Hasso-Plattner-InstitutSDG am HPI
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28.12.2020

Pressemitteilung

Corona-Impfungen: WHO trainiert mit deutscher Hilfe Spezialisten

Mit Unterstützung des deutschen Hasso-Plattner-Instituts (HPI) hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jetzt damit begonnen, medizinisches Personal aller Mitgliedsländer für schnelle und sichere Impfungen gegen das Coronavirus zu trainieren. Auf der Internet-Lernplattform OpenWHO, die das Potsdamer Institut bereitstellt und betreut, schaltete die Genfer Organisation dazu einen zweistündigen Kurs in englischer Sprache frei. Er soll die notwendigen Grundkenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, um besonders Gefährdete umgehend als erste gegen Covid-19-Erkrankungen zu impfen – je nach den Prioritätsregeln der Staaten.                               

Nicht nur Beschäftigte des Gesundheitswesens, sondern jeder Interessierte hat nach Anmeldung Zugriff auf die mittlerweile insgesamt 267 Angebote der Plattform OpenWHO. Dazu gehören in Kürze neben einem weiteren Kurs, der Anleitungen zum Erarbeiten nationaler Pläne für Impfungen gegen das Corona-Virus bereitstellt, auch eine so genannte Wissensbasis. Die darin versammelten Informationen auf wissenschaftlicher Grundlage sollen Verantwortlichen helfen, auf Ereignisse in ihren Ländern einzugehen, „die das Vertrauen in Impfungen und begleitende Kommunikation untergraben könnten“.

„Wir sind froh es geschafft zu haben, dass die WHO mit unserer Plattform-Technologie durch derartige Kurse bereits mehr als zwei Millionen Experten des Gesundheitswesens aller Mitgliedsländer direkt erreichen und schnell schulen kann“, sagt HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel. „Seit Dezember 2019 schnellten die Nutzungszahlen in die Höhe - auf nunmehr gut 4,6 Millionen Kurseinschreibungen“, berichtet der Institutsleiter. Die WHO sprach auf einer Tagung des Hasso-Plattner-Instituts im Oktober 2020 von einem Wachstum um rund 2.000 Prozent. Für die massiv ausgeweitete Nutzung der OpenWHO-Plattform müssen die HPI-Server in Spitzenzeiten 30.000 Anfragen pro Minute „schultern“.

Stresstest mit 2.000 Prozent Wachstum bestanden

„Diesen Stresstest während der Pandemie hat das offene Onlinekurs-Angebot der Weltorganisation genauso bestanden wie auch openHPI, unsere seit acht Jahren existierende eigene Lernplattform, welche die Technologie-Basis liefert“, freut sich der Potsdamer Informatikwissenschaftler. Schon am 26. Januar, als das neuartige Virus noch gar keine offizielle Bezeichnung trug, habe bereits der erste OpenWHO-Kurs zu der Erkrankung online gehen können, so Meinel.

Sein Team am HPI-Fachgebiet Internet-Technologien und -Systeme betreut für die Weltorganisation auch den Helpdesk. Seit Januar sind dort rund 46.000 Anliegen von OpenWHO-Nutzern behandelt worden. Dabei geht es zum Beispiel darum, technische Fragen zu klären und Probleme zu lösen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr zuvor waren es lediglich gut 600 Anfragen.

Allein für das Echtzeit-Training zum Umgang mit Covid-19-Erkrankungen gibt es auf OpenWHO mittlerweile rund 143 Onlinekurse zu 20 verschiedenen Themen in 42 Sprachen. Auffallend ist, dass während der Coronavirus-Pandemie ein verhältnismäßig hoher Anteil von Senioren in aller Welt die Lernplattform der Weltgesundheitsorganisation nutzt. Laut Angaben von OpenWHO-Mitarbeiterin Heini Utunen beträgt der Anteil der Personen, die im Alter von mehr als 70 Jahren an entsprechenden Onlinekursen teilnehmen, fünf Prozent. 70 Prozent sind zwischen 20 und 39 Jahren alt.

Wöchentlich werden die Covid-19-Onlinekurse inhaltlich angepasst

Zu jeweils einem Drittel handelt es sich bei den Teilnehmenden um Beschäftigte im Gesundheitswesen und um Studierende. Als Staaten, aus denen die meisten Nutzer stammen, nennt die WHO Indien (22 Prozent), Ecuador (zehn Prozent), USA und Mexiko (jeweils rund fünf Prozent) sowie Bangladesch (vier Prozent).

„Praktisch in wöchentlichem Abstand passen wir wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse unsere Inhalte an“, sagte Utunen im Oktober auf dem openHPI-Forum in Potsdam. Ziel sei es, von derzeit 42 Sprachversionen der Covid-19-Kurse auf 60 zu kommen. Die kostenlosen OpenWHO-Angebote können auch genutzt werden, wenn es keine Internetverbindung oder eine mit nur geringer Bandbreite gibt.

