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Zukunft gestalten statt Trends hinterherlaufen

Interview

Wie Foresight-Driven Innovation die Innovationskraft stärkt

Dr. Selina Mayer und Dominik Krabbe über strategische Vorausschau, typische Denkfehler und warum Zukunftsszenarien mehr sind als Science-Fiction.

In einer Welt, die sich immer schneller verändert, reicht es nicht mehr aus, nur auf Trends zu reagieren. Wer Innovation ernst nimmt, muss der Zukunft aktiv begegnen – mit einem strategischen Blick nach vorn. Genau hier setzt der Ansatz „Foresight-Driven Innovation“ an: Er kombiniert systematische Zukunftsszenarien mit nutzerzentrierter Innovationsentwicklung. Im Interview erklären unsere Expert:innen Selina und Dominik, wie Unternehmen dadurch resilienter werden, welche Hürden es zu überwinden gilt und was Teilnehmende aus dem gleichnamigen Workshop mitnehmen können.

Interessant für

Manager:innen, Professionals, Führungskräfte, Unternehmer:innen
Unsere zwei Expert:innen: Selina and Dominik

Interview

Was bedeutet „Foresight-Driven Innovation“ konkret und warum ist dieser Ansatz gerade heute so relevant?

„Foresight-Driven Innovation“ kombiniert strategische Vorausschau mit nutzerzentrierter Innovation. Statt lediglich auf aktuelle Trends zu reagieren, zielt dieser Ansatz darauf ab, proaktiv alternative Zukunftsszenarien zu entwickeln und daraus Innovationspotenziale abzuleiten, die auf zukünftige Nutzerbedürfnisse eingehen. In einer Welt zunehmender Unsicherheit und Komplexität ermöglicht FDI Unternehmen, sich frühzeitig auf mögliche Veränderungen vorzubereiten und zukunftsfähige Strategien zu entwickeln.

Viele Unternehmen reagieren auf Trends. Was ist der Unterschied zwischen Trendbeobachtung und strategischer Vorausschau?

Trendbeobachtung fokussiert sich oftmals auf das Erkennen und Verfolgen aktueller Entwicklungen, sowie die Betrachtung einzelner, z.B. technologischer, Entwicklungen. Strategische Vorausschau hingegen geht einen Schritt weiter: Sie analysiert tiefgreifende Veränderungstreiber über unterschiedliche Bereiche hinweg, entwickelt holistische, alternative Zukunftsszenarien und identifiziert daraus langfristige Chancen und Risiken. Während Trendbeobachtung oft reaktiv ist, ermöglicht strategische Vorausschau eine proaktive Gestaltung der Zukunft.

Wie lassen sich Zukunftsszenarien ganz praktisch in Innovationsprozesse integrieren?

Im FDI-Ansatz werden Zukunftsszenarien genutzt, um kreative Ideen für Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle zu generieren. Diese Szenarien dienen als Ausgangspunkt für Innovationsprozesse, bei denen durch Methoden wie Design Thinking konkrete Lösungen entwickelt werden, die sowohl zukunftsorientiert als auch nutzerzentriert sind. So wird die Brücke zwischen langfristiger Vorausschau und praktischer Innovation geschlagen.

Welche typischen Denkfehler oder Hürden begegnen dir in Organisationen beim Thema „Zukunft gestalten“?

Häufige Herausforderungen in Organisationen sind:

  • Kurzfristiges Denken: Fokus auf schnelle Ergebnisse statt langfristiger Strategien.
  • Silodenken: Mangelnde bereichsübergreifende Zusammenarbeit.
  • Angst vor Unsicherheit: Scheu vor dem Umgang mit unsicher scheinenden Zukunftsszenarien und festhalten an der einen erwarteten Zukunft.
  • Fehlende Ressourcen: Begrenzte Zeit und Mittel für strategische Vorausschau.
  • Fehlende strategische Einbindung: Beschäftigung mit Zukunftsszenarien wird als "nice to have", nicht als strategisches Imperativ begriffen.

Diese Hürden können durch systhematisches Vorgehen, bewährte Methoden, gezielte Workshops und eine Kultur des offenen Denkens überwunden werden.

Viele Menschen beschreiben die heutige Zukunftsaussicht als fragil oder ungewiss. Wie beeinflusst die aktuelle Welle der KI-Einführung die Art und Weise, wie Unternehmen über ihre Zukunft denken?

In vielen Unternehmen wirkt KI wie ein Vergrößerungsglas. Sie macht bestehende Unsicherheiten in Bezug auf Märkte, Regulierung und Wertschöpfung sichtbarer. KI verspricht zwar Effizienz und Beschleunigung, zeigt aber auch, wie unklar vielen Unternehmen die Zukunft ist, auf die sie sich tatsächlich vorbereiten.

