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Junge Talente gesucht – mit Neugier für Informatik

Junge Studenten sitzen auf dem Campus um einen Baum herum und lernen

Das Hasso-Plattner-Institut ist auf Wachstumskurs. Geschäftsführer Prof. Tobias Friedrich erläutert im Interview die Zukunftspläne am Campus Griebnitzsee. Erschienen ist das Gespräch am 2. Mai in der Verlagsbeilage "Wissenschaft im Zentrum" im Tagesspiegel anlässlich des Tags der Wissenschaft in Potsdam. 

Hasso-Plattner-Institut (HPI): Das HPI betreibt zusammen mit der Uni Potsdam die Digital Engineering Fakultät. Sie haben sich viel vorgenommen. Was soll am HPI entstehen?  

Prof. Tobias Friedrich: Das HPI gibt es seit gut 25 Jahren. Wir sind noch relativ jung, aber voller Ideen. In den nächsten Jahren werden wir weiterwachsen. Wir wollen noch mehr junge Menschen ausbilden, damit sie komplexe, digitale Systeme bauen können. Gleichzeitig setzen wir alles daran, die klügsten Köpfe nach Potsdam zu holen. Das ist der Auftrag unseres Gründers und Stifters Hasso Plattner. Wir sollen zu einem europaweit führenden Institut für Informatik werden. Die aktuelle Weltlage erfordert mehr digitale Souveränität in Europa. Hierzu wollen wir mit der Ausbildung am HPI unseren Beitrag leisten.   

HPI: Welche Rolle wird die Künstliche Intelligenz in Forschung und Lehre am HPI spielen?  

Tobias Friedrich: Mit der Künstlichen Intelligenz ist eine Methode dazu gekommen, die einerseits selbst ein komplexes digitales System ist - andererseits aber auch ein Werkzeug, um solche zu bauen. Wir möchten die Studierenden befähigen, diese Werkzeuge zu verstehen. Und mehr noch: unsere Studierenden sollen die Künstliche Intelligenz selbst weiterentwickeln und am Ende Produkte bauen können, die relevant für die Gesellschaft sind. Zum Beispiel gibt es bei uns Projekte, die KI-Modelle energiesparsamer machen. Oder wir unterstützen dabei, mit Methoden des maschinellen Lernens Krankheiten, wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes, besser behandeln zu können. Das ist Spitzenforschung mit KI zum Wohl der Gesellschaft, die wir weiter ausbauen werden.  

HPI: Sie stehen damit international in starker Konkurrenz zu anderen führenden Tech-Instituten.  

Tobias Friedrich: Das stimmt. Künstliche Intelligenz ist in aller Munde und überall in der Welt wird auf diesem Feld geforscht. Wir sind aber gut aufgestellt. Schon jetzt zählt ein gutes Drittel unseres Professoriums zu den meistzitierten Forschenden der Welt in ihrem jeweiligen Bereich. Das HPI hat gerade mit dem MIT in den USA eine vertiefte Zusammenarbeit zur Erforschung von KI und Kreativität vereinbart. Wir verstärken uns zudem dort, wo wir noch mehr Know-how brauchen. Allein in diesem Jahr konnten wir schon drei neue Professoren bei uns auf dem Campus begrüßen. Ich war noch vor elf Jahren der elfte Professor am HPI. Im nächsten Jahrzehnt planen wir, von jetzt 32 auf dann etwa 70 - 90 Professuren zu wachsen. Damit hätten wir eine Größe, die auf Augenhöhe mit anderen Top-Tech-Einrichtungen auf der Welt ist.  

HPI: Die Zahl der Studienplätze wird dann ebenfalls wachsen. Welche Studierenden wünschen Sie sich? 

Tobias Friedrich: Wir wünschen uns neugierige Menschen. Junge Talente, die neue Dinge entdecken und sich auf unserem Campus ausprobieren wollen. Mir ist die Abiturnote dabei gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist die Neugier, das Entdecken. Viele Jugendliche haben schon in jungen Jahren unglaublich viel mit kleinen Robotern, mit ihren Rechnern, mit Mathematik oder sogar schon mit Künstlicher Intelligenz herumgespielt. Sie haben bewiesen, dass sie ganz viel Lust haben, Neues zu lernen. Das ist die beste Voraussetzung für die Zukunft.  

HPI: Was unternehmen Sie, dass sich diese jungen Talente für das HPI entscheiden?  

Tobias Friedrich: Diesen jungen Talenten bieten wir viele Aktivitäten bei uns auf dem Campus an. Zum Beispiel unsere Schülerakademie oder unser Schülerkolleg. Es gibt ein Sommercamp und Workshops für junge Leute über das Semester verteilt. Für alle Jugendlichen, die nicht zu uns auf den Campus kommen können, haben wir zudem unser digitales Angebot openHPI. Damit können Teenager das Programmieren oder den Umgang mit Künstlicher Intelligenz lernen. So kommen schon Schülerinnen und Schüler früh mit uns in Kontakt.  

