Use Case

Gütersloh und die „Digitale Probier-Stadt“

Einführung

Design Thinking eröffnet neue Wege für digitale Bildung

Die Stadt Gütersloh suchte nach einem innovativen Konzept, um digitale Bildung zugänglicher zu machen – insbesondere für Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit digitalen Themen hatten. Unter dem Namen „Digitale Probier-Stadt“ entstand an der HPI d-school ein Prototyp, der Menschen in vertrauter Umgebung spielerisch an neue Technologien heranführt. 

Projekt Partner*innen

Challenge

Die Design Challenge in diesem Projekt lautete wie folgt: „Entwickle innovative kommunale Bildungsangebote zu digitalen Themen für Menschen mit geringer digitaler Affinität in Gütersloh!“

Ausgangspunkt

Das Anliegen dieses Projekts war es, ein Format zu entwickeln, das die digitalen Lernbedürfnisse von Menschen mit geringer Affinität zu digitalen Themen besser erreicht. Die Stadtverwaltung Gütersloh tat sich hierfür mit der Volkshochschule (VHS) und der HPI d-school zusammen. Gemeinsam untersuchten wir, wie die bisherigen Angebote optimiert und an die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen angepasst werden können. Hierzu arbeiteten fünf Studierende der HPI d-school unter der Anleitung eines Design Thinking-Coaches 16 Wochen lang an einer Problemlösung.

„Aufgabe war es, die Digitalisierung auf eine Art und Weise näherzubringen, die die Bürger:innen anspricht und ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt“, erklärt Carsten Schlepphorst, Beigeordneter für Digitalisierung, IT, Organisation und Personal der Stadt Gütersloh. Für das Projektteam bedeutete das konkret: Bestehende Hemmschwellen abzubauen und positive, niedrigschwellige Zugänge zu schaffen.

In dem entwickelten Konzept „Digitale Probier-Stadt“ gilt es, Bürger:innen mit geringer digitaler Erfahrung in einem vertrauten Umfeld abzuholen. Anstatt sie in unbekannte Räume mit fremden Menschen zu schicken, soll das Bildungsprogramm zu ihnen kommen. „Das Konzept sieht vor, dass die Kurse in vertrauten Umgebungen wie Vereinsräumen oder Gemeindehäusern stattfinden“, erläutert Henning Matthes, Erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh, zugleich zuständig für Familie, Jugend, Schule, Soziales und Sport.

Das zentrale Element des Formatansatzes sind Tutor:innen, die mit Koffern in die vertrauten Räume der jeweiligen Gruppe kommen. Die Koffer enthalten beispielsweise Tablets, Sensoren oder einfache Anwendungen zur Nutzung digitaler Dienste – abgestimmt auf den Wissensstand und die spezifischen Bedürfnisse der Gruppe. Während des Kurses haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Inhalte spielerisch zu entdecken und ihre Ängste vor der Technik abzubauen. Ein lockeres, offenes Umfeld soll dafür sorgen, dass der Zugang zu digitalen Themen positiv erlebt wird.

„Für viele Menschen ist die erste Berührung mit digitalen Technologien eine Hürde. Indem wir die Inhalte in einem spielerischen Rahmen präsentierten, nahmen wir die Angst und sorgten für erste Erfolgserlebnisse“, erklärt Dr. Dennis Köthemann, pädagogischer Leiter der VHS Gütersloh.
 

  • Use Case Digitale Probierstadt Gütersloh
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Aha-Momente

Die Design Thinking-Methodik ermöglichte es, im Laufe des Projekts tiefere Einsichten in die Bedürfnisse der Bürger:innen zu gewinnen. Im Zuge der ersten Interviews und Workshops wurde schnell klar, dass der Erfolg des Projekts maßgeblich davon abhängt, wie zugänglich und nachvollziehbar die Angebote sind. Besonders für Menschen, die Technik besonders herausfordert, spielt die emotionale Komponente eine große Rolle. Die HPI d-school-Studierenden stellten fest, dass Geduld und Verständnis entscheidende Faktoren für den Lernerfolg sind.
Überdies ergaben sich folgende zentrale Erkenntnisse für die Projektentwicklung:

  1. Teilnehmende brauchen emotionale Unterstützung und Bestätigung ihrer Fortschritte, um motiviert zu bleiben.
  2. Einfache, klare Anweisungen mildern das Gefühl der Überforderung durch komplexe technische Begriffe.
  3. Das unmittelbare Ausprobieren motiviert am stärksten und führt zu echtem Interesse.
  4. Die Veranstaltungen sollten in einem vertrauten Umfeld stattfinden, um zusätzliche Hemmschwellen zu senken.

Die Umsetzung des Formats „Digitale Probier-Stadt“ erfordert eine sorgfältige logistische Planung. In den Koffern sind alle benötigten Materialien, um digitale Themen spielerisch vor Ort zu vermitteln. So haben Teilnehmende die Möglichkeit, die Geräte auszuprobieren und sich in Ruhe mit den Inhalten vertraut zu machen. Während der Kurse werden die Lernfortschritte dokumentiert, und das Feedback der Teilnehmenden wird genutzt, um die Materialien und die Kursinhalte kontinuierlich zu verbessern.

„Das Besondere an diesem Ansatz ist, dass wir die Teilnehmenden Schritt für Schritt an digitale Themen heranführen, ohne sie zu überfordern. Die mobilen Koffer sind eine Art Werkzeugkasten, der es uns ermöglicht, die Angebote flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen“, beschreibt Köthemann das Konzept.

Impact

Mit bisher 433 Teilnehmenden zeigt die Digitale Probier-Stadt deutliche Wirkung. Das Konzept überzeugt über Gütersloh hinaus und wird bereits von anderen Kommunen und Bildungsträgern übernommen. 

Eine wissenschaftliche Begleitung durch Interviews im Rahmen einer Masterarbeit bestätigt zudem: Nach dem Besuch der Probier-Stadt ist die Einstellung zu digitalen Themen spürbar positiver, und Teilnehmende setzen sich häufiger aktiv mit ihnen auseinander – ein nachhaltiger Beitrag zur digitalen Teilhabe.

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