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CeBIT 05/01 - Schleusen-Lösung sorgt für mehr Internet-Sicherheit

CeBIT: Institut für Telematik stellt patentiertes System vor

Deutschlands Spitzenforschungs-Zentrum fürs Internet, das Trierer Institut für Telematik, will die CeBIT-Besucher mit der Präsentation einer neuen, soeben patentierten Erfindung überraschen. Die mit der Fraunhofer-Gesellschaft verbundene Institution stellt in Hannover ein preiswertes, schleusenartig funktionierendes System vor, das Computer im Internet durch physikalische Maßnamen absolut sicher vor Hacker-Angriffen schützt. Der bisher übliche Sicherheits-Standard, sogenannte "Firewalls", werde durch die neue Technik mit dem Namen "Lock Keeper" deutlich übertroffen, sagen die Experten.

Nach Angaben von Institutsleiter Professor Christoph Meinel (46) wollen die Trierer Telematik-Forscher auch mit drei weiteren Hightech-Lösungen für Aufsehen auf der vom 22. bis 28. März in Hannover stattfindenden Fachmesse CeBIT sorgen: Sie präsentieren die Sicherheitsvorteile beim Einsatz intelligenter "Smart Cards", die "Patienten-CD", ein modernes Archivierungssystem für medizinische Bilder, und das "elektronische Studienbuch", das in der virtuellen Hochschule der Zukunft Zugangsbestätigungen, Leistungsnachweise und Rechnungsstellungen sicher verwaltet.

Das 1998 gegründete Institut für Telematik stellt die Ergebnisse seiner anwendungsorientierten Grundlagenforschung und Entwicklungsarbeit für maßgeschneiderte Problemlösungen in Industrie, Handel, Medizin und Verwaltung auf der CeBIT am Gemeinschaftsstand "Forschung und Technologie in Rheinland-Pfalz" (Halle 16, Stand B 43) aus. Zeigen wollen die Trierer Wissenschaftler, dass sie "auf der Bugwelle der jungen, hoch innovativen Wissenschaftsdisziplin Telematik agieren und Pilotlösungen für die tägliche Praxis entwickeln," so Prof. Meinel.

Das als eingetragener Verein verfasste gemeinnützige und außeruniversitäre Institut ist in seiner Ausrichtung in Deutschland einmalig. Nach nur drei Jahren Arbeit kann es schon auf zwei Patente, zwei Promotionen und fast 70 Fachbeiträge zu internationalen Konferenzen verweisen. Die fast 50-köpfige Mannschaft rund um Prof. Meinel entwickelt anwenderfreundliche und praxistaugliche Hightech-Lösungen. Internet/Intranet, Sicherheit der Datenkommunikation in offenen Netzen, Telemedizin, Elektronisches Publizieren, Systementwurf und -analyse,- das sind die derzeitigen Forschungs- und Entwicklungsfelder des international beachteten Instituts. Neuester Schwerpunkt seit einigen Monaten:

M-Commerce

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"Wir erforschen und entwickeln Möglichkeiten, wie man an jedem Ort und zu jeder Zeit auf die in den weltweit verbreiteten Computernetzwerken vorhandenen Informationen effizient zugreifen, mit diesen sicher umgehen und sie intelligent nutzen kann. Abläufe in Wirtschaft, Verwaltung, Verkehr und Gesundheitswesen können durch die Ergebnisse unser praxisorientierten Arbeit wesentlich rationeller gestaltet werden. Dabei streben wir danach, die Anwendung so einfach und nutzerfreundlich wie möglich zu machen", beschreibt Institutsleiter Prof. Meinel das Credo seines Forschungs- und Entwicklungszentrums, das mit der Fraunhofer-Gesellschaft verbunden ist. Meinel, der an der Universität der Mosel-Metropole ordentlicher Professor für Informatik ist, betont: "Wir sind Dank unserer Konstruktion sehr unabhängig. Unser Leistungsanspruch ist hoch und die Mitarbeiter sind topqualifiziert. Zudem sind wir sehr flexibel und können permanent neue Forschungsthemen aufgreifen". Deshalb gelinge es dem Institut auch immer wieder, in kurzer Zeit wissenschaftliche Höchstleistungen zu erbringen.

Gemeinnützigkeit sichert Unabhängigkeit

Die Gemeinnützigkeit der Trierer Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtung sichert ihr die notwendige Unabhängigkeit. Jeweils ein Drittel des Jahresetats von zur Zeit rund drei Millionen Mark stammt aus ungebundenen Fördermitteln des Landes, von öffentlichen Institutionen und aus eingeworbenen Projekten der Wirtschaft. Auftraggeber sind sowohl weltbekannte Großunternehmen wie Siemens oder die Dresdner Bank als auch kleine und mittelständische Firmen, Krankenhäuser, Finanzdienstleister und Verwaltungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Luxemburg.

Hervorgegangen ist das Trierer Zentrum aus einer Abteilung des Kaiserslauterer "Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik". Unter der Leitung von Professor Meinel hatte sich dieser Zweig in zweijähriger Existenz zu einer anerkannten und beachteten Einrichtung entwickelt, die sich der Erforschung und Entwicklung von Informatikwerkzeugen fürs Internet und für neue Medien widmete. Dann, mit der Gründung als selbstständige Institution am 1. Januar 1998, schlug sich das beackerte Forschungsfeld auch im Namen des Instituts nieder: "Telematik beschäftigt sich mit der wachsenden Verschmelzung von Telekommunikation und Informatik, also mit der zunehmenden Verknüpfung von Rechnern und technischen Übertragungsmitteln", erläutert Prof. Meinel.

