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Digital Health Innovation Forum 2025

Brücken bauen für die digitale Transformation

Von der elektronischen Gesundheitsakte (ePA) über die Telemedizin bis hin zu KI-gestützter Diagnostik: Digitale Lösungen eröffnen neue Wege im Gesundheitswesen und bieten Hoffnung im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Am Hasso-Plattner-Institut forschen Wissenschaftler:innen im Digital Health Cluster seit 2017 an innovativen Gesundheitstechnologien und deren Weiterentwicklung. Doch wie kann die Integration in den Praxis- und Klinikalltag gelingen? 

Darüber haben mehr als 70 internationale Speaker:innen aus Forschung, Industrie und Politik mit über 400 Teilnehmenden am 26. und 27. März beim HPI Digital Health Innovation Forum diskutiert, darunter Forschende aus den USA. 

Save the date

Das nächste Digital Health Innovation Forum findet am 25. und 26. März 2026 am Hasso-Plattner-Institut statt.
DHIF Webseite

Portraitfoto der Leiterin des Fachgebiets in Digital Health, Economics & Policy Prof. Dr. Ariel Dora Stern

Noch nie war der transatlantische Austausch so wichtig wie heute. Gerade jetzt müssen wir unsere wissenschaftlichen Netzwerke in die USA ausbauen und den Forschern signalisieren, dass wir sie hier mit offenen Armen empfangen. Jetzt ist die Zeit, Brücken zu bauen, nicht Mauern.

Prof. Ariel Dora Stern, DHIF-Gastgeberin und Fachgebietsleiterin “Digital Health, Economics & Policy” am HPI 

Video: Digital Health Innovation Forum 2025

Digital Health in der Praxis

Wo digitale Technologien schon jetzt in der Gesundheitsforschung zum Einsatz kommen, konnten Teilnehmende der Konferenz an mehreren Exponaten vor Ort hautnah erleben. HPI-Forschende präsentierten 

  1. ein KI-Modell, das Tumoren ultraschnell klassifiziert,
  2. tragbare Sensoren, die in Echtzeit individuelle Bewegungsanalysen erstellen,
  3. und eine KI-Rezeptionistin, die Fachkräfte bei ihren alltäglichen Verwaltungsaufgaben entlastet.
Portraitfoto vom Leiter des Fachgebiets Digital Health Cluster Prof. Dr. Lothar Heinz Wieler

Der Fortschritt lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen. Wir können präziser und schneller analysieren. Wir können präziser und schneller informieren. Und wir können präziser und früher präventiv intervenieren.

Prof. Lothar H. Wieler, DHIF-Gastgeber und Fachgebietsleiter “Digital Global Public Health” am HPI

Diagnose in Minuten: Wie KI und Nanotechnologie die Krebsmedizin revolutionieren

Was, wenn Ärzt:innen schon während einer Operation genau wüssten, mit welcher Art von Tumor sie es zu tun haben? Dank einer neuen Methode von HPI-Professorin Helene Kretzmer, Leiterin des Fachgebiets “Computational Genomics” und Doktorandin Mara Steiger lässt sich das in weniger als einer Stunde herausfinden. Ein Zeitfenster, das die aktuelle, gängige Methode revolutioniert. Es geht um MethyLYZR – ein KI-Modell, das mithilfe sogenannter Nanopore-Sequenzierung die Methylierungsmuster in der DNA eines echten Tumorgewebes ausliest. Einfach gesagt: Das System analysiert winzige chemische Signaturen in der Erbsubstanz, die je nach Tumorart unterschiedlich ausfallen.

HPI-Forschende analysieren vor Ort echte Tumorbiopsie

Auf dem Forum haben die Wissenschaftlerinnen ein Live-Showcase zur ultraschnellen Tumorklassifizierung präsentiert – und ein Stück eines echten Tumors vor Ort analysiert. Auf einem Bildschirm konnten die Teilnehmenden den Klassifizierungsprozess live mitverfolgen und beobachten, wie die Vorhersage schon nach wenigen Minuten immer besser wurde. Denn: Bereits während der Analyse aktualisiert das KI-Modell kontinuierlich und ohne Verzögerung die wahrscheinlichsten Tumorklassen. Dabei benötigt die KI weder riesige Datenmengen noch teure Rechenzentren.

MethyLYZR liefert präzise Diagnose direkt neben dem OP

Der gesellschaftliche Nutzen der Methode ist enorm: Die Technologie macht hochmoderne Diagnostik auch für kleinere Kliniken zugänglich, spart Kosten durch effizientere Behandlungen und reduziert die psychische Belastung für Betroffene durch kürzere Wartezeiten. Bisher dauert es oft Tage bis Wochen, bis molekulare Diagnosen vorliegen. MethyLYZR liefert sie direkt neben dem OP-Saal – schnell, präzise und ohne aufwendige Labors. Das kann Zweitoperationen vermeiden und ermöglicht Chirurg:innen, sofort die richtige Entscheidung zu treffen. Patient:innen wiederum erhalten schneller Klarheit über ihre Erkrankung und können gezielter behandelt werden.

