Hasso-Plattner-Institut
Hasso-Plattner-Institut
  
Login
 

19.09.2007

Potsdam. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der chinesischen Internetnutzer von einer Million auf 162 Millionen gestiegen. Die Zahl der chinesischen Internetseiten wuchs im gleichen Zeitraum von 1500 auf 1,3 Millionen. Das berichtete die Vorsitzende der chinesischen Internetgesellschaft, Prof. Hu Qihen, auf einer Tagung des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Ihren Angaben zufolge nahm die Zahl der öffentlichen IP-Adressen in China (Rechner, die mit dem Internet verbunden sind) von 29 Millionen im Jahr 2002 auf 118 Millionen im Sommer 2007 zu.

74 Prozent der Onliner gingen in China von zu Hause aus ins Internet, 37 Prozent von Internetcafes, 31 Prozent vom Arbeitsplatz und 12 Prozent von Schulen aus, berichtete Prof. Hu, die auch Mitglied der chinesischen Akademie der Wissenschaften ist, über jüngste Untersuchungen. Allerdings sei die durchschnittliche Internetdurchdringung in China mit gut 12 Prozent (auf dem Lande: drei Prozent) noch bedeutend niedriger als in den USA (70 Prozent), Europa (40 Prozent) und Deutschland (61 Prozent). Auf der ganzen Welt betrage die Internetdurchdringung fast 18 Prozent.

Die Internetnutzung verteilt sich nach Hus Angaben in China relativ gleich zwischen Männern (55 Prozent) und Frauen (45 Prozent). Achtzig Prozent der chinesischen Internetnutzer seien unter 35 Jahre alt. Rund 76 Prozent aller Onliner in China (122 Millionen Einwohner) nutzen einen Breitbandanschluss, 32 Millionen gehen über Modem-Verbindung und 66 Millionen über WLAN- oder Mobilfunk-Verbindung ins Internet.

Das Internet wird nach Hus Angaben von 76 Prozent der befragten Chinesen als wichtigste Nachrichtenquelle und von 51 Prozent als bestes Unterhaltungsmedium bezeichnet. 2007 rechne China beim E-Commerce mit einem Umsatz von 250 Mio. US-Dollar. Mehr als 30 Millionen Chinesen machten auf www.taobao.com, einer Website, die der Verkaufsplattform Ebay ähnele, bereits eigene Verkaufsangebote, berichtete Prof. Hu, die auch das Steuerungsgremium der zentralen Registrierungsstelle für Internet-Domains (CNNIC) leitet.

Nach Worten der chinesischen Internet-Expertin nutzen Regierungsstellen ihres Landes das Netz zunehmend dafür, um eine komfortable Interaktion zwischen den Einwohnern und den Behörden möglich zu machen. Das Internet diene auch dazu, die Popularisierung der Wissenschaften in China voranzutreiben.

Als derzeitige Hemmnisse für ein noch stärkeres Wachstum des Internets in China hätten ein einer jüngeren Umfrage 43 Prozent der Befragten den Mangel an Computer- und Internet-Kenntnissen, 31 Prozent den Mangel an Internetzugang und an einem Computer, sowie 18 Prozent den Mangel an Zeit angegeben, teilte Prof. Hu mit. Nach wie vor gebe es zu wenige Online-Angebote im Bereich Handel, öffentlicher Dienst und Kultur. Außerdem sei das Rechtssystem noch nicht gut genug entwickelt für die Steuerung des Internets. Ferner erklärten lediglich 38 Prozent der chinesischen Internetnutzer, dass sie Vertrauen in Transaktionen übers Netz hätten.

Auf die Internetsicherheit in China eingehend, berichtete Prof. Hu von einem Wachstum der registrierten Vorfälle im Bereich Daten- und Netzwerksicherheit von 2600 im Jahr 2003 auf 26.500 im Jahr 2006. Zu beklagen seien vor allem die Übermittlung von schadenstiftenden Daten, das unerlaubte Eindringen in Netzwerke und unerwünschte Werbe-E-Mails. Ein ernstzunehmendes Problem stelle für viele Chinesen aber auch die Onlinespiel-Sucht gerade bei den jungen Leuten dar.

Hu sprach auf einer Jubiläumsveranstaltung des Hasso-Plattner-Instituts. Feierlich begangen wurden den Anschluss Chinas ans Internet vor 20 Jahren durch den heutigen HPI-Professor Werner Zorn und den Start einer Tele-Teaching-Brücke zwischen Deutschland und China vor fünf Jahren durch den heutigen HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel. (Mehr unter www.hpi-web.de/china)