„Wir freuen uns, der Weltgesundheitsorganisation mit unserer leicht an den Nachfrage-Boom anpassbaren Plattform-Technologie eine verlässliche Hilfestellung im herausfordernden Kampf gegen die Pandemie bieten zu können“, betont HPI-Direktor Meinel. Auch häufig notwendig werdende inhaltliche Veränderungen der Kurse könnten problemlos bewältigt werden.

WHO-Generaldirektor: „Gewaltige Leistung“

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte es sich am 27. März dieses Jahres nicht nehmen lassen, über den Kurznachrichtendienst Twitter zur einmillionsten OpenWHO-Einschreibung zu gratulieren. Der Äthiopier schrieb: „Das ist eine gewaltige Leistung“. Wiederholt verwiesTedros in Pressekonferenzen und auf Twitterauf die hohe Bedeutung der Plattform seiner Organisation für die Fachkräfte in den Gesundheitssystemen aller Länder: „Wissen ist der Schlüssel, um die öffentliche Gesundheit voranzubringen und #COVID19 zu besiegen“, twitterte er.

Auch auf einer Sitzung des Executive Boards lobte der Generaldirektor den Beitrag des Lernportals zur Pandemiebewältigung. Es helfe bei der Infektionsprävention, Bekämpfung von Infektionen, Einsatzplanung und Datenerfassung. Die Verfügbarkeit von Kursen in mehr als 40 Sprachen sei ein Bekenntnis zur Vielsprachigkeit, so der WHO-Chef.

Weltweite Anerkennung bekamen die Partner OpenWHO und openHPI jüngst zudem durch den „Learning Technologies Award 2020“ in Gold. Die Auszeichnung wurde am 18. November in London überreicht. Besonders beeindruckte die 61-köpfige Jury die schnelle Skalierbarkeit der Plattform-Technologie. Insgesamt hatten sich mehr als 500 Projekte aus über 300 Ländern beworben.

Hintergrund zur interaktiven Bildungsplattform openHPI

Seine interaktiven Internetangebote hat das Hasso-Plattner-Institut als Pionier unter den europäischen Wissenschafts-Institutionen am 5. September 2012 gestartet - auf der Plattform https://open.hpi.de. Sie bietet seitdem einen Gratis-Zugang zu aktuellem Hochschul-Wissen aus den sich schnell verändernden Gebieten der Informationstechnologie und Innovation. Das geschieht bislang hauptsächlich auf Deutsch, Englisch und Chinesisch. Im Herbst 2017 hat openHPI aber erstmals auch die Online-Übersetzung und Untertitelung eines Kurses in elf Weltsprachen angeboten. Mittlerweile wurden auf openHPI mehr als 834.000 Kurseinschreibungen registriert. Rund 247.000 Personen aus 180 Ländern gehören auf der Plattform zum festen Nutzerkreis. Er wächst derzeit rasant. Für besonders erfolgreiche Teilnehmer an seinen "Massive Open Online Courses", kurz MOOCs genannt, stellte das Institut bisher mehr als 88.000 Zertifikate aus. Das openHPI-Jahresprogramm umfasst immer zahlreiche Angebote für IT-Einsteiger und Experten. Auch die in der Vergangenheit angebotenen rund 70 Kurse können im Selbststudium nach wie vor genutzt werden – ebenfalls kostenfrei. Studierende können sich für das Absolvieren von openHPI-Kursen jetzt auch Leistungspunkte an ihrer Universität anrechnen lassen. Wer sich Videolektionen aus den Kursen unterwegs auch dann anschauen will, wenn keine Internetverbindung gewährleistet ist (etwa im Flugzeug), kann zudem die openHPI-App für Android-Mobilgeräte, iPhones oder iPads nutzen.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für Digital Engineering (https://hpi.de). Mit dem Bachelorstudiengang „IT-Systems Engineering“ bietet die gemeinsame Digital-Engineering-Fakultät des HPI und der Universität Potsdam ein deutschlandweit einmaliges und besonders praxisnahes ingenieurwissenschaftliches Informatikstudium an, das von derzeit rund 600 Studierenden genutzt wird. In den vier Masterstudiengängen „IT-Systems Engineering“, „Digital Health“, „Data Engineering“ und „Cybersecurity“ können darauf aufbauend eigene Forschungsschwerpunkte gesetzt werden. Bei den CHE-Hochschulrankings belegt das HPI stets Spitzenplätze. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studierende nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet jährlich 240 Plätze für ein Zusatzstudium an. Derzeit sind am HPI 21 Professorinnen und Professoren sowie über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen IT-Fachgebieten, aber auch in den HPI Research Schools für Doktoranden mit  Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche.