Hasso-Plattner-InstitutSDG am HPI
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27.08.2020

Pressemitteilung

Bis zu 290 Prozent Zuwachs beim digitalen Lernen – Aktivste leben in Deutschlands Süden

In 25 deutschen Großstädten haben sich die Lernaktivitäten von Nutzern offener Onlinekurse zu Digitalisierungsthemen gegenüber 2018 mehr als verdoppelt. Das hat eine Studie des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) ergeben. Es bietet solche Kurse seit 2012 gratis auf seiner Lernplattform openHPI an. Laut der Analyse weisen bei den IT-Kursen im Netz acht der 25 Großstädte sogar Zuwachsraten zwischen 200 und knapp 290 Prozent auf.

„In ganz Deutschland beobachten wir auf breiter Front ein beeindruckend zunehmendes Interesse, sich über unsere Onlinekurse digitales Grundwissen anzueignen oder es aufzufrischen“, sagt HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel. Dieser Trend zu mehr digitalem Lernen habe sich seit Beginn der Coronavirus-Pandemie noch deutlich verstärkt.

In Zeiten der Pandemie wächst die Zahl der Online-Lerner besonders

Nach Beobachtung des Potsdamer Instituts nutzen viele Menschen die Zeit sozialer Distanzierung und häuslicher Zurückgezogenheit, um ihre Digitalisierungs-Kenntnisse mit Onlinekursen zu erweitern. „Auf der IT-Lernplattform openHPI registrieren wir seit Anfang Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 61 Prozent mehr Einschreibungen von 81 Prozent mehr Nutzern, berichtet Informatikwissenschaftler Meinel.

Nach seinen Worten bilden Bergisch Gladbach, Paderborn und Rostock das Führungstrio in der Rangliste der 25 deutschen Großstädte, welche seit 2018 die stärksten Zuwächse an digitalen Lernaktivitäten aufweisen können.

Deutschlands Großstädte mit den höchsten Zuwächsen bei digitalen Lernaktivitäten seit 2018

Stadt

 

 

Zuwachsrate in % bei IT-Lernaktivitäten auf openHPI von 2018 bis 2020

Bergisch Gladbach

287

Paderborn

268

Rostock

255

Chemnitz

229

Neuss

222

Pforzheim

216

Leipzig

215

Frankfurt/Main

212

Freiburg

191

Erfurt

178

Essen

158

Kaiserslautern

150

Halle

148

Stuttgart

146

Augsburg

134

Wiesbaden

132

Ingolstadt

130

Heilbronn

127,5

Dresden

127,3

Bielefeld

127,1

Hamburg

122

Dortmund

119,3

Koblenz

119,1

Darmstadt

115

Ulm

103

 

Rückgänge an Lernaktivitäten im Vergleich zu 2018 verzeichneten hingegen die Großstädte Ludwigshafen (minus 46 Prozent), Potsdam (minus 48 Prozent), Hannover (minus 89 Prozent) und Saarbrücken (minus 92 Prozent). Potsdam, Heimat des Hasso-Plattner-Instituts, konnte als einzige von diesen Großstädten aber zumindest die Quote an Online-Lernern pro 1.000 Einwohner steigern – um 66 Prozent. „Auf unserer Plattform openHPI haben wir in diesem Jahr also einerseits deutlich mehr Nutzer aus Potsdam als noch 2018, andererseits sind hier aber die Lernaktivitäten pro Kopf der Bevölkerung um fast die Hälfte zurückgegangen“, erläutert Meinel.

Deutschlands Süden bleibt dank eifrigster Online-Lerner Spitze

In der diesjährigen openHPI-Statistik sämtlicher deutscher Orte mit der absolut höchsten Dichte an IT-Lernaktivitäten steht eine kleine Gemeinde aus Rheinland-Pfalz an der Spitze: Oberneisen im Rhein-Lahn-Kreis kommt auf den Wert von 46.725 Lernaktivitäten pro 1.000 Einwohner. Mit deutlichem Abstand dahinter folgen das baden-württembergische Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) mit 11.215 und Hammersbach im osthessischen Main-Kinzig-Kreis mit 8.211 Lernaktivitäten pro 1.000 Einwohner. Potsdam rangiert mit dem Wert 6.924 auf Platz vier.

