Hasso-Plattner-Institut
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23.08.2013

Potsdam. Der typische Nutzer kostenloser offener Onlinekurse zur Informationstechnologie ist 30 bis 40 Jahre alt, männlich und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in einem technischen Beruf mit hohem IT-Anteil. Diese erste Strukturanalyse zu so genannten Massive Open Online Courses (MOOCs) hat das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) ein Jahr nach dem Start seiner interaktiven Internet-Bildungsplattform openHPI.de vorgelegt. Dort bewege sich die Zahl interessierter Online-Lerner aus aller Welt mittlerweile auf 50.000 zu, teilte Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel mit.

Von allen aktiven Teilnehmern habe in den vergangenen zwölf Monaten gut die Hälfte erfolgreich mit einem Zertifikat abgeschlossen, berichtete der Informatikwissenschaftler. Als aktive Nutzer sieht das openHPI-Team solche unter den eingeschriebenen Teilnehmern an, die Hausaufgaben abgeben und sich an Diskussionen im Forum beteiligen. Jeder Dritte gehört dazu. „Und betrachtet man die Gesamtzahl aller, die sich für unsere Kurse eingeschrieben haben, schließen im Durchschnitt 17 Prozent mit einem Zertifikat ab“, freut sich Meinel. Bei einzelnen Kursen habe die Erfolgsquote sogar bis zu 23 Prozent betragen. Amerikanische Anbieter hingegen berichteten über Abschlussraten, die im einstelligen Prozentbereich liegen, so der HPI-Direktor.

Kein Jugendphänomen

Die Erfolgsquote ist nach Meinels Worten bei den männlichen und weiblichen openHPI-Teilnehmern ähnlich. Der Anteil derjenigen, die openHPI-Kurse mit Zertifikat abschließen, ist in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen besonders hoch. „MOOCs sind also kein Jugendphänomen, sondern ein wichtiger Beitrag zum komfortablen lebenslangen Lernen von Berufstätigen“, folgert der Potsdamer Informatikwissenschaftler.

Die Nutzerschaft ist jedenfalls breit gestreut, reicht von der Schülerin bis hin zum pensionierten Wissenschaftler. Prof. Dr. Albert Endres (80) aus Sindelfingen mailte „zum Beweis, dass 80-Jährige mit 16-Jährigen mithalten können“ sein im Kurs über Web-Technologien erzieltes openHPI-Zertifikat an Kollegen und berichtete dabei: „Wo ich bei Detailfragen und Kodiertricks kniff, holte ich bei Allgemeinwissen wieder auf“. Seine Erlebnisse veranlassten den begeisterten Senior-Blogger auch dazu, openHPI in seinem Online-Tagebuch ausführlich darzustellen: http://bertalsblog.blogspot.de.

Wer an offenen Onlinekursen teilnimmt, hat reges Interesse am Austausch untereinander: Durchschnittlich registriert das openHPI-Team jeweils rund 2.900 Diskussionsbeiträge pro Kurs. „Diese Diskussionen sind gewissermaßen das Herzstück und machen unsere Kurse zu einmaligen Lern-Erlebnissen“, unterstreicht Tele-Teaching-Pionier Meinel. Was die Tonalität der Beiträge anbetrifft, lobt Meinel den Diskussionsstil bei englischsprachigen Teilnehmern: „Die sind in der Regel höflicher als die deutschen“. Zur hohen Aktivität der openHPI-Nutzer passt, dass die Aussteigerquote relativ gering ist: Von denen, die nach der ersten von sechs Kurswochen Hausaufgaben einreichen, bleiben oft bis zu 75 Prozent bis zur Abschlussprüfung dabei.

Die meisten lernen zwischen 20 und 22 Uhr im Web

Montags werden die offenen Onlinekurse des HPI am häufigsten genutzt, da an diesem Wochentag die Hausaufgaben abgegeben werden müssen. Gut 27 Prozent der Besuche auf der sozialen Bildungsplattform finden am Wochenende statt. Die Aktivität der Online-Lerner ist zwischen 20 und 22 Uhr am höchsten, verteilt sich aber über den ganzen Tag. Im Durchschnitt dauert ein Besuch auf openHPI rund 25 Minuten.

Mittlerweile gibt es openHPI-Nutzer auf allen Kontinenten und in 114 Ländern der Erde. Die Verteilung unterscheidet sich danach, ob der Kurs in deutscher oder englischer Sprache angeboten wird: Bei deutschsprachigen Angeboten loggen sich 87 Prozent der Teilnehmer von Deutschland aus ein, bei englischsprachigen Kursen wird die openHPI-Seite in der Hälfte der Fälle vom Ausland aus besucht. Die meisten Anhänger außerhalb Deutschlands hat die IT-Bildungsplattform des Hasso-Plattner-Instituts in den USA, in Russland, Großbritannien und Spanien.

