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11/01 - Experten fordern auf Trierer Symposium mehr Sicherheit für Internet und M-Commerce

Prognose: Preiswerte Mini-Handys in der Kleidung lassen Nutzerzahlen explodieren

Trier. Die gesamte Kommunikation via Internet muss besser abgesichert werden, damit auch der Schutz des Mobile Commerce gewährleistet werden kann. Diese Forderung erhoben die Referenten des "Trierer Symposiums M-Commerce", das vom Institut für Telematik, Deutschlands Spitzenforschungseinrichtung für die Verschmelzung von Telekommunikation und Informatik, veranstaltet wurde. Zwei Tage lang erörterte ein Dutzend führender Experten zusammen mit 41 Teilnehmern aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie die Zukunft des drahtlosen elektronischen Geschäftsverkehrs aussehen wird. Professor Christoph Meinel (47), Instituts- und Tagungsleiter, fasste den Erfolg der Veranstaltung so zusammen: "Wir konnten eine breit angelegte Diskussion führen über Angriffszenarien, Sicherheitsbausteine, technische Problemlösungen und Wirtschaftlichkeitsprognosen." Viele Teilnehmer, so beobachteten die Trierer Forscher, verfolgten die Übertragung des Symposiums im Internet mit. Die meisten Vorträge kann man sich mittlerweile von der Website des Instituts (www.telematik-institut.org) herunterladen.

Thomas Groth, beim führenden IT-Unternehmen Sun für die Unternehmensstrategie zuständig, wies auf dem Trierer Symposium darauf hin, dass der größte Teil der Menschheit bei weitem noch nicht die Einkommensschwelle erreiche, um an der Internettechnologie partizipieren zu können. Mobile Geräte senkten aber diesen Schwellenwert und bänden größere Personengruppen mit ein. Massiver Preisrückgang werde zudem weitere große Anwender-Potentiale erschließen. Insbesondere in Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas werde in nicht allzu ferner Zukunft die Masse der Konsumenten entscheiden, welches Konzept sich durchsetze. Eine explosionsartige Ausweitung der mobilen Kommunikation sieht Groth voraus, wenn die Geräte noch winziger und dann sogar in Kleidungsstücke integriert werden.

Kritisiert wurde auf dem Trierer Symposium die Vielzahl der Standards für mobile Geräte und deren mangelhafte Fähigkeit, miteinander zusammen zu arbeiten. Dies verhindere bislang einen Basissicherheitsstandard. Eine "Radicchio" genannte Gruppe von mehr als 50 weltweit führenden Unternehmen der Handy-Branche stellte in Trier ihre Bemühungen vor, zu firmenübergreifenden Übereinkünften zu kommen, um auch in der mobilen Kommunikation sicheren Datenzugriff und -Austausch zu gewährleisten.

Im Detail diskutierten die Symposiums-Teilnehmer die Sicherheitsrisiken durch Viren und Würmer. Sie verbreiteten auf Handys und Palms bislang noch keinen Schrecken, hieß es. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis sich Hacker auch auf diese Technologie konzentrieren würden. Jedoch seien heute schon Firmen dabei, Sicherheitsprogramme zu entwickeln, um der Gefahr frühzeitig zu begegnen.

Banking und Brokerage per Handy war ein weiteres Thema des Trierer Symposiums. Schon jetzt kann jeder Mobiltelefon-Besitzer von beinahe jedem Punkt der Welt aus mit seinem vertrautem mobilen Gerät Bankgeschäfte erledigen und sein Portfolio steuern. Symposiums-Organisator Dr. Bernd Dusemund: "Es kommt keine Panik mehr auf, wenn im Urlaub die Kurse fallen. Alles bleibt im Griff, jeder kann sofort reagieren. Beruhigend ist das insbesondere für die Klientel, die bisher schon dynamisch am Markt agiert und Zugriff und Handlungsfreiheit zu jeder Zeit fordert". Aber auch wenn der einfache "Mann auf der Straße" Bargeld braucht, kann das Handy per Navigationssystem den Weg zum nächsten Geldautomaten weisen. Andere sogenannte "location based systems" werden in Zukunft ebenfalls für den Anwender da sein, wurde auf dem Trierer Symposium deutlich. So lässt sich das Handy künftig ebenso als elektronische Geldbörse verwenden: Wer zum Beispiel kein Bargeld bei sich trägt, kann dann sein Getränk vom Automaten einfach per Handy bezahlen.

Die Deutsche Bank stellte auf dem Trierer Symposium dar, wie sie eine elektronische Brücke baut zwischen den bei vielen Firmen und Institutionen schon vorhandenen internen Sicherheitsinfrastrukturen. Deren Technik ist bisher oft nicht kompatibel. Die neue Brückenlösung "Bridge CA" sorgt aber dafür, dass Zertifikate, welche die einzelnen Firmen als "digitale Personalausweise" zur Identifizierung ihrer Mitarbeiter ausgeben, untereinander anerkannt werden. Dadurch können unterschiedliche Sicherheitsinfrastrukturen miteinander verbunden und Informationen reibungslos und rechtssicher ausgetauscht werden.

Mit dem aktuellen Thema "Mobile Commerce" war die Symposien-Reihe des Instituts für Telematik fortgesetzt worden, die mit den Themen Telemedizin, elektronisches Publizieren, Televerwaltung, Virtuelle Hochschule und Smart Cards begonnen hatte. Das als eingetragener Verein verfasste gemeinnützige und außeruniversitäre Institut für Telematik ist in seiner Ausrichtung in Deutschland einmalig. Nach nur drei Jahren Arbeit kann es schon auf zwei Patente, zwei Promotionen und fast 70 Fachbeiträge zu internationalen Konferenzen verweisen. Die fast 50-köpfige Mannschaft rund um Prof. Meinel entwickelt anwenderfreundliche und praxistaugliche Hightech-Lösungen. M-Commerce, Internet/Intranet, Sicherheit der Datenkommunikation in offenen Netzen, Telemedizin, Elektronisches Publizieren, Systementwurf und -analyse - das sind die derzeitigen Tätigkeitsfelder des international beachteten Spitzenforschungsinstituts, das mit der Fraunhofer-Gesellschaft verbunden ist. Es gehört zu den Fördermitgliedern der Initiative D21. Sie ist eine Einrichtung der deutschen Wirtschaft, deren 200 Mitwirkende das Ziel verfolgen, den Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft zu beschleunigen. Dem Beirat der Initiative steht Bundeskanzler Schröder vor, dem Vorstand der Geschäftsführer der IBM Deutschland, Staudt.

Durch seine Mitgliedschaft wolle das Institut für Telematik mithelfen, den aktuellen Rückstand Deutschlands in der Informationstechnologie gegenüber anderen Ländern aufzuholen, erklärte Professor Meinel vor den in Trier versammelten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, die sich zwei Tage lang vor allem mit den Sicherheitsrisiken des drahtlosen elektronischen Geschäftsverkehrs beschäftigen. "Wir werden uns in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv engagieren", versprach der Trierer Telematik-Professor den versammelten M-Commerce-Experten und bezeichnete die Initiative D21 als die größte private-public-partnership in Deutschland.