Use Case

Schlaganfall-Rehabilitation an der Charité Berlin

Einführung

Mit Design Thinking die sensorgestützte Schlaganfallrehabilitation untersuchen

In Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Digital-Health-Organisation Data4Life entwickelten wir Konzepte für die Machbarkeit der „Sensor-S“ Studie. Das erklärte Ziel war, die Benutzerfreundlichkeit für Schlaganfallpatient:innen in einer sensorgestützten Rehabilitationsstudie zu erhöhen. Als Prototyp entstand eine All-in-one-Box, die den Bedürfnissen von Patient:innen gerecht wird. „SCHRITTfürSCHRITT“ stellt sicher, dass alle technischen Komponenten für die Studie leicht zugänglich und verständlich sind. Das soll die Patient:innen motivieren, an ihrer Genesung zu arbeiten.

Projekt Partner*innen

Challenge

Die Design Challenge in diesem Projekt lautete: „Verbessere das Engagement und das Durchhaltevermögen der Teilnehmenden in einer sensorgestützten Studie zur Schlaganfall-Rehabilitation!“

Ausgangspunkt

Nach einem Schlaganfall ist es für viele Patient:innen mühsam, ihre Bewegungsfähigkeit zurückzuerlangen.

Um sich von einem Schlaganfall zu erholen, benötigen Patient:innen viel Zeit und Motivation. Infolge der neurologischen Ausfallerscheinung sind sie oftmals körperlich und kognitiv eingeschränkt, was zu Mobilitätseinschränkungen führen kann. Unsere Projektpartner:innen Charité - Universitätsmedizin Berlin und Data4Life die „Sensor-S“-Studie durch, um zu untersuchen, inwiefern Mobile Devices den Rehabilitationsprozess unterstützen können. Insbesondere geht es darum, ob Sensoren im Zusammenspiel mit Mobile Devices die Motivation zur Teilnahme an der Rehabilitation positiv beeinflussen können. So können die Schlaganfallpatient:innen beispielsweise ihren Fortschritt über die „D4L Collect“-App in Echtzeit verfolgen und erhalten regelmäßig Feedback. Eine der Hypothesen besagt, dass das wiederum ihre Motivation und Teilnahme steigert und das Reha-Programm insgesamt effektiver macht.

Im dazugehörigen Versuchsaufbau ist es wichtig, die Teilnehmenden der Studie möglichst wenig zu belasten. Dazu gehört, dass die Befestigung der Sensoren an den Füßen und das technische Set-up für die Datenerfassung praktikabel gestaltet sind. Genau diesen Herausforderungen widmeten sich Design Thinking-Studierende unserer HPI d-school im Sommersemester 2024.

  • Use Case Data4Life - Charité Stroke Patients Design Thinking
  • Use Case Data4Life - Charité Stroke Patients Design Thinking
  • Use Case Data4Life - Charité Stroke Patients Design Thinking

Aha-Momente

Menschzentriertes Design kann der Schlüssel zu einer erfolgreichen Studie sein.

Bereits in der Recherchephase stellte sich heraus, dass neben einem veränderten Lebensstil vor allem die Geduld eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Rehabilitation spielt. Bei der Genesung nach einem Schlaganfall sind schnelle Fortschritte selten. Die Interviews mit Patient:innen, ihren Angehörigen und dem medizinischen Personal bestätigten diese Einschätzung. Überdies ergaben sich weitere wichtige Erkenntnisse für den Design Thinking-Prozess:

  1. Um die Patient:innen motiviert zu halten, benötigen sie mentale und emotionale Unterstützung.
  2. Die Langeweile aus sich wiederholenden Reha-Übungen und die Motivation aus sichtbaren Fortschritten stehen in einem Spannungsverhältnis.
  3. Es ist wichtig, individuelle Fortschritte aufzuzeichnen und realistische Ziele festzulegen.
  4. Die Anweisungen für die Reha müssen klar und leicht verständlich sein.
  5. Bisher geplante Befestigungsmittel der Sensoren zeigten sich als zu herausfordernd in der Handhabung.

Im Anschluss präsentierte das Projektteam seinen Zwischenstand Data4Life und bat um Feedback. Den größten potenziellen Nutzen sah das Unternehmen bei der Anleitung und Handhabung der Sensoren, worauf sich die Studierenden in der Folge fokussierten.

Es entstand eine umfassende Lösung als Prototyp: Alle für die „Sensor-S“-Studie benötigten Komponenten wurden in einer Box vereint. Darunter die Sensoren selbst, die dazugehörigen Befestigungsmöglichkeiten und einfache Anweisungen zur Verwendung, Positionierung und dem Aufbau der Bluetooth-Verbindung mit den Mobile Devices. User Experience und Usability standen hierbei im Vordergrund – passend zu den Bedürfnissen der Patient:innen sowie den Erwartungen unserer Projektpartner:innen.

Die Sensoren für den linken und rechten Fuß befinden sich in eigenen Cases und sind farblich, formal und durch die Buchstaben „L“ und „R“ gekennzeichnet. Die Tasten der Sensoren sind vergrößert und ebenfalls eingefärbt. Die breiten Klettbänder positionieren die Sensoren-Cases weitestgehend rutsch- und ruckelfest auf dem Mittelfuß. Da sie elastisch sind, können sie über jeden Schuh und jede Socke gestreift werden. Die Box beinhaltet Aussparungen für das technische Set-up wie Smartphones und/oder Smartwatches, die sich über integrierte Anschlüsse direkt in ihr laden lassen. Ebenso sind klare Anweisungen überall dort platziert, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Das lässt die Patient:innen den Boxinhalt Schritt für Schritt bedienen und ist außerdem namensgebend für die All-in-one-Box: „SCHRITTfürSCHRITT“.

Ergebnis und Vorschlag des Projektteams der HPI d-school ist eine kompakte Sensoranwendung, die sich von bestehenden Lösungen durch ihr menschzentriertes Design abhebt.
 

Impact

Die innovative All-in-one-Box von „SCHRITTfürSCHRITT“ könnte helfen, sensorgestützte Rehabilitationsmaßnahmen zu implementieren.

Vielen Schlaganfallpatient:innen fällt es schwer, den für sie vorgesehenen Genesungsplan konsequent einzuhalten. „SCHRITTfürSCHRITT“ unterstützt sie dabei, indem es einen einfach zu bedienenden Sensorservice in einem kompakten Set bietet. Dieses besteht aus Sensoren mit Befestigungsbändern, mehreren Lademöglichkeiten sowie einer barrierearmen Anleitung, die mit Bildern und einfacher Sprache arbeitet. Insbesondere die elastischen Klettbandlösungen, mit denen sich die Cases der Sensoren intuitiv an den Füßen anbringen lassen, ersparen den Betroffenen viel Frustration. 

Da sie dank dieses Optimierungsvorschlags aus dem Design Thinking-Prozess mit weniger Schwierigkeiten konfrontiert wären, könnten sich die Patient:innen perspektivisch ganz auf ihre Genesung konzentrieren. Je motivierter sie dabei sind, desto erfolgreicher verläuft ihre Reha – Schritt für Schritt.

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