteln, sollten daher praktische Aufgaben von vornherein in den Lehrstoff des Kurses integriert werden, um die vorgestellten Konzepte geeignetzu vertiefen und zu festigen. Neben den positiven Aspekten für die Lernenden weisen praktische Programmieraufgaben jedoch auch ein erhöhtes Frustpotential auf. Kryptische Fehlermeldungen und teils unbekannte Syntax überfordern insbesondere diejenigen Teilnehmer,welche zusätzlich mit konzeptionellen Missverständnissen zu kämpfen haben.

Im Rahmen dieser Arbeit entwickeln und analysieren wir mehrere Interventionsmöglichkeiten um die Lernerfahrung und den Lernerfolg von Teilnehmern in Programmier-MOOCs zu verbessern. Daten von über 60.000 Teilnehmern aus vier Programmier-MOOCs bilden die Grundlage für eine Analyse von Kriterien für geeignete Programmieraufgaben für spezifische Teilnehmergruppen. Auf Basis von 5 Millionen Codeausführungen von Teilnehmern leiten wir Schwachstellen in Aufgaben und typische Herangehensweisen der Teilnehmer ab. Die Hauptschwierigkeit beim Lernen in einer virtuellen Umgebung ist die durch physische Isolation hervorgerufene soziale Entkopplung. Jeder Teilnehmer lernt alleine vor einem Bildschirm, ein gemeinsamer Stundenplan wie im klassischen Schulunterricht fehlt. Weiterhin präsentieren bestehende online Kurse den Teilnehmern in der Regel lediglich universell einsetzbare Lerninhalte, welche in keiner Weise auf die jeweiligen Bedürfnisse und Vorerfahrungen der individuellen Teilnehmer angepasst sind. Personalisierte Lerninhalte bzw. individuelles Feedback sind in MOOCs aufgrund der großen Anzahl an Teilnehmern und der nur kleinen Anzahl an Lehrenden oft nur schwer bzw. gar nicht zu realisieren. Daraus resultieren wiederum hohe Anforderungen an das individuelle Durchhaltevermögen und die Selbstmotivation der MOOC-Teilnehmer. Die soziale Entkopplung manifestiert sich sowohl zwischen den Teilnehmern untereinander als auch zwischen den Lehrenden und den Teilnehmern. Negative Folgen sind ein häufig verringertes Engagement und damit eine Gefährdung des Lernerfolgs. In dieser Arbeit schlagen wir als Gegenmaßnahme skalierbare technische Lösungen vor, um die soziale Interaktion zu verbessern und inhaltliche Schwierigkeiten zu überwinden.

Unsere wissenschaftlichen Beiträge umfassen situationsabhängige Interventionen, Ansätze zur Personalisierung von Lerninhalten, sowie Konzepte und Anreize zur Verbesserung der Kollaboration der Teilnehmer untereinander. Mit diesen Maßnahmen schaffen wir es, kontraproduktive Blockaden beim Lernen zu lösen und stellen damit einen universell einsetzbaren Ansatz zur Verbesserung vonzukünftigen Progammier-MOOCs bereit.

Die aus unseren Experimenten gesammelten Daten zeigen, dass bei Programmierproblemen gewährtes Feedback von anderen Teilnehmern die Gesamtpunktzahl innerhalb des Teilnehmerfeldes durchschnittlich um bis zu 17% verbessert. Bereits das Formulieren des jeweiligen individuellen Problems verbesserte die Gesamtpunktzahl um etwa 14%. Durch situative Interventionen konnte weiterhin der Anteil der Teilnehmer, die nach Hilfe fragen, um bis zu 158% gesteigert werden. Die gesammelten Daten aus unseren vier MOOCs ermöglichen darüber hinaus detaillierte Einblicke in das Lernverhalten der Teilnehmer. Wir zeigen zusätzlich Erkenntnisse in Bezug auf das Verhalten der Teilnehmer und zu demografischen Faktoren auf. Die in dieser Arbeit beschriebenen Ansätze, die geschaffenetechnische Infrastruktur, das entworfene Lehrmaterial, sowie der umfangreiche gesammelte Datenbestand bilden darüber hinaus einevielversprechende Grundlage für weitere zukünftige Forschung.