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08.06.2018

Behandlung ohne Arzt? Gesundheitsexperten diskutieren in Berlin die Zukunft der Medizin.

Wie wird ein klassischer Arztbesuch in zehn Jahren aussehen? Werden wir noch in einer Praxis behandelt, oder übernimmt die Anamnese ein Computer? Was passiert mit meinen Daten und wer hat Zugriff darauf? Diese und ähnliche Fragen rund um die Digitalisierung der Medizin erörterten am 6. Juni Stifter Hasso Plattner, Spitzenforscher Erwin Böttinger und Gesundheitsminister Jens Spahn mit Gesundheitsexperten auf der Eröffnungsveranstaltung des Hauptstadtkongress 2018 Medizin und Gesundheit in Berlin.

Prof. Bötinger und Dr. Hirsch auf dem HSK18
Prof. Böttinger im Interview mit ada Health Gründer Dr. Martin Hirsch auf dem Hauptstadtkongress 2018 in Berlin. (Foto: WISO/ Hauptstadtkongress)

Die Eröffnungsveranstaltung am 6. Juni im Berliner Citycube stand ganz im Zeichen des Kongressmottos „Digitalisierung und vernetzte Gesundheit“. In diesem Rahmen stellte Stifter und SAP-Gründer Hasso Plattner in einer Videobotschaft die neuesten Entwicklungen des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) im Bereich Gesundheit, die Gesundheitscloud und das Digital Health Center, vor.

Die Idee der Gesundheitscloud ist einfach wie bahnbrechend: Bürger sollen die Möglichkeiten bekommen, die eigenen Gesundheitsdaten zu speichern und bei Bedarf Zugriff für spezifische Personen zu erteilen. Darüber hinaus sollen Anwendungen von Drittanbietern, die etwa mithilfe künstlicher Intelligenz neue Analysemöglichkeiten eröffnen, an die Cloud angebunden werden können. Ziel der Gesundheitscloud ist es laut Plattner, „medizinische Möglichkeiten auszuschöpfen, die das signifikante Potential haben, Kosten zu senken und die Qualität der Behandlung zu fördern“. Er kritisierte zugleich, dass die scharfen gesetzlichen Regelungen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern „den Einsatz digitaler Innovationen hemmen“.


Das 2017 am HPI unter der Leitung von Prof. Erwin Böttinger gegründete Digital Heath Center (DHC) ist ein offenes Netzwerk für Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen, die gemeinsam das Gesundheitssystem mit neuen Digital-Health-Anwendungen voranbringen und die Rolle der Patienten stärken möchten.

Dr. Martin Hirsch, Neurowissenschaftler, Physiologe und Gründer sowie CEO von ada Health, erläuterte in seinem Interview mit Prof. Böttinger dass die digitale Revolution in der Medizin durch personalisierte Medizin auch eine personalisierte Prävention ermögliche. Im Idealfall würde dies seinen Worten nach bedeuten, dass das „Gesundheitssystem dafür sorgt, dass wir gar nicht erst krank werden“.

Anschließend diskutierten unter der Leitung und Moderation von Prof. Dr. Erwin Böttinger, Dr. Friedrich von Bohlen (Dievini Hopp Bio Tech), Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, (Universitätsklinikum Heidelberg), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (Bundesärztekammer), Dr. Markus Müschenich (Flying Health) und Thilo Veil (Töchter & Söhne) darüber, wie Deutschland im Bereich der Digitalisierung einen Spitzenplatz erreichen kann.

Gesundheitsminister Jens Spahn eröffnete im Anschluss mit seiner Rede den Kongress. Vor rund 8000 Repräsentanten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens warnte Spahn vor weiteren Verzögerungen bei der Digitalisierung. Laut dem Gesundheitsminister ist eHealth weltweit auf einem unaufhaltsamen Vormarsch: „Die Angebote sind da oder kommen. Amazon, Google, Dr. Ed, Sie können sie alle aufzählen. Und in China übrigens passiert noch viel, viel mehr, von dem wir hier gar nichts mitkriegen“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Es ist die Frage: Gestalten wir das oder kommt das von außen?“

Momentan überlegt die Bundesregierung laut Spahn, wie ein neues Datengesetz den Datenschutz reformieren könne, so dass die großen Datenmengen, die im Gesundheitswesen anfallen, besser genutzt werden könnten.

Alle Tweets zur Veranstaltung finden sie unter dem Hashtag: #HSK18