Im Forum werden persönliche Einschätzungen diskutiert

Im Diskussionsforum äußern sich die openHPI-Nutzer frank und frei über ihre Lernerlebnisse. „Ich habe viel gelernt, manchmal geflucht (arg, soviel Theorie, Abstraktes), um zwei Wochen später festzustellen, das hat ja doch alles seine Gründe“, schreibt beispielsweise „Martin. S“. „Datenschnabel“ hinterlässt die Einschätzung „Diese Art des Lernens ist neben Beruf und anderen Verpflichtungen nahezu ideal“. Martina G. hebt vor allem die Kostenfreiheit von openHPI-Kursen hervor: „I consider that as an immense social contribution on the part of the HPI“, formuliert sie. Ein kirgisischer Teilnehmer wirbt um Verständnis dafür, das Lernende in weniger gut erschlossenen Weltregionen mit manchen technischen Problemen und damit Abgabeterminen zu kämpfen haben: „Ich schreibe diese Hausaufgabe in Bishkek. Die Internetverbindung hier ist instabil und kommt nach dem Absturz nicht unbedingt gleich wieder“.

Künftig mehr spielerische Elemente

Derzeit arbeitet das openHPI-Team rund um Institutsleiter Meinel daran, die Plattform technisch für weiteres Wachstum zu rüsten. Gleichzeitig sollen durch „Gamification“ vermehrt spielerische Elemente eingesetzt werden, um Motivation und Lernerlebnis zu erhöhen. So ist unter anderem daran gedacht, die Nutzer bewerten zu lassen, wie gut sie Forums-Beiträge und -Antworten finden. Ferner soll es „Badges“ geben, also Auszeichnungen für besonderes Engagement, beispielsweise hohe Aktivität in Forums-Diskussionen. Zudem soll eine neuartige Navigation auf einen Blick anzeigen, welche Kursinhalte noch nicht bearbeitet worden sind.

Frisches Uni-Wissen auf openHPI.de stark genutzt

Das Institut hatte openhpi.de im September 2012 mit einem englischsprachigen Kurs von HPI-Stifter und SAP-Mitgründer Prof. Hasso Plattner zur neuen In-Memory-Datenbanktechnologie gestartet. Mehr als 15.000 Interessenten nutzten ihn. Ende Oktober erhielten 2.132 Teilnehmer ein Zertifikat für die gemeisterte Abschlussprüfung. Der zweite Online-Kurs, geleitet von Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel und in deutscher Sprache angeboten, hatte die technische Funktionsweise des Internets zum Thema. 11.000 Interessenten nahmen teil. 1.662 Lernende bekamen per Zertifikat den erfolgreichen Abschluss bescheinigt. Den dritten Kurs, diesmal mit dem Thema semantische Suche im Internet und in englischer Sprache durchgeführt von Senior Researcher Dr. Harald Sack, verfolgten mehr als 6.000 Teilnehmer. 778 davon erhielten ein Zertifikat. Am 8. April startete der vierte Kurs. Geleitet von HPI-Professor Felix Naumann widmete er sich in deutscher Sprache dem Thema „Datenmanagement mit SQL“. Gut 7.400 Teilnehmer machten mit, 1641 bekamen ein Zertifikat. Den fünften Kurs mit dem Titel „Web-Technologien“ (Leitung: Prof. Christoph Meinel) nahmen rund 7.350 Teilnehmer wahr, 1.726 schlossen mit Zertifikat ab.

openHPI: Vorbild sind Massive Open Online Courses (MOOC)

Die Internet-Bildungsplattform openhpi.de des Hasso-Plattner-Instituts bietet kostenlose, frei zugängliche Onlinekurse für interessierte Teilnehmer aus aller Welt an. Zugangsbeschränkungen gibt es nicht. Weltweit einzigartig ist die Plattform dadurch, dass sich die Inhalte auf Informationstechnologie und Informatik konzentrieren und die Kurse sowohl in deutscher als auch englischer Sprache angeboten werden. openHPI folgt dem Beispiel der „Massive Open Online Courses“, wie sie seit 2011 zunächst von der Stanford University, später aber auch von anderen Elite-Universitäten der USA angeboten wurden.

Im Unterschied zu „traditionellen“ Vorlesungsportalen werden bei openhpi.de Kurse angeboten, die einem festen sechswöchigen Zeitplan folgen - mit definierten Angebotsimpulsen wie Lehr-Videos, Texte, Selbsttests, regelmäßige Hausaufgaben und Prüfungsaufgaben. Kombiniert sind die Angebote mit einer sozialen Plattform, auf der sich die Teilnehmer mit den Kursbetreuern und anderen Teilnehmern austauschen, Fragen klären und weiterführende Themen diskutieren können. Die Teilnehmer entscheiden selbst über Art und Umfang ihrer Aktivitäten. Sie können in den Kurs eigene Beiträge einbringen, zum Beispiel durch Blogposts oder Tweets, auf die sie im Forum verweisen. Andere Lernende können diese dann kommentieren, diskutieren oder erweitern. So werden Lernende, Lehrende und die Inhalte in einem sozialen Lernnetzwerk miteinander verknüpft.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – ein besonders praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das von derzeit 450 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet jährlich 240 Plätze für ein Zusatzstudium an. Insgesamt zehn HPI-Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen neun Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze.

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