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Dissertation Remy Apfelbacher

Tolerierbare Inkonsistenzen in Konzeptbeschreibungen

Datum der Verteidigung: 18.05.2009

Die Komplexität heutiger programmierter Systeme macht eine Arbeitsteilung bei Entwicklung, Betrieb, Evolution sowie Pflege und Wartung unumgänglich. Voraussetzung dafür ist eine effiziente Kommunikation zwischen den Beteiligten, da immer komplexere Systeme in immer kürzerer Zeit zur Marktreife gebracht werden müssen.Wegen der hohen Anzahl Beteiligter, die in internationalen Unternehmen unterschiedliche Sprachen sprechen und sich in unterschiedlichen Zeitzonen aufhalten, kann eine effiziente Kommunikation nicht nur mündlich erfolgen. Abgesehen von den technischen und sprachlichen Voraussetzungen für die Kommunikation ist auch eine verständliche Vermittlung von Konzepten erforderlich. Diese Konzeptbeschreibungen bilden die Grundlage der arbeitsteiligen Umsetzung. Bisher fordern alle bestehenden Beschreibungs- und Modellierungsansätze in der Literatur völlige Konsistenz in Konzeptbeschreibungen.

Ziel dieser Arbeit ist, diese Forderung zu hinterfragen, da sie praktisch nicht umsetzbar zu sein scheint. Zum Einen sind teilweise inkonsistente Beschreibungen nicht völlig unbrauchbar, zum Anderen kann dieser Forderung aufgrund eines ungünstigen Aufwand/Nutzen Verhältnis nicht immer entsprochen werden. Da bisher keine Studien zum Umgang mit Inkonsistenzen in der Praxis vorliegen, wurden vier Projekte in drei Unternehmen unter diesem Aspekt untersucht. Die Ergebnisse umfassen die Erstellungsprozesse für Beschreibungen, die durchgeführten Konsistenzprüfungen und die eingesetzten Kriterien zur Bewertung der gefundenen Inkonsistenzen. Die Untersuchung ergab, dass in der Praxis Inkonsistenzen in Beschreibungen bewusst toleriert werden, um unverhältnismäßigen Aufwand zu vermeiden. Insbesondere konnte festgestellt werden, dass eine differenzierte Gewichtung der Inkonsistenzen vorgenommen wird.

Aufbauend auf den gewonnen Erkenntnissen wird ein Ansatz für die Erstellung und Konsistenzprüfung von Konzeptbeschreibungen unter Berücksichtigung tolerierbarer Inkonsistenzen vorgestellt. Als Kern kommt das in der Untersuchung identifizierte Kriterium der Effizienz zum Einsatz. Daraus ergeben sich eine Fokussierung auf eine bestimmte Klasse von Inkonsistenzen und ein zusätzliches Kriterium für die Inhalte von Konzeptbeschreibungen. Danach sollten nur solche Inhalte in die Beschreibung einfließen, für deren Auffinden andernfalls wiederholt ein hoher Aufwand aufgebracht werden müsste. Der vorgestellte Ansatz hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da er lediglich einige ausgewählte Schritte und Verfahren bei der Erstellung und Verwendung von Konzeptbeschreibungen anspricht. Er soll vielmehr dazu beitragen, ein Bewusstsein für tolerierbare Inkonsistenzen zu schaffen, um unnötigen Aufwand zu vermeiden.

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