Die 30 deutschen Orte mit der höchsten Dichte an Onlinekurs-Teilnehmenden und –Lernaktivitäten

Ort

 

Teilnehmer-Dichte (openHPI-Nutzer pro 1.000 Einwohner)

Lernaktivitäten-Dichte (openHPI-Lernaktivitäten pro 1.000 Einwohner)

Oberneisen

130

46.725

Wiesloch

43

11.215

Hammersbach

13

8.211

Potsdam

107

6.924

Schwetzingen

26

6.106

Gernsheim

6

4.389

Haar

9

2.936

Speyer

8

2.656

Haltern am See

6

2.342

Passau

5

2.278

Oberursel

10

2.117

Hockenheim

13

2.044

Frankfurt/Main

8

1.763

Stuttgart

8

1.685

Falkensee

6

1.624

Unterhaching

9

1.578

Berlin

5

1.457

Kaiserslautern

5

1.429

Germering

9

1.402

Bietigheim-Bissingen

7

1.394

Mannheim

7

1.364

Bensheim

6

1.355

Sindelfingen

6

1.354

Heidelberg

8

1.345

Darmstadt

6

1.325

Mainz

7

1.293

Gießen

4

1.210

Offenbach

8

1.199

Karlsruhe

6

1.197

Bergisch Gladbach

5

1.180

 

„Von den 30 Städten und Gemeinden, welche pro Kopf der Bevölkerung mit den meisten Aktivitäten in unseren Onlinekursen glänzen, liegen 25 in Deutschlands Süden - neun in Baden-Württemberg, acht in Hessen und je vier in Rheinland-Pfalz und in Bayern“, berichtet Informatikwissenschaftler Meinel. Damit bestätige sich der Befund einer ähnlichen HPI-Analyse aus dem Jahr 2018, wonach die Menschen im Süden Deutschlands beim digitalen Lernen zu den eifrigsten gehören.

Betrachtet man ausschließlich die einwohnerstärksten deutschen Großstädte und die IT-Lernaktivitäten ihrer Bürgerinnen und Bürger auf openHPI, ergibt sich laut Instituts-Analyse folgende Tabelle der Top 30:

„Liga des digitalen Lernens“:  Die 30 größten deutschen Städte und ihre IT-Lernaktivitäten 2020

Rang

Stadt

Lernaktivitäten auf openHPI pro 1.000 Einwohner

1

Frankfurt/Main

1.763

2

Stuttgart

1.685

3

Berlin

1.457

4

Mannheim

1.364

5

Karlsruhe

1.197

6

Bonn

1.005

7

Wiesbaden

993

8

Dresden

911

9

Leipzig

855

10

Braunschweig

834

11

Hamburg

773

12

München

735

13

Essen

729

14

Düsseldorf

678

15

Kiel

663

16

Augsburg

629

17

Bielefeld

627

18

Halle

623

19

Nürnberg

620

20

Chemnitz

619

21

Aachen

554

22

Dortmund

520

23

Bremen

482

24

Münster

476

25

Köln

475

26

Bochum

397

27

Wuppertal

374

28

Duisburg

342

29

Mönchengladbach

318

30

Hannover

32

 

Details zur Untersuchungs-Anlage

Bei ihrer Analyse der Verbreitung digitaler Allgemeinbildung untersuchten die Forscher des Hasso-Plattner-Instituts im Sommer 2020, woher die meisten und aktivsten Teilnehmenden an seinen kostenlosen Onlinekursen auf der Internet-Bildungsplattform openHPI stammen. Das Ergebnis: Die gegenwärtig rund 250.000 einzelnen Nutzenden der Kurse nehmen das Gratisangebot zu 48 Prozent von gut 100 deutschen Städten aus wahr. Zwei Drittel davon sind Großstädte mit einer Einwohnerschaft von mehr als 100.000 Personen.

