Die sechs Schritte im Design Thinking Innovationsprozess

Die HPI D-School in Potsdam nutzt einen methodischen Ansatz, der aus sechs Schritten besteht. Diese werden iterativ durchlaufen. Je nach Projekt fällt die Konzentration auf bestimmte Projektphasen und Wiederholungen sehr unterschiedlich aus.

Am Anfang des Design Thinking-Prozesses steht die Formulierung einer Design Challenge – der sogenannten „How-might-we-Question“. Diese umschreibt das Problem und den Suchraum für mögliche Lösungen aus der Nutzerperspektive. Multidisziplinäre studentische Teams entwickeln nach den Grundschritten innovative Lösungsvorschläge in Form von Prototypen. Dabei werden sie von erfahrenen Design Thinking-Coaches und den Mitarbeitern der HPI School of Design Thinking unterstützt.

 

Verstehen

Im ersten Schritt klärt das Team die Fragestellung: Relevante Dimensionen des Problems werden gemeinsam mit dem Projektpartner identifiziert und benannt. Eine gründliche Recherche und die Aufarbeitung zentraler Erkenntnisse aus Praxis und Forschung sind dabei zentral. Sekundäranalysen, erste Expertengespräche und Nutzermeinungen liefern wichtige Erkenntnisse. Auftraggeber und Team sollten dabei kontinuierlich ihr gemeinsames Problemverständnis überprüfen. Abschließend wird das Forschungsdesign entwickelt, um das Problemverständnis zu vertiefen.


Beobachten

In der Phase des Beobachtens nähert sich das Team dem Problem aus der Perspektive der Nutzer. Dazu werden die Vorstellungs- und Lebenswelten, Nutzungskontexte, Erwartungen und Erfahrungen des Nutzers mithilfe verschiedener, vor allem qualitativer, Erhebungsmethoden untersucht. Die Methoden-Triangulation von narrativen Kunden- und Experteninterviews, Prozess-Analysen, Stakeholder-Analysen hat sich dabei oft bewährt. Die Ergebnisse werden in sogenannten „Insights“ verdichtet, mit denen sich Muster erkennen und Typen bilden lassen.


Standpunkt definieren

In dieser Phase erfolgt eine Ergebnissynthese aus den vorangegangenen recherche- und forschungsorientierten Prozessschritten. Hierzu wird ein konzeptioneller Rahmen entwickelt, mit dem der Lösungsraum beschrieben werden kann. Daraus ergibt sich eine spezifische Zielgruppendefinition, in der Regel die sogenannte „Persona“, auf welche die Innovationslösungen maßgeschneidert werden.


Ideen entwickeln

In der anschließenden "Ideation" Phase werden mithilfe verschiedener Brainstormingmethoden zahlreiche Ideen generiert, zusammengefasst und geclustert. Dabei gilt es, aus unternehmerischer bzw. organisationaler Perspektive die Ideen zu identifizieren, die sich einfach und effizient umsetzen lassen (sog. „quick-win“). Die Nutzerperspektive priorisiert Ideen nach der voraussichtlich höchsten Wertschätzung (sog. „most delightful for the customer“). Darüber hinaus wird der visionäre Blick in die Zukunft gewagt (sog. „most advanced, not yet acceptable“).


Prototypen bauen

Im Prototyping werden die Ideen umgesetzt, die eine innovative Problemlösung für die Zukunft darstellen. Dabei können Prototypen unterschiedliche Formen haben: neue Produktentwicklungen, neue Service Designs, neue Geschäftsmodelle oder neue Formen der Zusammenarbeit. Mehrschichtige Lösungsvorschläge mit unterschiedlicher Komplexität können entstehen. Ihr Zusammenspiel führt zur optimalen Beantwortung der Design Challenge.


Testen

Essenziell für den Prozess ist das Testen der Prototypen mit dem Nutzer. Hierbei sammeln die Teams Feedback von aktuellen und potentiellen Nutzern, was durch Feedback-Schleifen mit Experten (z.B. für die technische Umsetzbarkeit) sowie mit dem Auftraggeber ergänzt wird. Die im Projekt entwickelten Lösungsideen werden anhand eines oder mehrerer Prototypen dokumentiert und präsentiert. Die Präsentationsformen des Prototyps können sehr unterschiedlich sein, z. B. ein Modellentwurf aus Holz, Lego, Knetgummi oder anderen Materialien, eine bebilderte oder gefilmte Prozessdarstellung oder ein szenisches Spiel. Der Entwurf geht über die klassische konzeptionelle Beschreibung der Lösungsidee hinaus: Der Prototyp macht den Ansatz direkt erlebbar und eignet sich insbesondere auch dazu, die Ideen schnell und begreifbar an Dritte zu kommunizieren und eine konkrete Vorstellung vom finalen Ergebnis zu vermitteln.