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Zwischen Modedesign und Code: Kats Weg in die IT

Ein Porträtfoto von Kat Posegga. Hinter ihr steht ein Werkzeugregal.

Ohne Vorerfahrung startet Kat Posegga ihr IT-Studium am HPI. Heute, im fünften Semester, erzählt sie vom Ankommen, vom Lernen – und vom Mut, sich zu entscheiden.

„Ich stand zwischen zwei komplett unterschiedlichen Welten: Modedesign oder Informatik.“

Als Kat das sagt, klingt es eher nüchtern – sehr abgeklärt. Und doch beschreibt dieser Satz einen Wendepunkt in ihrem Leben. Aufgewachsen in Passau, Abi an einer Sprachschule, kein nennenswerter Informatikunterricht, keine Programmiererfahrung. Dafür Französisch, Englisch, Persisch, Latein – und ihre enorme Kreativität, Dinge zu erschaffen.

„Ich mochte Mathe, Technisches und Künstlerisches“, sagt sie. „Informatik konkret habe ich aber nie gemacht.”

Was es dann doch gab: einen Vater, Funkamateur, der bastelte, reparierte. Geräte, die auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wurden. Lötmüll, aus dem Schmuck entstand. Kleine Alarmanlagen, blinkende „Draußen bleiben/ Reinkommen“-Anzeigen für das Kinderzimmer. Kat hat Technik als Spiel erfahren, nicht als Fach in der Schule.

Dass sie heute am Hasso-Plattner-Institut IT Systems Engineering studiert, war kein jahrelang durchgeplanter Traum. „Ich habe mich relativ kurzfristig beworben“, erzählt Kat. Sie wollte in eine große Stadt – Hamburg oder Berlin – aber bloß keine Massenuni. Kleine Kurse, Community, Nähe – das war ihr Wunsch.

„Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass ich diese mentale, technische Herausforderung brauche. Etwas, wo ich wirklich nachdenken und mich konzentrieren muss.“

Der Anfang war trotzdem hart. „Ich hatte keine Vorerfahrung und das kann sehr einschüchternd sein.“ Nach einer Schulzeit in einem überwiegend weiblichen Umfeld: Plötzlich Informatik. Plötzlich Männerdominanz. Plötzlich das Gefühl, alle anderen wüssten mehr. „Aber genau das hat mir sehr viel beigebracht.“

In der Schule fiel Kat vieles leicht. Am HPI nicht mehr. „Ich habe gelernt, wirklich anstrengend lernen zu müssen“, sagt sie. Und meint das positiv. Zum ersten Mal ging nichts mehr automatisch.

„Das war ungewohnt, aber extrem wertvoll. Es hat mich neugierig auf Herausforderungen gemacht.“

Heute sucht sie bewusst Aufgaben, vor denen sie Respekt hat. Weil sie weiß: Genau dort lernt sie am meisten. Ein Vorurteil, das Kat selbst hatte: Informatik sei theoretisch, abstrakt, wenig menschlich. „Durch die Projekte habe ich gemerkt, wie kreativ Informatik sein kann“, sagt sie. Besonders dann, wenn es keine eindeutige Lösung gibt.

„Wenn man ein Problem hat, für das es nicht den einen richtigen Weg gibt – das finde ich am spannendsten.“

Aktuell arbeitet sie im Bachelorprojekt bei Prof. Dr. Baudisch, am Fachgebiet Human Computer Interaction. Statt nur von oben zu schneiden, kann sich der Laser kippen und drehen, unten rotiert eine Plattform. So entstehen Formen, die bisher nur industriell möglich waren.

„Die Idee ist, diese Technologie für Maker:innen, für jedermann, zugänglicher zu machen – ähnlich wie beim 3D-Druck.“

Ihr Team überarbeitet einen bestehenden Prototypen, verwirft Ideen, baut neu, denkt um. „Die größte Challenge ist, sich nicht an bestehende Lösungen zu klammern.“

Mittlerweile ist Kat im fünften Semester und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Aber eben nicht festgelegt. Sie will ins Ausland, vielleicht ein Semester, vielleicht den ganzen Master. Gerne irgendwohin, wo es wärmer ist. Gerne ein Land, dessen Sprache sie noch nicht spricht.

„Ich finde es spannend, nicht genau zu wissen, wo ich in fünf Jahren stehe.“

Was sie anderen rät, die nach der Schule unsicher sind?

„Man sollte keine Angst haben, etwas auszuprobieren, was man noch nicht kennt. Wichtig ist, dass man Spaß daran hat – nicht, ob es vernünftig wirkt.“ Und dann ein Satz, der hängen bleibt: „Es ist okay, etwas anzufangen und wieder zu lassen. Man muss nicht mit 18 wissen, was man für immer machen will.“

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