Wir beobachten oft starke Aktivitäten, aber eine begrenzte Orientierung. KI-Initiativen werden eher von dem bestimmt, was technisch möglich ist, als von einem gemeinsamen Verständnis der zukünftigen Nutzerbedürfnisse oder der strategischen Ausrichtung. Das Ergebnis sind Experimente ohne Kohärenz – viele Pilotprojekte, aber wenig Klarheit.

Gleichzeitig zwingt KI Unternehmen dazu, sich mit grundlegenden Fragen zu Arbeit, Verantwortung und Entscheidungsfindung auseinanderzusetzen. Ohne einen zukunftsorientierten Rahmen werden diese Fragen tendenziell reaktiv behandelt oder aufgeschoben. Hier kommt die Vorausschau ins Spiel. Durch die Untersuchung verschiedener plausibler Zukunftsszenarien können Unternehmen sich vom kurzfristigen Druck lösen und bewusster entscheiden, wo und wie KI einen sinnvollen Mehrwert schafft.

KI wird oft so diskutiert, als würde sie eine eindeutige Zukunft darstellen. Wie sollten Unternehmen aus einer vorausschauenden Perspektive tatsächlich über KI denken, wenn sie mit Zukunftsszenarien arbeiten?

Bei der Vorausschau interessiert uns weniger die Vorhersage, wie sich eine einzelne Technologie entwickeln wird, sondern vielmehr, wie verschiedene Kräfte unter Unsicherheit zusammenwirken. KI ist ein gutes Beispiel dafür. Wir wissen zwar nicht genau, wie sich KI entwickeln wird, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie in vielen zukünftigen Kontexten eine bedeutende Rolle spielen wird.

Anstatt Szenarien rund um KI selbst zu entwickeln, betrachten wir sie als einen prägenden Faktor, der sich in verschiedenen Zukunftsszenarien unterschiedlich entfaltet. Die entscheidende Frage ist nicht, ob KI existieren wird, sondern welche Rolle sie unter verschiedenen Bedingungen spielen wird.

In einer Zukunft mit strengen Vorschriften und hoher gesellschaftlicher Kontrolle könnte KI beispielsweise in erster Linie dazu dienen, Entscheidungsprozesse zu unterstützen, die Transparenz zu erhöhen oder menschliches Fachwissen zu ergänzen. In einer Zukunft mit schwacher Regulierung und starkem Marktdruck könnte KI stattdessen Automatisierung, Effizienz und Wettbewerbsbeschleunigung vorantreiben – mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf Arbeit, Vertrauen und Verantwortung.

Durch die Untersuchung dieser Unterschiede helfen Szenarien Unternehmen, über abstrakte Debatten über KI hinauszugehen. Sie ermöglichen es, konkrete Entscheidungen zu diskutieren: Welche Anwendungen sind wünschenswert, welche Risiken sind akzeptabel und wo bleibt menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar? Diese Perspektive stellt sicher, dass KI als Teil eines breiteren Zukunftskontextes betrachtet wird – und nicht als eigenständige Lösung.

Was können Teilnehmende aus eurem Workshop „Foresight-Driven Innovation” mitnehmen – fachlich und persönlich?

Fachlich:

  • Methodenkompetenz in strategischer Vorausschau und Innovationsentwicklung.
  • Fähigkeit, Zukunftsszenarien zu erstellen und in Innovationsprozesse zu integrieren.
  • Werkzeuge zur Identifikation und Bewertung von Zukunftschancen.

Persönlich:

  • Stärkung des eigenen Zukunftsdenkens und der Innovationsfähigkeit.
  • Erweiterung des Netzwerks durch interdisziplinären Austausch.
  • Motivation, aktiv die Zukunft des eigenen Unternehmens mitzugestalten.

Vielen Dank für das Interview, Selina and Dominik!

Workshop für Professionals: Foresight-Driven Innovation

In einer Welt des ständigen Wandels sind proaktive Strategien von entscheidender Bedeutung. Unser Workshop „Foresight-Driven Innovation” vermittelt dir die Werkzeuge, um zukünftige Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.

Ziele:

  • Trends erkennen: Identifizieren Sie relevante Entwicklungen und Treiber des Wandels.
  • Zukunftsszenarien entwickeln: Entwerfen Sie alternative Zukunftsszenarien für die strategische Planung.
  • Innovationspotenzial nutzen: Leiten Sie konkrete Geschäftsmöglichkeiten aus zukünftigen Nutzerbedürfnissen ab.

Dieser Workshop richtet sich an Führungskräfte und Entscheidungsträger:innen, die ihre Innovationsstrategien zukunftssicher machen möchten.

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Dr. Selina Mayer
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