Hasso-Plattner-Institut
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10.10.2008

Köln/Potsdam. In einem bislang einzigartigen Forschungsprojekt ist es gelungen, mit dem römischen Köln eine Stadt zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt in ihrer Gesamtheit virtuell sichtbar und begehbar zu machen. Dass dies die Universität zu Köln (Archäologisches Institut), die Fachhochschule Köln (Köln International School of Design / KISD) und das Römisch-Germanische Museum geschafft haben, geht auch auf eine Kooperation mit dem Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam zurück. Dessen Computergrafik-Professor Jürgen Döllner hat gemeinsam mit Dipl.-Des. Michael Eichhorn von der KISD und den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beider Einrichtungen das virtuelle 3D-Stadtmodell des römischen Kölns visualisiert. Internetnutzer erhalten auf der gemeinsamen Projektseite www.colonia3d.de jetzt erstmals einen räumlichen Eindruck von der Größe und Architektur der Stadt vor rund 2000 Jahren. Das Modell kann sogar in Beziehung zum heutigen zweidimensionalen Stadtplan Kölns gesetzt werden.

„Die Herausforderung lag darin, hoch genaue, detailreiche und dreidimensionale Gebäude-Modelle, die am Computer gestaltet worden waren, in bislang noch nie vorhandener Zahl interaktiv erlebbar zu machen“, berichtete Döllner am Freitag auf einer Pressekonferenz zum Ergebnis des dreijährigen Forschungsprojekts. Dazu setzten die Potsdamer Computergrafik-Wissenschaftler spezielle Rechenabläufe (Algorithmen) ein: Diese erzeugen mit mehreren Hundert Millionen einzelner Dreiecke, aus denen das geometrische Modell aufgebaut ist, effizient Bilder.

Der dreidimensional zu bewundernde Bereich deckt in etwa die heutige Innenstadt von Köln ab. „Im Verlauf der letzten zwei Jahrtausende hat sich natürlich nicht nur die Stadt an sich, sondern auch ihre Topographie, insbesondere am Flussufer, verändert“, betonten die wissenschaftlichen Mitarbeiter Stefan Maaß und Matthias Trapp aus Potsdam. Die von den Teams des HPI und der KISD visualisierten Gebäude haben teilweise sehr feine architektonische Details, wobei die Darstellung auf dem heutigen Erkenntnisstand erfolgte.

„Zu den Besonderheiten des Projekts  zählt die Interdisziplinarität“, erläuterte Dipl.-Des. Michael Eichhorn. „Die Archäologen und Bauforscher liefern die Inhalte und die Designer gestalten die Information, erstellen wissenschaftlich korrekte und anschauliche 3D-Modelle. Die Informatiker generieren aus diesen Modellen eine Anwendung, die das virtuelle Navigieren in Echtzeit ermöglicht“.

Virtuelle Modelle historischer Orte gibt es eigentlich schon seit Beginn der Visualisierungstechnologie. „Allerdings waren dies eher Animationen, die gerechnet wurden, nicht aber interaktiv begehbare großflächige Modelle. Das römische Köln als virtuelles 3D-Stadtmodell ist deshalb bislang einzigartig“, hob Döllner hervor. Hinzu kommt, dass die 3D-Rekonstruktion des römischen Kölns sich mit dem virtuellen 3D-Modell der heutigen Domstadt ergänzt. „In einem weiteren Schritt wollen die beteiligten Institutionen dafür sorgen, dass das Stadtmodell von heute mit dem vor 2000 Jahren visualisiert und damit auch verglichen werden kann“, blickte Döllner in die Zukunft.

Trend: Immer mehr Städte dreidimensional und realitätsnah im Web
Döllner und sein Potsdamer Forscherteam sind überzeugt, dass sich in Zukunft immer mehr Kommunen im Internet mit virtuellen 3D-Stadtmodellen präsentieren werden. Dabei ist nicht nur der Zustand heute von Bedeutung, sondern auch historische Varianten. „Das Beispiel Berlins als erster Stadt der Welt, die seit Anfang 2007 ihren virtuellen Nachbau im Web durchstreifen lässt, macht Schule“, erklärte der Leiter des HPI-Fachgebiets Computergrafische Systeme. Er hat maßgeblich die Basistechnologien für raumbezogene dreidimensionale Informations- und Visualisierungssysteme entwickelt. Die von ihm initiierte Systemplattform „LandXplorer“ wurde mittlerweile vom Autodesk-Konzern, dem weltweit führenden Unternehmen im 3D-Bereich, übernommen.

Hintergrund Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-System Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – eine praxisnahe und ingenieurwissenschaftlich orientierte Alternative zum herkömmlichen Informatik-Studium, die von derzeit rund 450 Studenten genutzt wird. Insgesamt 50 Professoren und Lehrbeauftragte sind am HPI tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – auch für erste Adressen der Wirtschaft. Vor allem geht es um Grundlagen und Anwendungen für große, hoch komplexe und vernetzte IT-Systeme. Die Absolventen werden in der Regel als Software-Architekten, Projektleiter oder Chief Information Officer tätig oder gründen eigene Unternehmen.

Hintergrund Fachhochschule Köln

Die Fachhochschule Köln (www.fh-koeln.de) ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 16.000 Studierende werden von rund 400 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Die zehn Fakultäten bieten mehr als 60 Studiengänge an - jeweils etwa die Hälfte aus den Ingenieurwissen-schaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Die Fachhochschule Köln ist eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und dem Internationalen Standard ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung. Die Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule Köln zählt zu den renommiertesten Designausbildungsstätten an Hochschulen in Europa. Seit mehr als zwölf Jahren bietet die KISD ein interdisziplinäres Studienangebot, das Design als Prozess versteht und auf der Grundlage eines bewährten Konzepts kontinuierlich Neues erprobt. 
Hinweise für Redaktionen:

Einen Screenshot und Videoclip zur Visualisierung des römischen Kölns können Sie auf der HPI-Website finden unter der Adresse
http://www.hpi.uni-potsdam.de/presse/download.

Die interaktiv nutzbare 3D-Rekonstruktion des römischen Kölns finden Sie im Internet unter www.colonia3d.de.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt bei der Pressestelle
der Fachhochschule  Köln: pressestelle(at)fh-koeln.de, Telefon 0221 8275-3119