Warum brauchen wir heute noch Führung?
Selina: Führung ist nach wie vor unerlässlich, nicht nur als strukturelle Notwendigkeit, sondern auch als treibende Kraft in den komplexen Arbeitsumgebungen von heute. Agile Teams müssen sich aufeinander abstimmen, um effektiv zu arbeiten. Die Aufgabe der Führungskräfte ist es, eine klare Richtung vorzugeben und gleichzeitig den Weg zum Ziel flexibel zu gestalten. Sie spielen auch eine Schlüsselrolle bei der Verknüpfung der Unternehmensstrategie mit der Expertise des Teams und stellen sicher, dass wertvolle Erkenntnisse in beide Richtungen fließen.
Wie stellt die Digitalisierung eine Herausforderung für die Führung dar?
Selina: Die Digitalisierung beschleunigt den Wandel und zwingt Führungskräfte dazu, sich schnell anzupassen. Erfolgreiche Führungskräfte setzen auf Agilität, verstehen die Auswirkungen von Technologien und fördern die Zusammenarbeit, anstatt sich auf eine Top-down-Entscheidungsfindung zu verlassen. Zukünftige Trends vorherzusehen und angesichts von Störungen proaktiv zu bleiben, ist wichtiger denn je.
Wie gehst du in deinen Workshops mit dem komplexen Thema Führung um?
Selina: An der HPI d-school haben wir vier Prinzipien moderner Führung identifiziert, die die Grundlage für effektive, anpassungsfähige und menschenzentrierte Organisationen bilden.
Ein menschenzentrierter Ansatz stellt sicher, dass Entscheidungen von echten Nutzerbedürfnissen und nicht von internen Debatten geleitet werden, und fördert so Engagement, Innovation und nachhaltigen Erfolg. Eine experimentelle Denkweise ermöglicht es Führungskräften, Unsicherheiten zu akzeptieren, Ideen schnell zu testen und aus Feedback zu lernen, anstatt sich auf starre Pläne zu verlassen, wodurch Organisationen in einer sich schnell verändernden Welt agiler werden. Psychologische Sicherheit zu vermitteln ist von entscheidender Bedeutung, da sie es Teams ermöglicht, Risiken einzugehen, unterschiedliche Perspektiven zu äußern und aus Fehlern zu lernen, was zu einer besseren Zusammenarbeit, Kreativität und Leistung führt. Schließlich gibt strategische Klarheit der Führungskraft den Teams eine klare Richtung vor, stellt die Übereinstimmung mit der Vision des Unternehmens sicher und befähigt sie, fundierte Entscheidungen zu treffen, die eine bedeutende Wirkung erzielen. Durch die Integration dieser Prinzipien schaffen Führungskräfte ein Umfeld, in dem sowohl Menschen als auch Unternehmen gedeihen können.
Wie kann eine experimentelle Denkweise entwickelt werden?
Selina: Eine experimentelle Denkweise entsteht durch das Denken in kleinen Schritten, das Sammeln von Feedback und das Erkennen von Frühwarnzeichen. In Leadership-Workshops testen die Teilnehmenden Ideen schnell und verfeinern sie auf der Grundlage von unmittelbarem Feedback. Das Erkennen früher Signale hilft Führungskräften, proaktive Anpassungen vorzunehmen.
Wie können Studierende mit der Entwicklung von Führungsqualitäten beginnen?
Selina: Führung beginnt früh. Studierende können grundlegende Fähigkeiten entwickeln, indem sie Verantwortung in Gruppenprojekten übernehmen, agile Methoden anwenden und Reflexion und Feedback in ihre Arbeit an der Universität integrieren. Die Fähigkeit, Selbstorganisation und Teamarbeit in Einklang zu bringen, ist der Schlüssel zu einer effektiven Führung.
Was sind die größten Herausforderungen für Führungskräfte, die diese Prinzipien anwenden?
Selina: Viele Organisationen verlassen sich immer noch auf starre Hierarchien und langsame Entscheidungsprozesse, was Agilität erschwert. Ohne eine Kultur, die das Lernen aus Fehlern fördert, fällt es Teams schwer, innovativ zu sein. Führung bedeutet heute mehr als nur die Verwaltung von Aufgaben – es geht darum, Anpassungsfähigkeit, Innovation und langfristigen Erfolg zu fördern.