Ein Standpunkt – im Design Thinking oft „Point of View“ genannt – ist mehr als eine individuelle Einschätzung. Er ist der erste echte Entscheidungsmoment, der die Grundlage einer Zusammenarbeit im Team oder die nächsten Schritte in einem Innovations- oder Entwicklungsvorhaben festlegt. Dieser Moment ist kraftvoll, aber anspruchsvoll: Er kostet Energie und entsteht selten von allein. Es ist der Punkt, an dem das Team beantworten kann: „Worauf fokussieren wir uns?“ Bis dahin wurden verschiedene Situationen beobachtet, unterschiedliche Informationen gesammelt und – wie wir es in meinem Forschungsgebiet nennen – Orientierungen basierend auf diversen Erfahrungen und Wahrnehmungen formuliert und im Team ausgehandelt. Das Ergebnis ist ein Standpunkt, der Hand und Fuß hat. Besser als ein allgemein formulierter Standpunkt, der alle Orientierungen wild zusammenwürfelt, sind mehrere, sehr konkret formierte Standpunkte.
Entscheidend ist: Ein Standpunkt ist nicht nur Wahrnehmung, sondern Commitment – ein Ausgangspunkt, von dem aus gemeinsam weitergearbeitet wird. Diesen Übergang aktiv zu gestalten, ist eine zentrale Kompetenz im Arbeitsalltag – für Teammitglieder, Führungskräfte, Innovationsmanager:innen sowie Facilitators und Coaches.
Ein Artikel von Dr. Andrea Rhinow.