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Diabetes verstehen: Eine Woche CGM-Selbstexperiment am HPI

Was wünscht sich ein Profifußballspieler mit Typ-1-Diabetes? Mehr Akzeptanz, bessere Unterstützung und technologische Lösungen, die den Alltag erleichtern. 

Das sagt Felix Petermann, ehemaliger Profifußballspieler mit Typ-1-Diabetes, der bei einem HPI-Seminar vor Masterstudierenden von seinem Sportleralltag mit chronischer Erkrankung sprach. Er erzählte von Monitoring-Tools, Körperwahrnehmung und die Herausforderungen im Leistungssport. 

Mit genau diesen Themen startete am Hasso-Plattner-Institut eine intensive Seminarwoche unter dem Titel "Understanding Glucose Dynamics through CGM Self-Application".

Masterstudierende der Studienschwerpunkte Digital Health und Computer Science tauchten gemeinsam tief in die Welt der kontinuierlichen Glukosemessung ein – nicht nur theoretisch, sondern auch durch praktische Selbsterfahrung.

10 Tage, ein Sensor, reale Daten: Wie CGM unser Verständnis von Diabetes verändert

Lernen durch Selbstexperiment: CGM im Alltag erleben 

Bereits vor Seminarbeginn erhielten die Teilnehmenden ein Onboarding, im Seminar wurde es dann richtig  hands-on: Alle Studierenden testeten über zehn Tage hinweg einen CGM-Sensor ("Continuous Glucose Monitoring"). Dieser wird am Oberarm befestigt, per QR-Code mit dem Smartphone verbunden und liefert in einer App kontinuierlich Echtzeitdaten zum eigenen Glukosespiegel. Trends, Kurvenverläufe und Alarme machen sichtbar, wie sich Ernährung, Schlaf, Bewegung oder Stress unmittelbar auf den Stoffwechsel auswirken. 

Damit begann für die Studierenden die ganz persönliche "CGM-Reise": 

Essgewohnheiten wurden reflektiert, Verhaltensweisen bewusst variiert, Blutzuckerschwankungen analysiert. Schnell zeigte sich, wie komplex Glukosedynamiken sind. Unterschiedliche Mahlzeiten führten zu sehr individuellen Verläufen, einzelne Einflussfaktoren ließen sich nur schwer isolieren.  Viele beichteten zudem von einem starken Drang, immer wieder in die App zu schauen, um zu prüfen, ob es neue Messwerte gibt. Das ständige Nachschauen verursachte Stress. 

Begleitet wurde die Selbstanwendung durch eine fundierte theoretische Basis: Physiologie, Hormone, Stoffwechselprozesse und die Frage, welche Faktoren den Glukosespiegel im Körper beeinflussen. 

Das HPI-Team im Digital Health-Bereich "Non-Communicable Diseases" um Prof. Katarina Braune – bestehend aus Christine Knoll, Drew Cooper, Mohammed Seyam und Ulrike Thurm – gestaltete die Seminarwoche mit wissenschaftlicher Expertise und enger Betreuung. 

Zahlreiche Gäste teilten ihre Erfahrungen aus der Praxis und gaben persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag: 

  • Felix Petermann, ehemaliger Profifußballspieler mit Typ-1-Diabetes, berichtete in einem virtuellen Fireside Chat von seinem Alltag als Athlet mit chronischer Erkrankung. Er sprach über Monitoring-Tools, Körperwahrnehmung und die Herausforderungen im Leistungssport.
  • Stephanie Haack, Unternehmerin und Diabetes-Bloggerin, sowie Svea Krutisch, Wissenschaftskommunikatorin mit Typ-1-Diabetes, thematisierten Stigmatisierung, Fehldiagnosen und die Bedeutung personenzentrierter Kommunikation. Beide zeigten, wie wichtig Aufklärung und Empowerment sind.
  • Manuel Eichenlaub vom Institut für Diabetestechnologie Ulm gab Einblicke in aktuelle Forschung zu Diabetes-Technologien.
  • Die Gründer von LineSystems, Martin Johannesen und Simon Madsen, zeigten unter dem Titel "From Code to Clinic", wie CGM-Technologien klinische Abläufe verbessern können.
  • Marc Grüner von Syntactiq stellte KI-basierte Ansätze zur Analyse von CGM-Daten vor.  

Der Auftrag: Digitale Lösungen mit echtem Mehrwert entwickeln 

Der Auftrag klar für die Studierenden war klar: Digitale Lösungen (weiter-)entwickeln, die Menschen mit Diabetes den Alltag erleichtern. 

Die Abschluss-Pitches der Teams zeigten eindrucksvoll, welches Innovationspotenzial in nur einer Woche intensiver Arbeit steckt: Ein System für das Glukose-Monitoring im anästhesiologischen Management im Krankenhaus, eine Smartwatch-App mit KI-gestützter Datenanalyse und personalisierten Therapieempfehlungen sowie eine Anwendung, die hormonelle Zyklen bei Frauen mit Diabetes berücksichtigt.  

Eine Woche mit spürbarem Impact im Bereich Digital Health und mit Erkenntnissen, die weit über den Seminarraum hinauswirken. 

Letzte Änderung: 21.04.2026, Patrick Lenz