Nach drei Jahren Instituts-Tätigkeit steht fest: Die Mitarbeiter sind auf wissenschaftlichen Fachtagungen geschätzte Referenten, Doktoranden promovieren während ihrer Trierer Tätigkeit in sehr kurzer Zeit. Instituts-Vize Dr. Thomas Engel: "Wir arbeiten eben wie ein 'Durchlauferhitzer' und bereiten die akademische Elite unseres Fachs durch anwendungsbezogene Projekte schnell und gezielt auf die Tätigkeit als Führungskräfte der Wirtschaft vor".

Kaderschmiede für Topjobs der Wirtschaft

Erklärtes Ziel der Trierer "Kaderschmiede" ist es, künftig noch mehr begabte, neugierige junge Leute dafür zu begeistern, wissenschaftliche Höchstleistungen auf dem Schlüsselgebiet der Telematik anzustreben. "Hohe Leistungsbereitschaft, Freude an anspruchsvollen Forschungsaufgaben sowie Ehrgeiz und Ausdauer sollten die mitbringen, die bei uns tätig werden wollen", beschreibt Prof. Meinel das Profil derer, die er der Wissenschaft und später der Wirtschaft als diejenigen Spitzenkräfte zuführen will, an denen es heute noch so sehr mangelt. Auch Messeauftritte wie bei der CeBit sollen dazu beitragen, dass Nachwuchs-Wissenschaftler sowie mögliche Auftraggeber aus den Bereichen Wirtschaft und öffentliche Verwaltung auf die hervorragenden Leistungen des Trierer Spitzenforschungs- und Entwicklungs-Zentrums aufmerksam werden.

Einen gehörigen Schub hat der Bekanntheitsgrad des Instituts für Telematik jüngst durch zwei Erfindungen bekommen. Anfang Februar 2001 konnte Prof. Meinel melden, dass Patentschutz für den "Lock Keeper" erteilt worden ist. "Die bisherige Standard-Lösung Firewall trennt das interne Rechnernetz eines Unternehmens nicht von der Außenwelt ab, sondern analysiert und filtert lediglich die übermittelten Datenpakete", betont der Trierer Telematik-Professor. Nach seinen Worten ist es deshalb nicht auszuschließen, dass durch Soft-warefehler, mangelnde Kenntnisse des Bedienungspersonals oder fehlerhafte Konfiguration die Firewalls in ihrer Schutzfunktion gefährdet oder sogar außer Kraft gesetzt werden.

"Unternehmen mit enorm hohen Sicherheitsbedürfnissen wie z.B. Banken wollen mit diesem Restrisiko nicht leben. Unser patentiertes Schleusen-System blockt deshalb alle Online-Attacken auf ein internes Rechnernetz durch physikalische Sicherheitsvorkehrungen hundertprozentig ab", erklärt Prof. Meinel. Das in seinem Institut entwickelte neue Verfahren sorgt dafür, dass die zwischen einem Firmen-Intranet und dem Internet übermittelten Daten eine Schleuse passieren müssen. Je nach Zustand der "Tore" findet der Informationsaustausch nur jeweils mit einem der Rechner statt. Das wird physikalisch sicher gestellt. Während des Aufenthalts in der Schleuse können die Daten je nach den Sicherheitserfordernissen der Firma überprüft werden. Das braucht nicht lange zu dauern, sondern kann blitzschnell geschehen. Prof. Meinel: "Die "Lock Keeper"-Lösung ist preiswert und einfach zu konfigurieren. Sie erlaubt es auch solchen Unternehmen, die auf höchstmögliche Sicherheit bedacht sind, ihre Rechner ins Internet zu integrieren. Der bisher übliche aufwendige Daten-transport per Speichermedien kann aufgegeben werden".

Nur wenige Wochen nach Bekanntgabe des Lock Keeper-Patents konnte Meinels Mannschaft einen zweiten Erfolg vermelden: Patentschutz für eine Erfindung, welche die sogenannte "Telemedizin" noch schneller und einfacher macht. Das neu entwickelte Verfahren stellt eine bisher unerreichte und praktisch verlustfreie Verdichtung der digitalen Daten von Patienten-Bildern sicher. Dadurch benötigt die Übermittlung von Arzt zu Arzt übers Internet nicht mehr bis zu drei Stunden, sondern nur wenige Sekunden. Prof. Meinel: "Dank dieser Erfindung können Krankenhäuser und Arztpraxen künftig zum Beispiel Röntgenbilder als winzige Datenpakete durchs Internet rasen lassen - wichtig vor allem in der Notfall-Medizin".

Auf der CeBIT präsentieren die Trierer allerdings noch nicht das patentierte Verfahren zur Bildkomprimierung, sondern ein neuartiges, benutzerfreundliches System - die "Patienten-CD". Es setzt Ärzte in die Lage, bereits während einer Untersuchung medizinische Bilder in Sekundenschnelle problemlos auf eine CD-ROM zu brennen. Der dafür verwendete Rohling enthält bereits ein Programm, das die Darstellung der Bilder auf jedem normalen PC mit einem gängigen Betriebssystem ermöglicht - in hervorragender Qualität. Dadurch wird es überflüssig, zur Betrachtung an spezielle Computerarbeitsplätze zu gehen, von denen es nur wenige in Krankenhäusern oder Arztpraxen gibt.

"Das Verfahren vereinfacht nicht nur die Archivierung von Bildern aus Röntgen-, CRT-, MRT- und Ultraschall-Untersuchungen, sondern spart auch Kosten und macht einen einfachen und sicheren Datenaustausch möglich. Interessierte Personen können ihre Patienten-CD mit nach Hause nehmen oder einem anderen Arzt vorlegen, die Bilder selbst betrachten, ja sogar Organe ausmessen und mit Lupe- und Zoom-Funktion die Darstellung verändern", erläutert Telematik-Professor Meinel die Vorzüge des Systems.