Mehr erfahren 

HPI Digital Health Innovation Forum 2025
Berechnung in Rekordzeit: Die neue Methode der HPI-Forscherinnen zur Klassifizierung von Tumoren birgt enormes Potenzial für die intraoperative Diagnostik.

Kleine Helfer im Alltag: Mit Bewegungssensoren zur passgenauen Therapie

Welches enorme Potenzial in kleinen technischen Helfern wie Smartwatches für die Gesundheitsforschung steckt, demonstrierte ein Team aus Forschenden des HPI-Fachgebiets “Digital Health - Connected Healthcare” in Kooperation mit der Digital-Health-Initiative Data4Life, die von der Hasso Plattner Foundation gefördert wird. Vor Ort konnten Teilnehmende der Konferenz sogenannte Wearables testen und erleben, wie die tragbaren Sensoren Bewegungsdaten und physiologische Paramter in Echtzeit erfassen. Algorithmen analysieren die Daten und erkennen darin Muster – vom normalen Gehen bis hin zu Auffälligkeiten, die auf Erkrankungen hindeuten können.

Datenauswertung verbessert Schlaganfall-Rehabilitation

Doch es geht um mehr als technische Spielereien. Die kontinuierliche Erfassung von Aktivitäts- und Gesundheitsdaten eröffnet neue Wege in der medizinischen Versorgung. Krankheiten können früher erkannt, Therapien individuell angepasst und langfristige Verläufe besser begleitet werden. So liefert etwa die Analyse und Auswertung von Gangmustern bei Schlaganfall-Patient:innen wertvolle Erkenntnisse für eine schnellere Rehabilitation. 

Sensoren machen medizinische Versorgung zugänglicher

Besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen, eingeschränkter Mobilität oder individuellen Barrieren bieten digitale Lösungen einen echten Fortschritt. Indem sie medizinische Betreuung unabhängig vom Wohnort ermöglichen, helfen sie Engpässe in der Gesundheitsversorgung zu überbrücken und eröffnen neue Möglichkeiten für die Telemedizin. Die Vision dahinter: ein Gesundheitswesen, das auf datenbasierte Prävention und passgenaue Therapie setzt – effizienter, gerechter und für mehr Menschen zugänglich.

HPI Digital Health Innovation Forum 2025
Tragbare Bewegungssensoren liefern wertvolle Daten für die Forschung und helfen, das Gesundheitswesen langfristig zu verbessern – für eine moderne, datengetriebene Medizin, die allen zugutekommt.

KI-Rezeptionistin Luna: Die digitale Arbeitskraft von morgen?

Immer weniger Personal für immer weniger Patient:innen: Der Fachkräftemangel ist einer der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen. Das HPI Alumni-Start-up Praxipal will das ändern. Seine Vision: “Building the healthcare workforce for tomorrow”. Wie diese Arbeitskraft von morgen aussehen könnte, hat das Start-up auf dem Digital Health Innovation Forum demonstriert und KI-Rezeptionistin Luna vorgestellt. Luna kann schon jetzt Erstgespräche, Terminverschiebungen oder Gespräche zu Reparaturen, etwa in der Kieferorthopädie, übernehmen. 

“Wir wollen menschlich agieren.”

Dabei gehe es nicht darum, die Jobs von Ärzt:innen zu ersetzen, sondern sie in ihren alltäglichen Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie sich wieder auf das konzentrieren können, was ihren Beruf ausmacht: die direkte Arbeit mit den Patient:innen. HPI-Alumnus Niklas Kämmer, Product Engineer bei Praxipal, erklärt, was Luna von anderen KI-Systemen unterscheidet: “Wenn man an Voice Bots denkt, dann denkt man schnell an ‘Sagen Sie 1, wenn Sie [...]’. Ich kenne niemanden, der damit gute Erfahrung gesammelt hat. Man kommt nicht zum Ziel, weil die Dinger nicht verstehen, was man will. Sie zwingen die Personen in der rudimentären Sprache des Bots zu reden. Wir wollen menschlich agieren. Sprich mit uns, wie du möchtest und wir bringen dich zum Ziel.” 

Viele KI-Modelle nicht in Praxissysteme integriert

Hinzu komme, dass viele Services nicht in die Verwaltungssysteme der Praxen integriert seien. “Sie nehmen dann einfach Aufgaben auf und am Ende müssen die Fachkräfte in der Praxis alles händisch ins System übertragen. Das entlastet kaum. Wir integrieren mit den Systemen der Praxis und händeln die Anliegen der Anrufer Ende zu Ende”, sagt Niklas.

HPI Digital Health Innovation Forum 2025
KI-Rezeptionistin Luna nimmt Anrufe selbstständig entgegen, führt natürliche Gespräche mit Patient:innen und reduziert den administrativen Aufwand.

Bildergalerie (Fotos: HPI/Reinhardt & Sommer)

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Letzte Änderung: 11.06.2026, Patrick Lenz