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Lehre – die beiden Seiten Spaß macht

Portrait of HPI professor Anja Lehmann

Prof. Anja Lehmann ist eine der Preisträger:innen des HPI Teaching Awards 2025. Der Preis ehrt herausragende Lehrpersönlichkeiten, die mit Kreativität, Herzblut und Nähe zu den Studierenden das Studium am HPI auf ein außergewöhnliches Level heben. Prof. Lehmann vom Fachgebiet “Cybersecurity - Identity Management” wurde dabei als beste Lehrende ausgezeichnet. Sie überzeugte die Jury mit ihrer Vorlesung “Einführung in die Kryptographie” durch eine gelungene Verbindung von Forschung und Lehre, eine innovative Kursgestaltung und eine besonders motivierende Lernatmosphäre. Die Studierenden loben zudem die verständliche Vermittlung komplexer Themen, den Praxisbezug und die persönliche Unterstützung. Wir haben mit Prof. Lehmann über die Auszeichnung und ihre Arbeit gesprochen.

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Interview mit Prof. Anja Lehmann

Hasso-Plattner-Institut (HPI): Herzlichen Glückwunsch zum HPI Teaching Award 2025! Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? 
 
Prof. Anja Lehmann: Danke, ich habe mich wirklich riesig über die Auszeichnung gefreut. Meine Freude an der Lehre hat mich ja bewusst wieder an die Universität zurückgeführt. Bevor ich ans HPI gekommen bin, habe ich zehn Jahre bei IBM Research gearbeitet, wo ich auch tolle Forschung machen konnte. Aber mir fehlte der Bezug zu Studierenden und die Möglichkeit, die Leidenschaft für das Thema weiterzugeben. Und dass es jetzt beiden Seiten Spaß macht - und nicht nur mir - das freut mich total.
 
HPI:  Was macht gute Lehre in Ihrem Fachgebiet für Sie aus? 
 
Prof. Lehmann: Dass es eben beiden Seiten Spaß macht. Und ich weiß, dass Kryptographie für viele ein schwieriges Thema ist. Aber es steckt so viel Spannendes drin. Ich glaube, dass Kryptographie auch ein sehr dankbares Thema für die Lehre ist. Es geht mir immer darum, zu motivieren, spannende Technologien zu vermitteln und zu zeigen, wofür man das braucht, was die gesellschaftliche Relevanz des Ganzen ist. Das passiert alles in der Kryptographie.
 
HPI: Warum? Was schätzen die Studierenden besonders an dem Thema? 
 
Prof. Lehmann: Generell ist Kryptographie ein Thema, was gefühlt anders ist als vieles andere in der Informatik. Der Versuch, sicher zu kommunizieren, sichere Verschlüsselungsverfahren zu entwickeln, ist ja mehr als 2000 Jahre alt. Lange Zeit hatte es dieses Katz-und-Maus-Prinzip. Man hat versucht, sichere Verfahren zu bauen, die dann durch neue Angriffe gebrochen wurden, und daraus wurden wieder Erkenntnisse gewonnen und bessere Verfahren entwickelt. Mittlerweile hat sich daraus eine Wissenschaft entwickelt und wir können mit wunderschöner Zahlentheorie kryptographische Verfahren konstruieren, die quasi nicht zu knacken sind. Hier kommen dann Techniken, die man im Bachelor in theoretischer Informatik gelernt hat, zur Anwendung und erlauben zum Beispiel beweisbar sichere Verschlüsselungsverfahren und sichere Authentifizierungsverfahren zu bauen.
 
Und dann hat es schließlich auch eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung. Eine freie, demokratische Gesellschaft braucht die Möglichkeit, vertraulich und anonym kommunizieren zu können. Da die Kryptographie mittlerweile so sicher ist, dass sie auch die Geheimdienste dieser Welt nicht brechen können, gibt es immer wieder Versuche Kryptographie einzuschränken oder zu verbieten. Das ist eine spannende politische Diskussion, die man dann in die Vorlesungen einbauen kann und zeigt, dass die Themen nicht nur eine technische, sondern auch gesellschaftliche Relevanz haben. 
 
