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18.06.2013

Prof. Dr. Groß-Selbeck (l.) im Gespräch mit HPI-Direktor Prof. Dr. Christoph Meinel (r.). (Foto: HPI/A. Silber)

Das diesjährige VIP-Event des Soft-Skills-Kolloquiums am Hasso-Plattner-Institut fand in einem ganz besonderen Rahmen statt. In einem Gespräch mit Institutsdirektor Prof. Dr. Christoph Meinel diskutierte Ehrengast Prof. Dr. Groß-Selbeck, Leiter der Forschungsgruppe "Innovation und Entrepreneurship" an der Berliner Universität der Künste, Management-Herausforderungen in IT-Unternehmen. Im Mittelpunkt stand dabei die Zusammenarbeit im Team.

Gerade für Software-Unternehmen und IT-Start-ups gelte: Wie gut ein interdisziplinäres Team zusammenarbeitet, entscheidet über den Erfolg eines Unternehmens oder eines Projekts. Teams im IT-Bereich setzen sich aus Ingenieuren, Produktmanagern und Entwicklern zusammen, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und vor allem auch mit unterschiedlichen Charakteren. "Diese Charaktere zusammenzubringen, ist der Schlüssel zu guter Software und für den Erfolg", erklärte Prof. Dr. Stefan Groß-Selbeck.

Im besten Fall ergänze sich das Team und denke nutzerorientiert, setze Methoden und Prozesse intelligent ein und könne mit Konflikten umgehen. Das setze die Offenheit jedes Einzelnen voraus. Wichtig sei dafür, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Verständnis für das Team zu haben. Für Entwickler einer Software hieße das beispielsweise, dass sie für Manager Verständnis zeigen und Respekt haben. Umgekehrt gelte dies genauso. "Entwickler dürfen sich nicht nur für die Codes interessieren, sondern auch für die Nutzer ihrer Software. Betriebswirtschaftler dagegen können vielleicht keine Codes schreiben, wissen aber, wie man das Budget plant und verwaltet, sie entwickeln eine Strategie und planen das Projekt. Ohne diese Instrumente läuft die Organisation nicht in eine Richtung und funktioniert nicht", sagte Groß-Selbeck.

Was ist Nutzerorientiertes Denken?

Nutzerorientiertes Denken hieße, die Frage zu klären, welche Bedürfnisse die Nutzer haben. Dafür sei es Unsinn, Kunden nach einer Lösung zu fragen, erläutert Groß-Selbeck. Henry Ford, der als Automobilhersteller die Massenproduktion von Autos perfektionierte, habe es so beschrieben: "Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde." Die Menschen wollen sich schneller bewegen, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Das sei ihr Bedürfnis. Die Herausforderung für den Ingenieur oder den Entwickler sei es, eine Lösung zu finden, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. 

Innovationsprozesse managen

"Das Managen eines Innovationsprozesses, also Kunden beispielsweise vom Besseren zu überzeugen, ist eine der größten unternehmerischen Herausforderungen", erklärt Groß-Selbeck. Er unterscheidet dabei zwischen der schrittweisen, der inkrementellen und der bahnbrechenden, neuen Innovation. Die inkrementelle Innovation sei vergleichbar mit einer Plattform im Internet, die immer weiter für den Nutzer optimiert und um neue Tools ergänzt würde. Dagegen stehe als bahnbrechende Innovation die Entwicklung einer komplett neuen Website. Diese beiden Innovationsprozesse in einem Unternehmen zu vereinen und zu beherrschen, sei schwierig. Im schnelllebigen Tagesgeschäft ließe es sich schlecht langfristig Denken. Aber um ein Unternehmen auf Dauer innovativ am Markt zu etablieren, müsse auch Raum für planerisches Denken geschaffen werden. Hierfür böte beispielsweise die HPI School of Design Thinking eine Plattform. "Design Thinking ist eine gute Methode, um im operativen Tagesgeschäft Raum für längerfristiges Denken und Innovationen zu schaffen", sagte Groß-Selbeck. 

Prof. Dr. Stefan Groß-Selbeck ist Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin und leitet die Forschungsgruppe "Innovation und Entrepreneurship". Stefan Groß-Selbeck blickt auf über 15 Jahre Führungserfahrung in Internetunternehmen zurück. Von 2008 bis 2012 war er Vorstandsvorsitzender der XING AG. Von 2002 bis 2007 war er in verschiedenen Funktionen für eBay tätig, u.a. als Deutschlandchef.

Weitere Informationen:

  • HPI Soft-Skills-Kolloquium