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20.03.2017

#HPI_log

Eröffnung: Von überwundenen Mauern und unliebsamen Grenzen

Das HPI-Gipfelblog-Team war bei der CeBIT-Eröffnung dabei. Sie berichten in ihrem Logbuch-Eintrag von einem japanisch geprägten Abend, der durch Digitalisierung eine bessere Zukunft für alle verspricht. Doch eine Frage bleibt offen: Bleibt der einzelne Mensch dabei auf der Strecke?

Sind nach der Welcome Night gespannt auf die nächsten zwei Tage: Marie Thomas, Felicia Flemming, Dennis Kipping und Helene Kolkmann (v.l.n.r.). (Foto:HPI/C.Laqua)

#HPI_log zur CeBIT 2017

Im HPI-Logbuch geben wir aus verschiedenen Perspektiven einen Einblick hinter die Kulissen unseres CeBIT-Auftritts:

Vom IT-Gipfelblog-Team, der studentische Video-Blog des HPI

Ein großer dunkler Saal. Stille.

"Unsere Gesellschaft hat keine Angst vor künstlicher Intelligenz", so sieht laut Shinzo Abe die japanische Gesellschaft die Digitalisierung.

Denn die Zukunft hat viel zu bieten; alles wird besser. Für alle.

Damit lässt sich ein überwiegender Teil der Aussagen zusammenfassen, die am Vorabend der CeBIT - traditionell ein Auftakt mit höchstrangigen Vertretern aus Wissenschaft, Politik und vor allem der Wirtschaft - von allen Seiten zu hören sind. Wir als IT-Gipfelblog hatten am Tag vor der offiziellen Eröffnung der Messe die Gelegenheit, sowohl beim diesjährigen "Executive Dialog" als auch bei der "Welcome Night" den Größen der IT-Branche zu lauschen und Interviews zu interessanten Themen der Digitalisierung zu führen - von der Bedeutung des Freihandels bis hin zu gesamteuropäischen Regulierungen von Fake News.

Offenheit statt Abgrenzung

Ein besonderer Fokus lag auf dem Partnerland Japan: exotisches Messe-Catering, unzählige Übersetzungs-Headsets, eine futuristische, von Augmented-Reality-Elementen dominierte Bühnenshow... Auch thematisch stand in den Vorträgen, allen voran jenen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Staatschef Shinzo Abe, die Unabdingbarkeit einer guten, offenen Zusammenarbeit im Vordergrund. Das Land der aufgehenden Sonne wird als Vorbild für Deutschland und dessen Weg in der Digitalisierung präsentiert. "Selbst wenn das Gesellschaftswachstum rückläufig sein sollte, können wir dennoch für Wirtschaftswachstum garantieren", versichert Shinzo Abe. Um diesen positiven Trend langfristig zu sichern, müsse man auf Partnerschaften setzen, den internationalen Austausch fördern, und sich auf gemeinsame Normen einigen. Offenheit statt Abgrenzung - diese Worte machen Hoffnung in einer Zeit, in der Industriestaaten über die Errichtung neuer Mauern und die Verbarrikadierung hinter den eigenen Außengrenzen nachdenken.

Bildergalerie: Die Eröffnung der CeBIT

Schöne, neue Welt der Digitalisierung

Dennoch: Grenzen spielen nicht nur zwischen Staaten, sondern auch bei der Entwicklung von Technologien eine Rolle. Wie das diesjährige Motto der CeBit, "d!conomy - no limits", bereits suggeriert, müssen auch diese Hürden abgebaut werden, um Fortschritt zu ermöglichen. Wir Deutschen seien zu negativ und dadurch passiv, so der Tenor des Abends. "Die Begeisterung [der technologischen Innovationen] müssen wir noch stärker in unsere Gesellschaft tragen", fordert Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. Schließlich seien andere weiter, in Japan würden laut Abe dank neuer Technologien mittlerweile auch soziale Probleme gelöst. Merkel etwa bewundere, wie offen die japanische Gesellschaft den Robotern in der Altenpflege gegenüberstünden. Konstruieren wir uns hier nicht vielleicht ein bisschen eine schöne neue Welt, in der die Lebensqualität des Einzelnen und in gleichem Maße die Wirtschaftskraft von Unternehmen exponentiell wachsen könnten, wenn man diese vielzitierten Grenzen, die Limits, endlich loswürde? Immerhin spricht die Bundeskanzlerin an diesem Abend auch von "Leitplanken", die man im digitalen Zeitalter errichten müsste. Auch Prof. Dr. Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin, die wir nach ihrem Vortrag direkt interviewen durften, spricht davon, dass die Gesellschaft am Steuer der Digitalisierung sitze, und nicht vom Rücksitz zuschauen muss.

Wir sind gespannt auf die nächste Woche und inwiefern die CeBIT, neben ihrer Funktion als Schaufenster für die neuesten Wirtschaftstrends, den Anspruch erhebt ein Forum für gesellschaftliche Kontroverse zu sein und diesen erfüllt. Vor uns liegen zwei ereignisreiche Tage voller Gespräche mit internationalen Politikern, Unternehmen und Wissenschaftlern. Sie alle haben andere Vorstellungen von Zukunft, Erfolg und Nachhaltigkeit, über die wir als IT-Studenten reden wollen und als Gesellschaft reden müssen. Denn nur durch eine Auseinandersetzung, in der alle Seiten zur Sprache kommen, schaffen wir eine Zukunft, die von allen mitgestaltet werden kann.

Professor Jeanette Hofmann (Wissenschaftszentrum Berlin) im IT-Gipfelblog-Interview