Das Projektteam entwickelt den Infopoint 4.0 in einer Ko-Kreation.
Der direkte Kontakt mit den Nutzer:innen war für das Team anfangs eine ungewohnte Herausforderung. Doch während der Feldforschung machte es schnell wertvolle Beobachtungen: Viele Kund:innen stellten immer wieder die gleichen, einfachen Fragen. Die langen Warteschlangen an den Infopoints entstanden oft, weil viele bürokratische Prozesse noch analog abliefen und viel Zeit in Anspruch nahmen. Diese Erkenntnisse flossen später direkt in das Design des neuen Infopoints ein.
Andreas Bürgler betont die Stärke von Design Thinking: „Man arbeitet an Themen, die für die Anwendenden relevant sind, und baut schnell Prototypen, um sofort zu erkennen, was funktioniert und was nicht.“ Nachdem erste Papier-Prototypen entwickelt wurden, reichten die üblichen Büroräume nicht mehr aus, um einen realistischen 1:1-Prototypen eines Infopoints zu bauen und zu testen. Das Team zog deshalb in ein leerstehendes Bahnhofsgebäude in Berlin-Wannsee.
Dort führten sie Workshops mit verschiedenen Nutzer:innengruppen durch, um deren Bedürfnisse besser zu verstehen und die Prototypen laufend zu verbessern. Sie arbeiteten mit Familien, Vielreisenden, DB-Service-Mitarbeiter:innen und Vertreter:innen von Verbänden, wie Rollstuhlfahrer:innen- und Gehörlose.
Das Team erkannte zudem, dass sie für detaillierte Prototypen professionelle Unterstützung brauchten. Andreas Bürgler beauftragte einen Bühnenbildner der Deutschen Oper, um nach jedem Testdurchlauf die Prototypen anzupassen und das Feedback direkt in Verbesserungen umzusetzen.
Schließlich präsentierte das Team den Prototyp auf der jährlichen DB Product Conference, bei der die Deutsche Bahn neue Produktentwicklungen der Presse und Öffentlichkeit vorstellt.
Bürgler erinnert sich an eine unerwartete Erfahrung: Während der Nutzer:innentests wurde der Infopoint zwischen den Tests geschlossen, was im Unternehmen auf Unverständnis stieß. „Mir wurde klar, dass ich es versäumt hatte, das Unternehmen und den Vorstand auf dem Weg mitzunehmen und zu erklären, was es bedeutet, mit Prototypen zu arbeiten oder Live-Prototyping durchzuführen.“ Viele hatten den Eindruck, es handle sich um ein fertiges Produkt, das jederzeit zugänglich sein müsse.