Viel zu schnell vorbei – Forschungsaufenthalt am MIT
HPI-Student Konstantin Ketterer forscht am MIT an fußgängerfreundlicher Städteplanung - und trainiert für einen Triathlon
Am liebsten würde ich noch länger bleiben oder nochmal für einen längeren Zeitraum herkommen.
Das ist das Fazit von HPI-Student Konstantin Ketterer, der die vergangenen zwei Monate als Gastforscher am MIT verbracht hat.
Der Masterstudent arbeitete am MIT an dem Projekt “Sidewalk Ballet”. Er und sein Team messen soziale Aktivitäten im urbanen Raum, und erforschen, was uns das über die Stadtgestaltung erzählen kann.
Sein Aufenthalt ist Teil der Forschungskooperation zwischen dem HPI und der MIT Morningside Academy for Design (MAD). Zu seinem Projektteam gehören die Doktorand:innen Liu Liu (MIT), Marco Cipriano (HPI) und Alexandra Kudaeva (HPI), unter der Leitung von Prof. Andres Sevtsuk (MIT) und Prof. Gerard de Melo (HPI).
Was Konstantin neben seiner Forschung noch alles am MIT erleben konnte und was sein Team mit seinem Projekt zu erreichen hofft, berichtet er uns im Interview:
Hasso-Plattner-Institut: Wie würdest du Laien dein Projekt erklären?
Konstantin Ketterer: Wir versuchen anhand öffentlicher Street View Bilder die (sozialen) Aktivitäten und Gruppenbildung der Menschen im öffentlichen Raum zu analysieren. Dabei geht es unter anderem darum, durch quantitative Daten herauszufinden, welche Straßen mehr soziale Aktivitäten haben/fördern.
HPI: Was ist deine Aufgabe im Projekt?
Konstantin: Ich kümmere mich um die Aktivitätserkennung durch multimodale Large Language Models (LLMs). Dabei ist es essenziell, ein kleines energieeffizientes Model durch Distillation (also Reduzieren des LLMs auf einen einzigen Task) zu erreichen, um überhaupt in der Lage sein zu können, die riesige Menge an Street View Bildern zu analysieren.
HPI: Welchen Zusammenhang zwischen Stadtgestaltung und sozialen Aktivitäten vermutet ihr?
Konstantin: Städte haben ein riesiges Netz von Gehwegen und öffentlichen Flächen. Dabei steht Städten meistens nur ein sehr begrenztes Budget zur Instandhaltung und Verbesserung solcher öffentlichen Flächen zur Verfügung. Durch eine automatisierte Datenverfassung von Fußgängerströmen und sozialen Aktivitäten kann eine sinnvolle Verwendung der Gelder unterstützt werden und außerdem helfen, den Erfolg neuer Umbauten für fußgängerfreundliche Städte zu beurteilen.
HPI: Was könnte das für die Stadtgestaltung der Zukunft bedeuten?
Konstantin: Die Vision ist, Städten Tools zur Hand zu geben, mit denen sie noch überlegtere und hilfreiche Entscheidungen zur Gestaltung von fußgänger-/radfahrerfreundlichen Städten treffen können. Durch die Skalierbarkeit von Software und dank der neuen Möglichkeiten von KI kann in der Zukunft jede kleinste Stadt Auswertungen und Analysen machen, die zuvor nur für die reichsten Städte möglich war.
HPI: Was war deine Vorstellung, als du dich für einen Forschungsaufenthalt beworben hast?
Konstantin: Ich habe mich gefreut, viele neue brillante Studenten und Forscher kennenzulernen. Außerdem finde ich die Möglichkeit, sich zwei Monate mit voller Energie auf ein Forschungsprojekt fokussieren zu können, spannend und entspannend gleichzeitig. Im normalen Semester ist meistens nur sehr wenig Zeit pro Fach übrig und man springt gezwungenermaßen zwischen Themen hin und her.
HPI: Inwiefern haben sich deine Vorstellungen bestätigt oder wurden widerlegt? Womit hast du nicht gerechnet?
Konstantin: Leider sind die Möglichkeiten, mit normalen MIT-Studenten in Kontakt zu kommen während der Semesterferien, in denen ich da war, begrenzt. Dennoch habe ich ganz viele nette Leute innerhalb und außerhalb des MIT kennengelernt - vor allem die Visiting Student Community (VISTA) hat hier sehr geholfen. Durch so viele Aktivitäten außerhalb und die doch sehr hohe Komplexität im Detail des Projekts sind die zwei Monate gefühlt vorbei gerauscht. Am liebsten würde ich noch länger bleiben oder nochmal für einen längeren Zeitraum herkommen.
HPI: Wie verbringst du die Zeit abseits des Forschungsprojekts?
Konstantin: Am Campus gibt es viele Sport- und Aktivitätsmöglichkeiten, die ich gerne nutze. In der großen Schwimmhalle habe ich angefangen, regelmäßig schwimmen zu gehen, um mich auf einen Triathlon vorzubereiten. Am MIT Sailing Pavillon gehe ich gerne auf dem Charles River segeln. Außerdem bietet MIT Vista regelmäßig Events für Studierende an, an denen ich gerne teilnehme und schon viele andere Austauschstudenten kennengelernt habe. Der Outdoor Club MITOC ist auch sehr aktiv und da habe ich an einem Wanderwochenende in New Hampshire teilgenommen. Der Club ist eine tolle Möglichkeit, Leute außerhalb der Visiting Student Blase kennenzulernen und ohne eigenes Auto außerhalb Bostons etwas unternehmen zu können.
Vielen Dank für das Interview!
Ihr studiert am HPI und möchtet auch einmal wie Konstantin an einem solchen Forschungsaufenthalt teilnehmen? Dazu berät euch Alina Pfeifer aus unserem Academic Partnerships Team gern.
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