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Rückblick: AI@HPI Konferenz 2025

Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage: Wie kann Europa Souveränität im Bereich der künstlichen Intelligenz gewinnen? Unter dem Motto “Shaping AI Sovereignty” widmete sich die AI@HPI Conference 2025 dieser zentralen Weichenstellung unserer Zeit: dem Aufbau eines Rahmens für eine künstliche Intelligenz, die innovativ, werteorientiert und zukunftssicher ist. 

Für diese dreitägige Veranstaltungen auf dem HPI-Campus haben sich mehr als 300 Menschen verschiedenster Bereiche aus Forschung, Wirtschaft und Politik angemeldet. Während KI viele Bereiche unseres Alltags neu formt, war der Bedarf an echter technologischer Souveränität nie dringlicher.

Konferenz 2025

Auftakt

Konferenzgastgeber Prof. Gerard de Melo, der Leiter des HPI-Fachgebiets “Artificial Intelligence – Intelligent Systems” begrüßte das Publikum in Hörsaal 1. In seiner Eröffnungsrede betonte er, das Team hätte bei der Planung der Konferenz vor Monaten nicht geahnt, wie aktuell das Motto tatsächlich werden würde. Das Thema der Souveränität sei nicht nur eine akademische Frage oder eine Frage für die Industrie. Es sei eine Frage, die den Alltag aller betrifft. Letztlich gehe es um die Frage: in welcher Welt werden wir leben?

Stimmen von der Konferenz

Dr. Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, schloss sich in seiner Keynote dieser Analyse an. Er unterstrich, dass die Bundesregierung all jene unterstütze, die in Europa diese Innovation vorantreiben. “Wenn wir über Souveränität sprechen, sprechen wir über Optionen”. Insbesondere in Deutschland gebe es eine exzellente Expertise. Das Ziel müsse sein, ein Umfeld zu schaffen, in dem auch in Europa Geschäftsmodelle entstehen. 

Der Staatssekretär rief dazu auf, dass Startups und Unternehmen entsprechende Allianzen bilden. Auch die Bundesregierung nimmt sich vor, abgestimmt zu handeln. Richter kündigte an, dass das Bundesdigitalministerium künftig ein Vetorecht für IT-Projekte aus anderen Ministerien erhalten werde. Damit sollen die IT-Ausgaben und Digitalprojekte über Ressortgrenzen hinweg gebündelt und gesteuert werden: statt, dass jedes Ministerium eigene Lösungen bastelt, soll zentral für Kompatibilität, Effizienz und eine einheitliche strategische Ausrichtung gesorgt werden. Der Zustimmungsvorbehalt des Digitalministeriums werde mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz starten, so Richter. 

Dr. Markus Richter

Prof. Dr. Maja Göpel, Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Transformationsforschung, machte deutlich, dass es mehr als technologische Innovation brauche, wenn wir wirklich wollen, dass KI unser Leben verbessert. Wir brauchen einen klaren Sinn – ein Ziel, das weit über Effizienz und Wachstum hinausgeht – und KI-Systeme, die sich an menschlichen Werten, Nachhaltigkeit und Gemeinwohl orientieren.

Prof. Dr. Maja Göpel during her keynote speech
Prof. Dr. Maja Göpel

Prof. Dr. Holger Hoos, Alexander von Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz, sprach in seiner Keynote über die Zukunft von KI “Made in Europe“. Noch sei Europa nicht auf dem richtigen Pfad, um hier als weltweit führende Kraft mitzuwirken, was uns anfällig für technologische und ökonomische Abhängigkeit mache. Das sei bedenklich, denn, so Hoos: ”KI-Systeme und -Dienste sind eine unverzichtbare öffentliche Infrastruktur.“ 

Dabei habe Europa die nötigen Voraussetzungen, zumindest eine anteilige globale Führungsrolle zu übernehmen. Es komme jedoch darauf an, mutig und vor allem jetzt zu handeln. 

Prof. Dr. Holger Hoos

Greifbare KI-Forschung

Forschung wird besonders spannend, wenn sie nahbar ist und Berührungspunkte im Alltag schafft. Auf der AI@HPI Konferenz zeigten Wissenschaftler:innen komplexe Forschung greifbar gemacht. 

  • Das “TreeDigitalTwins”-Team präsentierte, wie Drohnen, Laserscanner und KI präzise 3D-Modelle von Waldflächen erstellen. Vorab wurde das Team bereits vom ZDF begleitet. Josafat-Mattias Burmeister zieht ein positives Fazit: “Es fanden schon viele interessante Gespräche statt, wir haben sehr positives Feedback bekommen.”
     
  • Am Nachbarstand zeigten Zi Yang und Jona Otholt, wie KI Wettervorhersagen energieeffizient, schnell und für mehr Menschen zugänglich macht. Dank hoher räumlicher Auflösung und einem Modell, das sogar auf nur einer GPU läuft.
     
