Vom Informatik-Studium zur Gründung in der Modebranche
Im HPI Alumni-Portrait stellen wir Caterina Mandel vor. Sie absolvierte ihren Bachelor in IT-Systems Engineering (2020) und Master in IT Systems Engineering (2022) am Hasso-Plattner-Institut. Nach mehreren Jahren Erfahrung im Aufbau und der Skalierung digitaler Produkte, unter anderem bei Check24 und luca, hat sie vor drei Monaten ihr eigenes Startup gegründet und ist heute Mitgründerin und CEO von studio vaai.
Hasso-Plattner-Institut (HPI): Kannst du bitte deinen Job und dein berufliches Aufgabengebiet beschreiben?
Caterina Mandel: Na klar! Ich bin Co-Founder und CEO von studio vaai. Wir sind ein early stage Startup aus München mit dem Ziel, eines der größten Probleme im Fashion E-Commerce zu lösen: Retouren. Heutzutage setzen viele das Abschicken einer Onlinebestellung weniger mit dem Bezahlen an der Kasse im Laden gleich, sondern vielmehr mit dem Gang in die Umkleide - und schicken dann häufig einen Großteil der Bestellung zurück. Das hat natürlich massive Auswirkungen - auf die Profitabilität der Modeunternehmen, aber genauso auch auf die Umwelt und die Zufriedenheit der Kunden.
Wir bauen eine Technologie, die eine möglichst realitätsnahe digitale Anprobe ermöglicht. Nutzer können dadurch beim Online-Shopping Kleidung in verschiedenen Größen maßstabsgetreu "anprobieren". Dazu laden sie lediglich ein Ganzkörperfoto hoch und können dann genau sehen, ob ein Hemd zum Beispiel richtig sitzt und in welcher Größe es am besten passt. Da wir noch sehr early stage sind, besteht meine Aufgabe derzeit vor allem in drei Themen: Das Team aufzubauen, das Produkt in die richtige Richtung zu lenken und uns einen Platz in der Modebranche zu verschaffen.
HPI: Welche Aspekte deiner Arbeit bereiten dir am meisten Freude?
Caterina: An meiner Arbeit machen mir vor allem zwei Dinge Spaß:
- Ich arbeite an einem Produkt, das ich richtig cool finde. Was wir uns vorgenommen haben, ist technisch super komplex, löst im besten Fall aber ein riesiges Problem. Und das in einer Branche, die mich schon schon immer fasziniert hat - bevor ich mein Informatik-Studium am HPI begonnen habe, wollte ich eigentlich immer in der Mode arbeiten. Dann habe ich in der Informatik gelernt, wie man gute digitale Produkte entwickelt - was in der Modebranche noch dringend gebraucht wird. Und jetzt gehört es auf einmal zu meiner Arbeit dazu, zur Fashion Week zu fahren und dort potenzielle Kunden zu treffen - das fühlt sich immer noch surreal an.
- Ich arbeite mit super coolen, intelligenten Entwicklern zusammen, die bei uns eigentlich eher eine Mischung aus Research und Engineering machen. Dadurch, dass wir an etwas Neuem arbeiten, lernen wir alle jeden Tag dazu und es macht einfach richtig Spaß, die Neugier und den Ehrgeiz, das beste Produkt zu bauen, mit einem solchen Team zu teilen.
HPI: Inwiefern hat dich dein Informatik-Studium am HPI auf deine berufliche Karriere vorbereitet?
Caterina: Ich habe immer an der Schnittstelle zwischen Tech und anderen Bereichen im Unternehmen gearbeitet, also zum Beispiel im Produkt oder Business Development - nie klassisch als Entwicklerin. Dafür ist ein solides technisches Fundament enorm wichtig. Mein Informatik-Studium am HPI hat mir genau dieses Grundverständnis vermittelt, ebenso wie die Fähigkeit, mich schnell und tief in neue Themen einzuarbeiten. Dadurch kann ich fundierte Entscheidungen, z.B. über die Priorisierung verschiedener Funktionen treffen, aber auch auf Augenhöhe mit den Entwicklern sprechen.
