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03.06.2016

News

Verfassungsschutz-Präsident Maaßen sieht Cyberwelt als "Achillesferse westlicher Nationen"

"Ist die Cyberwelt die Achillesferse westlicher Nationen? Ich fürchte ja.", konstatierte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Dr. Hans-Georg Maaßen, auf der vierten Potdsdamer Konferenz für Nationale CyberSicherheit des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Neben Maaßen sprachen u.a. Vertreter des  Bundesinnenministeriums, des Bundesnachrichtendienstes und des Bundeskriminalamtes.

Dr. Hans-Georg Maaßen (l.) auf der Potsdamer Konferenz für Nationale CyberSicherheit. (Foto: HPI/K. Herschelmann)

Dokumentation

Ausführlich Dokumentationen der Konferenz finden Sie hier:

Zum vierten Mal hat das Hasso-Plattner-Institut zur Potsdamer Konferenz für Nationale CyberSicherheit geladen. Und zum vierten Mal folgte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Dr. Hans-Georg Maaßen, dieser Einladung. In seiner Rede erläuterte er, dass sich die Chancen für die Verteidigung verschlechtert hätten. Er betonte die zunehmende Aktivität der Nachrichtendienste im Cyberraum in den letzten zehn Jahren. Als entscheidende Vorteile der virtuellen Welt nannte er die dort mögliche Effizienz im Sinne eines hohen Schadens bei geringem Einsatz, die Anonymität, Asymmetrie und Möglichkeiten der hybriden Kriegsführung. Maaßen sieht die Cyberwelt als "Achillesferse westlicher Nationen" und betonte: "Wir hängen ab vom Netz, wir hängen am Netz".

Bildergalerie: Potsdamer Sicherheitskonferenz 2016

Zusammenarbeit zwischen Ministerien, Unternehmen und Bürgern notwendig

Auch Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, hat das Thema Cybersicherheit zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte für die kommenden Monate gemacht. Er sieht vor allem in der engen Zusammenarbeit zwischen Ministerien, Unternehmen und auch Bürgern eine Grundvoraussetzung für IT-Sicherheit. Das IT-Sicherheitsgesetz ist laut dem Staatssekretär ein zentraler Aspekt dieses kooperativen Ansatzes. Ähnliche Konstruktionen könne sich Vitt beispielsweise bei der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern vorstellen. Auch für kleine und mittelständische Unternehmen müsste laut ihm eine dem IT-Sicherheitsgesetz ähnliche Regelung gefunden werden.

Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, hat das Thema Cybersicherheit zu seinem Arbeitsschwerpunkt gemacht. (Foto: HPI/K. Herschelmann)

BND als Frühwarnsystem für Cyberangriffe

Für Werner Sczesny, Vizepräsident für militärische Angelegenheiten im Bundesnachrichtendienst (BND), stellt der BND durch die weltweite Beobachtung von Datenströmen eine Art Frühwarnsystem für Cyberangriffe dar. Während der BND keine Befugnis zu sogenannten "Computer Network Attacks" habe, fordert Sczesny die Klärung eines "probaten Mittels zur Reaktion". Es sei nicht klar, wie weit ein Staat gehen dürfe, um gleichzeitig ethisch und moralisch zu handeln. Auch die Frage danach, ob man einen Angriff während der Ausführung manipulieren dürfe, sodass ein anderes Ergebnis erreicht würde, steht nach Sczesny offen im Raum und bedarf einer Antwort.

Matthias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Medien der FAZ, moderierte das Panel zu Private Cybersecurity mit Dr. Thorsten Wetzling, Stiftung Neue Verantwortung, und Stephan Micklitz, Engineering Director, Google Deutschland. (Foto: HPI/K. Herschelmann)

BKA: 2015 mehr als 45.000 Fälle von Cybercrime und über über 40 Millionen Euro Schaden

Hinsichtlich der polizeilichen Kriminalstatistik seien 2015 mehr als 45.000 Fälle von Cybercrime und über 240.000 Fälle mit Tatmittel Internet verzeichnet worden, der Schaden belaufe sich auf über 40 Millionen Euro, berichtete Peter Henzler, Vize-Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Dabei werde Schätzungen zufolge nur jedes zehnte Delikt in diesem Bereich überhaupt gemeldet, z.B. aufgrund drohenden Reputationsverlusts. Henzler ging ebenfalls auf den neuen Trend "Crime as a Service" ein: Im sichtbaren Netz wie auch im Darknet könne man Schadsoftware kaufen, Botnetze wahlweise erwerben oder auch mieten. Ziel der Ermittlungen im Darknet sei es, an die realen Administratoren, Verkäufer, aber auch Kunden zu kommen. Dazu nutze das BKA beispielsweise verdeckte Ermittler, die sich im Internet virtuelle Identitäten aufbauen.

Einsicht für Wichtigkeit von Cybersicherheit mittlerweile auch bei traditionellem Publikum

Dass sich Cybersicherheit auch zum Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz entwickelt hat, erklärte Wolfgang Ischinger. Heute könne Sicherheitspolitik in einem umfassenden Sinne nur betrieben werden, wenn Cybersecurity und digitale Fragen mit einbezogen werden, so der Diplomat und Leiter der internationalen Konferenz. Diese Einsicht sei mittlerweile auch bei seinem traditionellen Publikum in München - Militärs, Diplomaten und Politikern - angekommen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Potsdamer Sicherheitskonferenz. (Foto: HPI/K. Herschelmann)