Wie bist du zum Thema KI in Verbindung mit Design Thinking gekommen?
Ganz ehrlich: Es war – ganz klassisch – die Neugier. Ich stelle mir hin und wieder gerne „Was wäre, wenn...?“-Fragen – gerade im Zusammenspiel von Design Thinking und Technologie. Was wäre, wenn wir KI so nutzen könnten, dass sie unser Denken und unsere Möglichkeiten erweitert? Uns kreativer, mutiger, schneller macht? Ich wollte das nicht nur theoretisch verstehen – ich wollte es hands-on erleben. Also habe ich angefangen, KI in meinen Design Thinking-Alltag zu integrieren. Erst spielerisch, dann gezielter, dann strategisch.
Heute sehe ich KI nicht als Ersatz für menschliche Kreativität – sondern als eine Art Co-Creator. Eine Einladung, größer zu denken, schneller zu iterieren, Probleme besser zu lösen. Und bewusster zu reflektieren. Und genau das fasziniert mich bis heute.
Schnittstelle Mensch – Technik: Was heißt das für dich?
Ich sehe die Schnittstelle eher als Dialogfläche – nicht als Einbahnstraße. Es geht darum, wie wir Technik gestalten und nutzen, nicht einfach nur konsumieren. Sie soll uns dienen, inspirieren, unterstützen – aber nie unsere Autonomie ersetzen. Im besten Fall entsteht da ein echtes Miteinander, bei dem beide Seiten voneinander lernen.
Warum ist diese Schnittstelle herausfordernd?
Weil Technik nicht automatisch mitdenkt, was für uns Menschen sinnvoll, wertvoll oder sogar ethisch vertretbar ist. Und weil wir oft erwarten, dass Technologie schon "weiß, was wir meinen". Tut sie nicht. Und dann kommt's zu Missverständnissen, Fehlanwendungen – oder zu blindem Vertrauen, was mindestens genauso gefährlich ist.
Wie fordern wir die Technik heraus?
Mit unserer Unberechenbarkeit! Wir sind spontan, widersprüchlich, kreativ – und oft ganz schön unlogisch. Für eine KI, die auf Mustern und Wahrscheinlichkeiten basiert, ist das wie Wildwasser-Rafting ohne Paddel. Aber genau das macht’s auch so spannend: Wir bringen neue Perspektiven, stellen seltsame Fragen, denken quer statt linear. Diese manchmal nervige „Menschlichkeit“ ist nicht nur ein Bug – sie ist ein Feature. Denn nur durch unsere Irritationen, Überraschungen und Umwege lernt Technik wirklich dazu. Und genau da beginnt Co-Kreation.
Schauen wir uns KI genauer ans: Ist das alles wie damals mit dem Telefon oder dem Fernsehen?
In Teilen ja. Auch damals ging’s um neue Kommunikation, neue Gewohnheiten, sogar neue Ängste. Aber KI ist interaktiver, viel näher an unserem Denken dran – und verändert nicht nur das „Wie“, sondern auch das „Was“. Wir lassen sie Texte schreiben, Bilder malen, Entscheidungen vorbereiten. Das ist ein anderes Level. Wir reden hier nicht über ein neues Gerät – sondern über einen neuen Denkpartner.
Wie integriert man KI wirklich in den Alltag? Gibt’s eine Checkliste?
Sehr gerne, hier mit Design Thinking-Charme:
- Verstehen: Was kann die KI? Was kann sie nicht?
- Beobachten: Wo könnte KI nützlich sein?
- Ziele setzen: Was will ich mit ihr erreichen?
- Experimentieren: Klein anfangen, Fehler machen, lernen.
- Toolset bauen: Die richtigen Tools für den eigenen Workflow finden.
- Iterieren: Routinen entwickeln, anpassen, optimieren.
- Reflektieren: Wo hilft KI wirklich – und wo behindert sie eher mein Denken?
- Teilen: Erfahrungen im Team austauschen.
- Besonnen bleiben: Es geht alles so schnell, da kann man, wenn man es zulässt, wahnsinnig werden. Muss aber nicht sein. Du musst nicht jedem Trend und Tool hinterherrennen. Such dir lieber zum Anfang ein gutes Tool wie ChatGPT, Claude, Gemini o.Ä. aus und lerne, dieses richtig gut zu nutzen.
Neugier vs. Misstrauen – wie geht man den Königsweg?
Mit einem Augenzwinkern und einer gesunden Portion Skepsis. Neugier ist der Motor – aber Misstrauen ist der Airbag. Ich geh mit der Haltung ran: Ich halte sehr viel von dir, KI, aber ich überprüfe dich trotzdem. Und ich frage mich regelmäßig: Nutze ich das Tool – oder nutzt es mich?
Ein gelungenes Beispiel für Mensch-Technik-Schnittstelle?
Für mich ganz klar: die Co-Creation beim kreativen Problemlösen. Ich habe mittlerweile viele Workshops und Projekte begleitet, in denen Teams gemeinsam mit KI arbeiten – und das bringt Design Thinking wirklich auf ein neues Level.
KI kann zum Beispiel als Analystin große Datenmengen durchforsten, die für uns Menschen kaum handhabbar wären. Oder als Impulsgeberin in der Ideenfindung – wenn wir festhängen und mal einen Perspektivwechsel brauchen. Oder als Designerin, die uns hilft, schneller zu experimentieren und verschiedene Varianten auszuprobieren, was schnelleres und besseres Experimentieren ermöglicht.
Richtige Magie entsteht dann, wenn Menschen ihre Intention, ihr Einfühlvermögen, Erfahrungswissen und ihre kritische Reflexion mit einbringen – plus eine Portion Humor und Spielfreude. Dann wird aus Technik echter Teamzuwachs.
Und dein absurdestes KI-Erlebnis?
Es ist gar nicht das eine große Erlebnis – es sind viele kleine, fast schon absurde Alltagsmomente, die mich jedes Mal zum Schmunzeln bringen. Wenn mir KI hilft, die Terrasse im Innenhof schöner zu gestalten. Oder ein Rezept vorschlägt, basierend auf dem, was noch so im Kühlschrank rumliegt. Oder wenn sie mir beim Französischlernen Feedback gibt, das klingt, als käme es direkt von einem charmanten Pariser Lehrer.
Richtig spannend wird’s aber auch auf gesellschaftlicher Ebene – etwa im Bildungs- oder Gesundheitsbereich, wo KI gerade wirklich neue Türen öffnet. Da entsteht echte Hoffnung, dass längst überfällige Veränderungen endlich Schwung bekommen.
Aber ich sehe auch Entwicklungen, die mich eher nachdenklich machen. Zum Beispiel, wenn eine App wie SocialAI ausschließlich aus KI-generierten „Followern“ besteht – also Bots, die sich gegenseitig imitieren und unsere Gedanken „spiegeln“ sollen. Klingt erst spannend, wirkt dann aber doch eher wie ein lebendiges Nichts: viel „Interaktion“, wenig Substanz. Und es bleibt die Frage: Wenn wir uns nur noch mit Maschinen unterhalten, wer hört dann eigentlich noch wirklich zu?