Mit studio vaai bauen wir jetzt ein Produkt an der Schnittstelle zwischen der Modebranche und Deep Tech - eine eher seltene Kombination. Mein technisches Verständnis und die Fähigkeit, das mit unserer Domäne verbinden zu können, ist hier umso wichtiger. Und was wahrscheinlich mindestens genauso wichtig ist: Durch das HPI bin ich überhaupt erst in die Startup-Welt gekommen. Mein erster Job war bei neXenio, einem Spin-Off des HPIs, aus dem dann das Team der luca App gegründet wurde.
Natürlich spielt auch das Bauchgefühl eine Rolle:
Je mehr ich an der Idee gearbeitet habe, desto mehr hat es sich wie der natürliche nächste Schritt für mich angefühlt.
HPI: Viele träumen von der eigenen Gründung, wenige gehen den Schritt. Was hat für dich den Ausschlag gegeben, es wirklich zu tun – und was hat dir in diesem Moment Sicherheit gegeben?
Caterina: Das ist eine sehr gute Frage, vor allem weil ich mich ja (im Gegensatz zu vielen ehemaligen Kommilitonen und Freunden am HPI) noch nicht direkt nach dem Studium getraut habe, zu gründen.
Das HPI war, würde ich sagen, ein Sprungbrett in die Startup-Welt. Und die Sicherheit habe ich durch die Meilensteile der letzten Jahre in verschiedenen, teilweise auch sehr intensiven, Rollen gewonnen. Ich wusste, dass ich mit der Verantwortung umgehen kann und kenne die Ups and Downs, die Startups durchlaufen können. Jetzt erlebe ich es natürlich nochmal intensiver, aber ich fühle mich gut darauf vorbereitet. Und natürlich spielt auch das Bauchgefühl eine Rolle: Je mehr ich an der Idee gearbeitet habe, desto mehr hat es sich wie der natürliche nächste Schritt für mich angefühlt.
HPI: Wenn du heute einer jüngeren Version von dir am Anfang des Studiums einen einzigen Rat geben könntest – welcher wäre das?
Caterina: Ich bin nicht sicher, ob mein jüngeres Ich darauf hören würde, aber ich würde mir raten, gelassener zu sein. Als ich mit dem Informatik-Studium angefangen habe, wusste ich nicht mal, wie ein Programm aussieht und weil das bei den allermeisten meiner Kommilitonen anders war, musste ich erstmal viel aufholen, um überhaupt mitreden zu können.
Am Anfang ging mir das natürlich alles viel zu langsam - ich habe mich wahnsinnig unter Druck gesetzt, und mir dadurch Dinge schwerer gemacht, als sie hätten sein müssen. Meine Kommilitonen hatten teilweise schon 10 Jahre Programmiererfahrung, das holt man nicht in zwei Monaten auf und das ist auch völlig in Ordnung (wäre ja fast schlimm, wenn das ginge).
Also habe ich weitergemacht und festgestellt, dass es, sobald man die ersten Hürden genommen hat, ziemlich viel Spaß macht, immer mehr zu verstehen. Und wenn man das Ganze etwas gelassener angeht, funktioniert es meistens auch besser (so ist das zumindest bei mir). Heute sehe ich es als Stärke, viele verschiedene Interessen zu haben, die ich gerne miteinander verbinde (zum Beispiel Technologie und Mode) und keine Scheu davor zu haben, etwas ganz Neues auszuprobieren.
HPI: Welchen Ausgleich schaffst du dir im Alltag, um Kraft zu tanken?
Caterina: Das ist für mich ganz klar Bewegung und Zeit in der Natur! Wenn ich es irgendwie einrichten kann, verbringe ich jede freie Minute beim Laufen oder auf meinem Rennrad, beides am liebsten in den Bergen. Wenn ich stundenlang in der Natur unterwegs bin und mich körperlich verausgabe, kann ich meinen Kopf mal so richtig "leer denken" - das habe ich bei wenig anderen Sachen so.
Und wenn man gerne läuft und radelt, passiert natürlich das Unvermeidliche: Vor etwa zwei Jahren habe ich mich für meinen ersten Triathlon angemeldet und seitdem werden es jedes Jahr mehr Rennen. Ich liebe sowohl das Training dafür, als auch die Events selbst. Es macht mir unfassbar viel Spaß, auf dem Weg verschiedene Orte kennenzulernen, die eigenen Grenzen auszutesten und Menschen mit der gleichen Leidenschaft kennenzulernen.
Vielen Dank, Caterina - wir wünschen dir viel Erfolg mit studio vaai!
Letzte Änderung: 27.05.2026, Patrick Lenz