PlaytestCloud – von der Studentenidee zum erfolgreichen Unternehmen in der Videogames-Branche

Bereits während seines Studiums am HPI begann Marvin Killing gemeinsam mit seinem Kommilitonen Christian Reß an einer Startup-Idee im Bereich Videospiele zu arbeiten. Als er 2014 sein Masterstudium in IT-Systems Engineering abschloss, hatten die beiden bereits ihre ersten Kund:innen gewonnen. Dieser Erfolg ermutigte sie, die PlaytestCloud GmbH zu gründen – eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

HPI Alumnus Marvin Killing

Hasso-Plattner-Institut (HPI): Kannst Du bitte Deinen Job und Dein berufliches Aufgabengebiet beschreiben?

Marvin: Ich bin Mitgründer und Co-Geschäftsführer von PlaytestCloud – ‚Startup‘ in Anführungszeichen, da es uns mittlerweile seit über zehn Jahren gibt. Heute besteht unser Team aus 44 Mitarbeitenden. Mit unserer Online-Plattform unterstützen wir Videospielentwickler weltweit dabei, erfolgreiche Games zu entwickeln. Die meisten unserer Kunden kommen aus den USA. In den ersten Jahren des Unternehmens haben mein Mitgründer Christian Reß (ebenfalls HPI-Alumnus) und ich fast alles selbst gemacht – vom Programmieren über die Kundenakquise bis hin zum Aufbau der Büromöbel.

Heute konzentriere ich mich in meinem Arbeitsalltag auf die Leitung von Produktentwicklung, Finanzen und HR im Unternehmen. Glücklicherweise haben wir kompetente Mitarbeiter eingestellt, die sich in all dem besser auskennen als ich.

HPI: Welche Aspekte deiner Arbeit bereiten Dir am meisten Freude?

Marvin: Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich mich seit der Gründung auf jede kommende Arbeitswoche freue. Ich mag die Autonomie und die Vielfalt meiner Arbeit. Als Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens bin ich in viele verschiedene Bereiche involviert. Das macht die Arbeit abwechslungsreich und spannend.

HPI: Inwiefern hat Dich Dein Studium am HPI auf Deine berufliche Karriere vorbereitet?

Marvin: Vor meinem Studium am HPI hätte ich nie gedacht, dass ich einmal Unternehmer werden könnte. Das HPI hat mir mit Vorlesungen wie BWL, IT Entrepreneurship und auch Human Computer Interaction gezeigt, was möglich ist. In vielen Veranstaltungen wurde erwartet, dass wir uns selbstständig und schnell in neue Technologien einarbeiten – das fällt mir heute immer noch sehr leicht. Als wir im Jahr 2012 den Businessplanwettbewerb des HPI entgegen unseren Erwartungen gewonnen haben, war klar: Wir probieren das mit dem Startup jetzt einfach mal aus.

HPI: Gab es einen besonders herausfordernden Moment in Deiner Karriere und wie bist Du damit umgegangen?

Marvin: Ganz am Anfang unserer Gründung haben wir den typischen Softwareentwickler-Fehler gemacht und uns viel zu sehr auf die Produktentwicklung konzentriert: "If we build it, they will come". Nach 10 Monaten standen wir mit einem funktionierenden Produkt, aber mit nur einem Kunden da – und dieser Kunde nutzte das Produkt nur, weil es kostenlos war. Es war schon sehr frustrierend, nicht voranzukommen. 

Wir haben dann beschlossen, einmal komplett das Gegenteil zu probieren – wir konzentrierten uns auf Gespräche mit potenziellen Kunden und schlossen Verträge ab, obwohl viele Features noch gar nicht existierten. Dann haben wir diese Features unter Hochdruck entwickelt, teilweise so zugeschnitten, dass sie zunächst ausschließlich für diesen einen Kunden nutzbar waren. Das war genau richtig: Unsere zufriedenen ersten Kunden haben uns dann weiterempfohlen.

HPI: Wer oder was inspiriert Dich im Alltag oder hat Dich in Deiner Karriere inspiriert?

Marvin: Ganz spontan fällt mir da in der Games-Branche John Carmack, der Entwickler von DOOM und Mitgründer von id Software, ein. Er hat es geschafft, mit harter Arbeit, technischem Genie, aber auch mit viel Spaß ein Unternehmen aufzubauen, das die Spieleindustrie nachhaltig geprägt hat. Dass er nie aufgehört hat, Neues zu lernen – vom Raketenbau über Virtual Reality bis hin zur aktuellen Arbeit an KI – inspiriert mich sehr.

Vielen Dank für das Interview.

Letzte Änderung: 27.05.2026, Patrick Lenz