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Zukunft lernen: Hans Koenigsmann über Mut und Neugier

Einführung

Was haben Gäste am HPI und der HPI d-school im Gespräch mit Studierenden zu den notwendigen Kompetenzen von heute und für die Zukunft – sogenannten „Future Skills“ – gesagt? 

Im Folgenden haben wir Auszüge aus dem Fireside Chat von Prof. Dr. Ralf Herbricht (Chair for Artificial Intelligence and Sustainability) mit Dr. Hans Koenigsmann (ehemals Ingenieur bei SpaceX) und der anschließenden Q&A-Session mit Studierenden des HPI auf der Tech Leadership Conference 2025 aufbereitet.

Fireside Chat

Im Kamingespräch beschrieb Hans Koenigsmann Zukunftskompetenzen nicht als starre Checkliste, sondern als Denkweise, um mit Unsicherheit, Verantwortung und technologischem Wandel umzugehen. Ein zentrales Thema war Mut: In Deutschland, so stellte er fest, „gibt es eine gewisse Abnahme der Risikobereitschaft“, wobei zu viel Energie darauf verwendet werde, das Bestehende zu bewahren, anstatt zu erkunden, was als Nächstes kommen könnte.

Für ihn hängt Innovation von der Fähigkeit ab, schnell zu handeln, Ideen frühzeitig zu testen und aus dem zu lernen, was nicht funktioniert. Im Rückblick auf seine Erfahrungen bei SpaceX brachte er es auf den Punkt: „Wir hatten nicht beim ersten Versuch Erfolg – wir haben durch Machen gelernt.“ Diese Fähigkeit zu „schneller Iteration, dem Lernen aus Fehlern und schnellem Handeln“ ist seiner Ansicht nach nicht nur für Unternehmen relevant, sondern auch für Universitäten.

Er forderte die Hochschulbildung zudem auf, die Forschung direkter mit den dringenden Bedürfnissen der Welt zu verknüpfen. Universitäten, so argumentierte er, sollten sich darauf konzentrieren, „reale Probleme zu lösen, nicht nur theoretische“, und das Lernen an gesellschaftlichen Herausforderungen ausrichten. Gleichzeitig sollten Studierende ihre Neugier und ihren persönlichen Antrieb nicht aus den Augen verlieren: „Verfolgt das, was euch wirklich interessiert, auch wenn es noch so nischig oder obskur erscheint.“

Schließlich sind Zukunftskompetenzen nicht nur technischer Natur. In einer sich schnell verändernden Welt erfordert Führung Kommunikation, Fairness und Präsenz. Wie er abschließend feststellte, geht es darum, „menschlich und präsent zu sein“.

Auf den Punkt gebracht

Für die Zukunft benötigen wir die Kompetenz, mehr ins Risiko zu gehen und ein Mindset, das Versuch, Irrtum und Learning by Doing zulässt. Und schließlich die Kompetenz, gesellschaftliche Herausforderungen in den Blick zu nehmen und Lösung für reale Probleme zu finden. Eine wichtige Grundlage: persönliche Passion und Leadership Skills für Kommunikation, Fairness und Präsenz im Umgang mit Menschen.
 

  • Hans Koenigsmann on Future Skills
    2025
  • Q&A-Session on Future Skills and Innovation
    2025
  • Q&A-Session on Future Skills and Innovation
    2025
  • Q&A-Session on Future Skills and Innovation
    2025
  • Q&A-Session on Future Skills and Innovation
    2025

Q&A-Session über notwendige Kompetenzen

In der anschließenden Diskussion mit HPI-Studierenden wurde deutlich, welche zukunftsorientierten Fähigkeiten für die nächste Generation von besonderem Interesse sind:

Student:in: Viele Prozesse außerhalb der Technik wirken starr – als ob „es eben so gemacht wird“. Einige von uns möchten ihre Fähigkeiten nutzen, um diese Systeme zu überdenken und neu zu gestalten. Haben Sie einen Rat, wie man eine solche Transformation vorantreiben kann?

Hans Koenigsmann: Viele Menschen glauben, beim SpaceX-Ansatz ginge es nur darum, „schnell zu scheitern“, aber das ist ein Irrglaube. Was uns wirklich antrieb, war eine Denkweise nach den Grundprinzipien – das Hinterfragen von Annahmen und die Frage: „Warum wird es so gemacht? Können wir es anders angehen?“

Beharrlichkeit ist entscheidend. Selbst mit Talent und guten Ideen braucht man Durchhaltevermögen, um Rückschläge und Skepsis zu meistern. Man braucht auch Neugier, um weiter nach Alternativen zu suchen, bis man einen besseren Weg findet. Mein Rat lautet also: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie noch kein „Experte“ sind. Bleiben Sie neugierig, beharrlich und engagiert, um Ihre Umgebung zu verbessern.

Student:in: Wie können wir sicherstellen, dass wir die nächsten großen Durchbrüche nicht verpassen und transformative Ideen frühzeitig unterstützen?

Hans Koenigsmann: Erstens müssen wir eine Disziplin entwickeln, wie wir Daten, Berechnungen und Entscheidungsfindung miteinander verbinden. Das bedeutet, die Technologien, die wir nutzen, wirklich zu verstehen, bevor wir sie voreilig regulieren oder in großem Maßstab einsetzen.

Zweitens müssen wir das Scheitern als Teil des Weges zum Erfolg normalisieren – insbesondere bei Innovationen. Scheitern ist nicht von Natur aus schlecht; oft ist es für das Lernen notwendig. Und drittens sollten wir Ökosysteme fördern, die es kleineren Unternehmen und Teams ermöglichen, zu experimentieren und zu lernen.

Student:in: Was würden Sie einem jungen Menschen heute sagen, der darüber nachdenkt, Informatiker oder Ingenieur zu werden?

Hans Koenigsmann: Ich würde sie nach wie vor ermutigen, diesen Weg einzuschlagen – aber ich würde betonen, wie wichtig es ist, das Denken zu lernen. Die Informatik lehrt Problemlösung, systemisches Denken und strukturiertes Schlussfolgern – allesamt Fähigkeiten, die unabhängig von den spezifischen Programmiersprachen oder Werkzeugen, die man später einsetzt, wertvoll sind. Der Schlüssel liegt darin, die Denkweise zu entwickeln, komplexe Systeme zu zerlegen und ihre inneren Abläufe zu verstehen. Diese Fähigkeiten sind zeitlos.
 

Future Skills lernen

Wenn ihr lernen wollt, wie ihr Versuch und Irrtum, kritisches Denken und menschenzentriertes Leadership zur Lösung von „Real-World-Problems“ einsetzen könnt, findet ihr an der HPI d-school als Studierende in unseren Academic Programs ebenso wie als Berufstätige in unserem HPI d-school Professional Development die passenden Angebote.

Den Fireside Chat gibt es auch als HPI Neuland-Podcast in ganzer Länge.
 

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