  • Ein weiteres Projekt, unterstützt vom KI-Servicezentrum WestAI, verfolgt ein ähnliches Prinzip, mit dem Ziel, Menschen und Städte zu schützen: Floodwaive sagt innerhalb von Sekunden voraus, ob starker Regen zu Überschwemmungen führt. Denny Gert erklärt: “Unser KI-Modell zeigt sofort, wie hoch das Wasser steigen könnte und wo Gefahren drohen – ohne teure Simulationen”. Warum das wichtig ist, wird klar: “Antworten auf Flutvorhersagen zu haben, ist für den Katastrophenschutz essenziell. Mit frühen Vorkehrungen lassen sich immense Schäden verhindern – gerade angesichts des Klimawandels.” 

Fireside Chat mit Richard David Precht

Zum Abschluss des ersten Konferenztages fand am Abend ein Fireside Chat statt. Im Dialog: HPI-Professor Ralf Herbrich und der Autor und Philosoph Richard David Precht. Während im Hintergrund ein digitales Kaminfeuer flackerte, stellte der Leiter des HPI-Fachgebiets “Artificial Intelligence and Sustainability” die erste Frage: „Was ist der entscheidende Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz?“ 

Precht betonte, dass Maschinen Emotionen lediglich imitieren können, keinen Fokus auf die Gegenwart besitzen, kein Vorstellungsvermögen entwickeln und kein Ich-Bewusstsein haben. Welche Arbeit wird künftig überhaupt noch bleiben? Für Precht zeichnet sich ab, dass vor allem jene Tätigkeiten bestehen bleiben, „wo Menschen darauf Wert legen, dass Menschen mit Menschen zu tun haben.“ 

Auch die Diskussion um eine mögliche Superintelligenz war schnell auf den Punkt gebracht: Beide Gesprächspartner waren sich einig, dass wir davon weit entfernt sind. Die aktuellen KI-Modelle seien nach wie vor hochspezialisiert, und eine sich selbst verbessernde allgemeine Intelligenz sei wissenschaftlich nicht in Sicht, so Herbrich. Beim Thema Kreativität zeigte sich ein spannender Gegensatz. Precht machte sich Sorgen, dass Musik, Kunst oder Design künftig vor allem von Maschinen erschaffen werden. Besonders die Tatsache, wie heutzutage Popsongs entstehen, mache ihn skeptisch. Herbrich hielt dagegen und erinnerte daran, dass Kunst und Kultur stets neue Technologien genutzt hätten, um neue Ausdrucksformen zu entwickeln.

Ralf Herbrich und Richard David Precht im Gespräch

Schließlich ging es um die Frage, ob Europa im globalen KI-Wettlauf noch aufholen kann. Precht zog einen historischen Vergleich zu Argentinien der 1920er Jahre – damals eine der reichsten Nationen, später durch verpassten technologischen Wandel dauerhaft ins Hintertreffen geraten. 

Herbrich blickte deutlich optimistischer in die Zukunft. Es gebe enormes Innovationspotenzial, etwa durch völlig neue Methoden oder energieeffizientere Rechenarchitekturen. Darin liege eine große Chance für Europa. 

Bei der finalen Frage wurde es persönlich: „Worauf freust du dich am meisten im Bereich der künstlichen Intelligenz?“ Precht hofft darauf, dass die geistige Routinearbeit abnimmt und wir Menschen uns stärker auf das konzentrieren können, „was uns wirklich ausmacht“. 

Conference of the German AI Service Centers

Tag drei der Konferenz stand im Zeichen der KI-Servicezentren in Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, kleine und mittlere Unternehmen in der Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien zu unterstützen, mithilfe von Wissensvermittlung und KI-Infrastruktur. 

Die vier Servicezentren, finanziert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), kamen zusammen für die erste Conference of the German AI Service Centers.

Dr. Alexandra-Gwyn Paetz, Abteilungsleiterin Technologische Souveränität und Innovation im BMFTR, betonte in ihrer einleitenden Keynote die Rolle der KI-Servicezentren auf dem Weg zur technologischen Souveränität. Diese Souveränität sei geprägt von vier Aspekten:

  1. Schlüsseltechnologien verstehen und meistern.
  2. Technologien in Anwendungen gießen.
  3. Eigenständige Produktion gewährleisten.
  4. Eine Basis qualifizierter Arbeitskräfte aufbauen.

All diese Felder werden von den KI-Servicezentren adressiert. Dr. Paetz gratulierte den Zentren dazu, was sie in den ersten drei Jahren bereits erreicht haben.

Die vier KI-Servicezentren: WestAI, hessian AI Service Center, KISSKI und das KI-Servicezentrum Berlin Brandenburg – gaben Einblicke in ihre Arbeit und stellten Auszüge aus ihren Projekten vor. Anschließende Fragerunden baten Raum für regen Austausch mit dem Publikum.

Zum Abschlusspanel des Tages kamen geladene Expert:innen aus Politik und Forschung zusammen, um Risiken, Strategien, Verantwortlichkeiten und Chancen für die Stärkung der Position Europas im Bereich KI zu diskutieren.

Die KI-Servicezentren freuen sich, dass ihre Finanzierungen jüngst bis 2027 verlängert wurden.

Impressionen AI@HPI 2025

Letzte Änderung: 11.06.2026, Patrick Lenz