HPI: Manche sagen inzwischen, dass KI die Informatikerinnen und Informatiker in Zukunft ersetzen wird. Was sagen Sie dazu? 

Tobias Friedrich: Ich habe da keine Sorgen. Ich glaube, KI wird viele Bereiche des Lebens durchdringen. Aber Künstliche Intelligenz ist am Ende nur ein komplexes System, was auch Informatik ist. Unsere Forschenden haben zudem den Anspruch, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse schneller und wirksamer in Wirtschaft und Gesellschaft zu überführen. Mir fällt zum Beispiel ein Start-up von HPI-Studenten ein, das Pflegekräften mit KI dabei hilft, tägliche Routinearbeiten schneller zu bearbeiten, damit sie sich mehr um die Pflegepatienten kümmern können. Dieses Transfer-Wissen wird in Zukunft wichtiger und damit braucht man mehr und nicht weniger Informatikerinnen und Informatiker.  

HPI: Welche Kompetenzen brauchen Studierende, um fit für die Zukunft zu sein?  

Tobias Friedrich: Die Kompetenzen ändern sich über die Zeit. Das war in den vergangenen 50 Jahren der Informatik immer so. Alle fünf Jahre gab es eine neue Technologie und neue Methoden. Bei der KI ist es besonders durchgreifend. Ich glaube, die Art und Weise, wie wir Software entwickeln werden, wird sich grundlegend verändern. Ein tiefes Verständnis von KI und maschinellem Lernen wird dabei immer relevanter - ebenso wie die Fähigkeit, in interdisziplinären Teams gemeinsam neue digitale Systeme zu bauen. 

HPI: Viele sehen auch das Vertrauen in digitale Technologien derzeit schwinden. Können Sie das nachvollziehen?  

Tobias Friedrich: Die KI kam schneller, als unsere Gesellschaft sich drauf einstellen konnte. Wir müssen lernen, sie verantwortungsvoll und an der richtigen Stelle zu nutzen. Und genau diese Verantwortung lehren wir unseren Studierenden, damit sie wissen, wann es eine gute Idee ist, die KI einzusetzen und wann nicht – wo die Grenzen sind und wo sie einen echten Mehrwert liefert.  

HPI: Wie kann Forschung helfen, das Vertrauen in digitale Technologien zurückzugewinnen?  

Tobias: Friedrich: Die Forschung kann helfen, KI-Modelle besser zu machen. Wir arbeiten daran, sie weniger fehleranfällig zu gestalten. Wir können dazu beitragen, dass die KI bestehende Verzerrungen in Daten nicht weiter verstärkt. Wir müssen auch über Regulierung sprechen. Bei uns am Institut beschäftigt sich zum Beispiel meine Kollegin Sandra Wachter mit ihrer Humboldt-Professur genau damit. Sie erforscht nicht nur, wie KI-Systeme aufgebaut sind, sondern auch wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen aussehen müssen, damit KI-Modelle verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Genau da, wo sie für die Menschen wirklich hilfreich sind, aber eben nicht da, wo sie Menschen gefährden oder diskriminieren. 

HPI: Wenn Sie in die Zukunft schauen, wo sehen Sie das HPI in zehn Jahren?  

Tobias Friedrich: Ich sehe einen bunten und modernen Campus, wo nicht frontal doziert wird, sondern in Kleingruppen diskutiert wird. Ich sehe junge Leute, die wir befähigen, intelligente Systeme zu entwickeln, die einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben - und dann nach ihrer Zeit bei uns am HPI entweder in einem Unternehmen oder in der Forschung einen tollen Job machen. Manche gründen dann auch ihr eigenes Start-up und stärken damit den Standort Europa.  

HPI: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wünschen Sie dem HPI in zehn Jahren?  

Tobias Friedrich: Ich wünsche mir, dass wir diesen Spirit aufrechterhalten, den wir im derzeitigen Wachstum auf dem Campus haben. Die Lust, neugierig zu sein; mit Mut Dinge anders zu machen. Und auch, wenn wir wachsen, dass wir uns immer noch fragen, wie schaffen wir es weiterhin, das HPI jeden Tag zu einem besseren Ort für das Lernen zu machen? Diesen Spirit wünsche ich mir auch in zehn Jahren.  

Das Interview führte Leon Stebe

Neugierig auf das HPI geworden? Für das Bachelorstudium startet die Bewerbungsphase am 1. Juni

Interessierte können sich bis zum 15. Juli für ein Studium an der gemeinsamen Digital Engineering Fakultät bewerben. Weitere Informationen zur Online-Bewerbung unter www.hpi.de/studium.

Ansprechpersonen

Portraitfoto des Head of Communication and Marketing/ Focus Communication Leon Stebe

Leon Stebe

Head of Communications and Marketing / Pressesprecher

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E-Mail: presse@hpi.de