Es gilt, eine Kultur zu schaffen, in der „Ich weiß es nicht“ akzeptiert wird.
Vor dem Workshop war das Team überzeugt, dass sie bereits 90 % der Arbeit erledigt hätten. Doch schnell erkannten sie, dass sie das Problem neu definieren mussten. „Als Spezialistin für Ethik & Compliance kann ich erklären, wie man ein Dilemma erkennt“, sagt Karen Eryou. In Gesprächen mit UCB-Mitarbeitenden wurde jedoch klar, dass diese Fähigkeit nicht bei allen Kolleg:innen vorausgesetzt werden konnte.
Das Problem lag also nicht nur darin, mit einem Dilemma umzugehen. Die Herausforderung war auch, es überhaupt als solches zu erkennen. Besonders in einem globalen Unternehmen, in dem sich die Definition eines Dilemmas je nach kulturellem Kontext und individueller Erfahrung unterscheidet, war das eine zentrale Erkenntnis.
Durch Design Thinking-Interviews und Prototyping erkannte das Team, was ihre Kolleg:innen wirklich in schwierigen Momenten brauchten. Es stellte sich heraus, dass schriftliche Entscheidungsbäume oder Algorithmen wenig hilfreich waren. Die Mitarbeitenden wollten echte Fälle diskutieren und sofortigen Zugang zu Informationen. Am wichtigsten war jedoch die Möglichkeit, mit einer realen Person sprechen zu können.
Das Prototyping in einem global verteilten Team war herausfordernd. Karen Eryou betont: „Menschen über Skype zu kreativen Ideen zu bringen, war nicht einfach. Aber es hat funktioniert!“
Eine weitere wichtige Erkenntnis bestand darin, dass der übliche, belehrende Ansatz nicht zielführend war. „Wir mussten den Mitarbeitenden auf motivierende Weise zeigen, dass wir gemeinsam klüger sind, wenn wir offen sagen können: ‚Ich weiß es nicht‘“, erklärt Eryou. Dies bedeutet, das Ego zurückzustellen und Empathie zu fördern – eine Veränderung, die auch eine Anpassung der Unternehmenskultur erfordert.