HPI: Sie sind ja sehr aktiv in diesem Bereich und setzen sich für die Privatsphäre ein. Warum verbinden Sie das so eng mit der Lehre? 
 
Prof. Lehmann: Das hat mich schon als Studentin an der Kryptographie besonders interessiert. Ich hatte damals einen tollen Professor an der TU Dresden, Andreas Pfitzmann, der nicht nur über die Techniken geredet hat, sondern eben auch, was das für die Gesellschaft bedeutet und warum wir starken Datenschutz brauchen. Und das will ich auch meinen Studierenden heute mitgeben. 
 
Ich unterstützte auch regelmäßig mit Kolleg:innen offene Briefe, die auf kritische Entwicklungen wie die Chatkontrolle oder ProtectEU hinweisen. Sobald solch ein offener Brief rauskommt, erkläre ich den Studierenden, was das bedeutet, welche EU-Vorhaben wir kritisieren und warum. Und das interessiert sehr viele. Manchmal sage ich – okay, die Vorlesung ist vorbei - aber ich kann jetzt noch 10 Minuten erklären, was gerade auf europäischer Ebene passiert und die Studierenden bleiben dann auch. Ich glaube, das motiviert. Es ist eben nicht nur ein abstraktes theoretisches Konstrukt, sondern es hat ganz konkrete Anwendungen und Einfluss auf unsere Gesellschaft. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass wir das Recht auf Privatsphäre und das Recht auf Verschlüsselung behalten, denn leider wird auf europäischer Ebene wieder aktiv versucht diese einzuschränken.
 
HPI:  Zusätzlich zu diesem Engagement gestalten Sie aktiv Konferenzen in der Forschungscommunity. Aktuell als Program Chair des IEEE European Symposium on Security and Privacy in Venedig. Das klingt nach sehr viel Arbeit. Was macht man da?
 
Prof. Lehmann (lacht): Das ist auch sehr viel Arbeit! Als Program Chair ist man im Endeffekt die inhaltliche Organisatorin der Konferenz. Unsere Forschungsresultate werden auf Konferenzen publiziert, sie durchlaufen einen Peer-Review-Prozess. Das heißt: die Arbeiten werden anonym eingereicht und von einem Programmkomitee begutachtet. Und dann werden die besten Arbeiten auf der Konferenz vorgestellt. Das basiert alles auf freiwilliger Arbeit der Forschenden, die so ein Programmkomitee bilden und diese Gutachten schreiben. Und über dem Programmkomitee stehen die Program Chairs, die das alles organisieren, das Komitee auswählen, den Review Prozess koordinieren und am Ende die Entscheidung treffen, welche Paper angenommen werden und welche nicht. Es ist also eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und eine tolle Sache, wenn einem diese übertragen wird.
 
HPI: Was macht Ihnen bei all den vielen Aufgaben besonders viel Spaß an Ihrem Job am HPI? 
 
Prof. Lehmann: Der Mix aus allem macht es, also Lehre, Forschung und die angewandten Arbeiten in den Forschungstransfer. In der Lehre freue ich mich auf jede Vorlesung. Da gibt es immer so ein paar Highlights, die ich überhaupt gar nicht abwarten kann: die Gesichter der Studis zu sehen, wenn ich erkläre, wie bestimmte Dinge funktionieren oder eben auch nicht. Oder bei einer Forschungsarbeit, wenn man endlich den Beweis geschafft oder das Verfahren gefunden hat, an dem man lange geknobelt hat. Und dann, wenn man an Initiativen beteiligt ist die Impulse für Datenschutz und das Recht auf Verschlüsselung setzen, und vielleicht dazu beigetragen können, dass bestimmte Vorhaben abgewendet oder verbessert werden. Also es ist wirklich die Mischung von allem, was die Arbeit so besonders macht.

HPI: Anja Lehmann, vielen Dank für das Gespräch.