In der anschließenden Diskussion mit HPI-Studierenden wurde deutlich, welche zukunftsorientierten Fähigkeiten für die nächste Generation von besonderem Interesse sind:
Student:in: Viele Prozesse außerhalb der Technik wirken starr – als ob „es eben so gemacht wird“. Einige von uns möchten ihre Fähigkeiten nutzen, um diese Systeme zu überdenken und neu zu gestalten. Haben Sie einen Rat, wie man eine solche Transformation vorantreiben kann?
Hans Koenigsmann: Viele Menschen glauben, beim SpaceX-Ansatz ginge es nur darum, „schnell zu scheitern“, aber das ist ein Irrglaube. Was uns wirklich antrieb, war eine Denkweise nach den Grundprinzipien – das Hinterfragen von Annahmen und die Frage: „Warum wird es so gemacht? Können wir es anders angehen?“
Beharrlichkeit ist entscheidend. Selbst mit Talent und guten Ideen braucht man Durchhaltevermögen, um Rückschläge und Skepsis zu meistern. Man braucht auch Neugier, um weiter nach Alternativen zu suchen, bis man einen besseren Weg findet. Mein Rat lautet also: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie noch kein „Experte“ sind. Bleiben Sie neugierig, beharrlich und engagiert, um Ihre Umgebung zu verbessern.
Student:in: Wie können wir sicherstellen, dass wir die nächsten großen Durchbrüche nicht verpassen und transformative Ideen frühzeitig unterstützen?
Hans Koenigsmann: Erstens müssen wir eine Disziplin entwickeln, wie wir Daten, Berechnungen und Entscheidungsfindung miteinander verbinden. Das bedeutet, die Technologien, die wir nutzen, wirklich zu verstehen, bevor wir sie voreilig regulieren oder in großem Maßstab einsetzen.
Zweitens müssen wir das Scheitern als Teil des Weges zum Erfolg normalisieren – insbesondere bei Innovationen. Scheitern ist nicht von Natur aus schlecht; oft ist es für das Lernen notwendig. Und drittens sollten wir Ökosysteme fördern, die es kleineren Unternehmen und Teams ermöglichen, zu experimentieren und zu lernen.
Student:in: Was würden Sie einem jungen Menschen heute sagen, der darüber nachdenkt, Informatiker oder Ingenieur zu werden?
Hans Koenigsmann: Ich würde sie nach wie vor ermutigen, diesen Weg einzuschlagen – aber ich würde betonen, wie wichtig es ist, das Denken zu lernen. Die Informatik lehrt Problemlösung, systemisches Denken und strukturiertes Schlussfolgern – allesamt Fähigkeiten, die unabhängig von den spezifischen Programmiersprachen oder Werkzeugen, die man später einsetzt, wertvoll sind. Der Schlüssel liegt darin, die Denkweise zu entwickeln, komplexe Systeme zu zerlegen und ihre inneren Abläufe zu verstehen. Diese Fähigkeiten sind zeitlos.