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Zwischen Whiteboards und Wandel

Einführung

Raluca Mihaela Bârsan über die Zukunft des Design Thinkings

Raluca Mihaela Bârsan ist eine der treibenden Kräfte hinter der ersten D-School in Rumänien. Als erste Mitarbeiterin der ULBS D-School war sie maßgeblich am Aufbau der Institution beteiligt und koordiniert seit 2022 das ehrenamtliche Team sowie die Programmgestaltung. Im März kehrte sie als Coach an die HPI d-school zurück, um den Global Design Thinking Workshop im Wintersemester 2024/2025 zu begleiten. Über ihre Erfahrungen mit Design Thinking in Rumänien und in globalen Projekten, ihre wichtigsten Erkenntnisse als Coach und die Zukunft der Methode spricht sie in diesem Interview.

Interessant für

Unternehmer:innen, Projektpartner:innen, Student:innen, junge Berufstätige

Interview

Vom Makerspace zur Design Thinking Community

Raluca kam 2019 erstmals als Teilnehmerin des Global Design Thinking Workshops an die HPI d-school, um die Methode jenseits von Artikeln und Büchern kennenzulernen. Ihr Arbeitgeber, die Lucian Blaga University of Sibiu (ULBS), erhielt eine Spende von Hasso Plattner – der Startschuss für ein Makerspace-Projekt. Doch schnell wurde daraus in Kombination mit dem Design Studio die ersten D-School Rumäniens. Seit 2020 ist sie dort als erste und bislang einzige festangestellte Mitarbeiterin tätig und ist bis heute eng mit der HPI d-school vernetzt.

Design Thinking in Rumänien: Kooperation statt Monologe

Ob in Unternehmen oder öffentlichen Institutionen – Design Thinking kann den Arbeitsalltag grundlegend verändern. „Statt langwieriger Meetings, in denen nur einige wenige sprechen, fördert Design Thinking interaktive und kollaborative Prozesse“, sagt Raluca. „Auch ohne Prototyping kann Design Thinking, allein durch den Einsatz von einfachen Post-Its, dazu beitragen, langwierige Meetings in interaktive, kürzere Sessions umzuwandeln, in denen die Menschen wirklich zusammenarbeiten und gemeinsam Ideen entwickeln.“ 

Gefragt nach den Unterschieden der Methode im Vergleich zu Deutschland, verweist sie auf das Bildungssystem in Rumänien, in dem viele Studierende bereits berufstätig sind oder einen vollen Lehrplan haben, weshalb sie auf kompakte Formate mit hoher Betreuungsqualität setzt: „Wir haben 12-wöchige Kurse, aber nur eine Sitzung pro Woche. Dabei achten wir darauf, dass jedem Team von 4 bis 6 Personen ein Coach zugeordnet wird, um eine optimale Betreuung und individuelle Unterstützung zu gewährleisten.“ 

Prototyping als Gamechanger

Eine zentrale Erkenntnis aus Ralucas Coaching-Praxis: Teams neigen dazu, sich in Perfektionismus und zu langen Analysen zu verlieren. „Die Magie des Prototypings liegt darin, dass es Teams hilft, schnell ins Handeln zu kommen. Selbst ein zehnminütiges Prototyping kann helfen, den Fokus wiederzufinden und eine gemeinsame Richtung zu entwickeln.“

Lernen durch Reframing: Eine besondere Coaching-Erfahrung

Ein Projekt ist Raluca besonders in Erinnerung geblieben: Ein Team aus zwei Schüler:innen, zwei Studierenden und einem 70-jährigen Designer arbeitete an einer Bibliothekslösung für die Universität. Ursprünglich sollte es um neue Sitzgelegenheiten gehen, doch durch die Design Thinking-Methode wurde schnell klar: Viele Studierende wussten nach der Pandemie nicht einmal, wo sich die Universitätsbibliothek befand. „Das war für mich ein Paradebeispiel dafür, warum wir im Problemraum beginnen, bevor wir nach Lösungen suchen.“

Die Zukunft von Design Thinking: Von der Theorie zur echten Anwendung

Raluca ist keine Anhängerin von kurzlebigen Trends. Ihr Fokus liegt darauf, Design Thinking nicht nur zu lehren, sondern es nachhaltig in der Praxis zu verankern. „An vielen d-schools weltweit gibt es bereits Projekte, die verschiedene Akteure langfristig miteinander vernetzen. Ich frage mich, was der nächste Schritt sein wird - wie wir die Brücke zwischen Lehre und realer Anwendung noch besser schlagen und auch in der Verwaltung nutzen können“.

Ralucas wichtigster Rat für angehende Coaches

„Innere Haltung: SAVE IT 4 EVER!“ Dieser Satz begleitet sie seit ihrer Trainer-Ausbildung und erinnert sie daran, wie wichtig es ist, die eigene Energie bewusst einzuteilen. „Ich sag das ganz pragmatisch. Coaching bedeutet, intensiv mit vielen Menschen zu arbeiten. Wer das langfristig erfolgreich tun will, muss auch für sich selbst sorgen.“
 

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