Welche Herausforderung im Bereich der urbanen Mobilität beschäftigt dich derzeit am meisten? Wo siehst du die größten Chancen für neue Lösungen im städtischen Verkehr?
Chinh: Die größte Herausforderung besteht darin, einen echten Wandel hin zu nachhaltigen Verkehrsmitteln zu erreichen, nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes und der Sicherheit, sondern auch für die persönliche Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt. E-Bikes, E-Autos und digitale Mobilitätslösungen eröffnen neue Möglichkeiten, aber in dicht besiedelten Städten wird der öffentliche Nahverkehr immer das Rückgrat der urbanen Mobilität bleiben.
Wie stellt ihr bei Motiontag das Vertrauen der Nutzer:innen und den Datenschutz bei der Erfassung von Mobilitätsdaten sicher?
Chinh: Standortdaten sind hochsensibel, und ihr Schutz ist nicht verhandelbar. Wir konzentrieren uns auf transparente Kommunikation und durchdachtes UX/UI-Design, denn beides ist für das Vertrauen unerlässlich. Vertrauen gewinnt man nicht nur durch die richtigen Worte, sondern auch durch den Aufbau von Systemen, die den Nutzer:innen tatsächlich Sicherheit und Kontrolle bieten.
Welche Rolle spielen Prototyping und Tests in deiner täglichen Arbeit oder in eurem Unternehmen?
Chinh: Wir verwenden eine breite Definition von Prototyping: Fast alles, was wir entwickeln, ist ein Prototyp, der sich in der Praxis bewähren muss. Bei der agilen Produktentwicklung ist jede Iteration ein Test; der Prototyp wird verbessert, angepasst oder ersetzt, je nachdem, was wir lernen.
Was hast du aus der Zusammenarbeit mit einer so vielfältigen Gruppe von Stakeholdern (z. B. vielen verschiedenen Verkehrsbetrieben) gelernt?
Chinh: Letztendlich geht es immer um Menschen. Zusammenarbeit funktioniert, wenn man sich an unterschiedliche Kommunikations- und Arbeitsstile anpasst, Brücken zwischen den Stakeholdern baut, Empathie entwickelt und ihre Bedürfnisse versteht. Das ist der eigentliche Schlüssel zum Fortschritt.
Wie verwandelt man einen Prototyp in eine Lösung, die wirklich skalierbar ist?
Chinh: Die Skalierung erfolgt, nachdem der tatsächliche Wert nachgewiesen wurde. Zu Beginn reicht es aus, eine grobe Vorstellung davon zu haben, dass die Idee in ihrem Kern skalierbar ist. Aber zunächst lösen wir Probleme pragmatisch, ohne jeden einzelnen, besonderen Fall zu antizipieren. Wenn die Skalierung ansteht, hat das Produkt bereits die Phasen des Prototyping und Testens durchlaufen und die Produkt-Markt-Passung erreicht. Erst dann verfeinern wir die Details und erstellen einen Skalierungsplan.
Wenn du auf deinen Gastvortrag an der HPI d-school zurückblickst – was ist die wichtigste Botschaft, die du den Teilnehmenden mitgeben möchtest?
Chinh: Der organisatorische Kontext wird oft unterschätzt, aber er ist genauso wichtig wie die Idee selbst! Innovation ist abhängig von den Strukturen, die sie umgeben. Eine brillante Idee spricht nicht für sich selbst; man braucht die richtigen Verbündeten und das richtige Umfeld, damit sie gedeihen kann.
Vielen Dank für das Interview!