Lokalisiert wurden die Kursteilnehmenden für die HPI-Studie über ein anonymes Geo-Mapping anhand der IP-Adressen, mit denen sich Rechner im Netz anmelden. „Dabei ist zu berücksichtigen, dass die verwendete externe Datenbank die Internet-Anschlussadressen den Orten nur relativ grob zuordnen kann. „Präzision und Verlässlichkeit der Standortbestimmung mit diesem Verfahren sollte man nicht überschätzen“, erläutert HPI-Direktor Meinel und spricht von „Näherungswerten“.

In die Analyse der regionalen Verteilung in Deutschland bezog das Institut nicht bloß die absolute Zahl der einzelnen openHPI-Nutzerinnen und -Nutzer pro Ort ein, sondern setzte diesen Wert noch ins Verhältnis zur gesamten Einwohnerschaft. So ermittelten die Wissenschaftler zum Beispiel, dass die Lerner-Dichte, also die Zahl der einzelnen openHPI-Lerner pro 1.000 Einwohner, in den untersuchten deutschen Städten und Gemeinden zwischen 130 (Oberneisen) und 0,4 (Saarbrücken) schwankt.

Da es aber sein kann, dass eine Großstadt zwar relativ viele openHPI-Nutzer hat, diese aber wenig aktiv auf der Bildungsplattform des Hasso-Plattner-Instituts sind, ermittelten die Forscher auch noch eine zweite Kennziffer. Dabei handelt es sich um die openHPI-Lernaktivitäten pro 1.000 Einwohner. Gemessen wurden die Lernaktivitäten in der Zahl von Klicks auf Lern-Videos, Selbsttests, Hausaufgaben und Prüfungen sowie von Foren-Beiträgen. Hier zeigte sich, dass die Werte zwischen 46.725 (Oberneisen) und 32 (Hannover) liegen.

Hintergrund zur interaktiven Bildungsplattform openHPI

Seine interaktiven Internetangebote hat das Hasso-Plattner-Institut als Pionier unter den europäischen Wissenschafts-Institutionen am 5. September 2012 gestartet - auf der Plattform https://open.hpi.de. Sie bietet seitdem einen Gratis-Zugang zu aktuellem Hochschul-Wissen aus den sich schnell verändernden Gebieten der Informationstechnologie und Innovation. Das geschieht bislang hauptsächlich auf Deutsch, Englisch und Chinesisch. Im Herbst 2017 hat openHPI aber erstmals auch die Online-Übersetzung und Untertitelung eines Kurses in elf Weltsprachen angeboten. Mittlerweile wurden auf openHPI mehr als 810.000 Kurseinschreibungen registriert. Fast 250.000 Personen aus 180 Ländern gehören auf der Plattform zum festen Nutzerkreis. Er wächst täglich. Für besonders erfolgreiche Teilnehmer an seinen "Massive Open Online Courses", kurz MOOCs genannt, stellte das Institut bisher mehr als 85.000 Zertifikate aus. Das openHPI-Jahresprogramm für 2020 umfasst zahlreiche Angebote für IT-Einsteiger und Experten. Auch die in der Vergangenheit angebotenen gut 70 Kurse können im Selbststudium nach wie vor genutzt werden – ebenfalls kostenfrei. Studierende können sich für das Absolvieren von openHPI-Kursen jetzt auch Leistungspunkte an ihrer Universität anrechnen lassen. Wer sich Videolektionen aus den Kursen unterwegs auch dann anschauen will, wenn keine Internetverbindung gewährleistet ist (etwa im Flugzeug), kann zudem die openHPI-App für Android-Mobilgeräte, iPhones oder iPads nutzen.