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20.10.2015

News

HPI-Wissenschaftler geben Überblick zu Datenbanksystemen

Die Anzahl an Datenbanksystemen hat sich seit den siebziger Jahren mehr als verzehnfacht. Forscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben nun eine Übersicht erstellt, welche die Datenbankenevolution der letzten 50 Jahre in einer Grafik dokumentiert. Diese so genannte "Genealogie" zeigt, ähnlich einer Ahnentafel, Entwicklungslinien und Verwandtschaftsbeziehungen von über 60 aktuellen Datenbanksystemen auf.

Ahnentafel relationaler Datenbanksysteme
Nicht der Londoner U-Bahnplan: Die am HPI-Fachgebiet "Informationssysteme" von Professor Felix Naumann erstellte Genealogie relationaler Datenbanksysteme fasst die Entwicklungen der letzten 50 Jahre zusammen.

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Konstruktive Rückmeldungen zur Aktualisierung und Erweiterung der Übersicht nehmen wir gerne entgegen. Bitte senden Sie Ihre Hinweise an:

Auf den ersten Blick scheint es, man schaut auf den Londoner U-Bahnplan. Doch die vielen bunten Linien verbinden keine Haltestellen. Auf der Ahnentafel, die Professor Felix Naumann mit Wissenschaftlern und Studenten seines Fachgebiets "Informationssysteme" erstellt hat, stehen die Linien für Datenbanksysteme, die Punkte und Knoten für einzelne Versionen und Beziehungen zwischen den Systemen. Die Grafik umfasst die Entwicklungsstränge von über 60 Datenbanksystemen. Darunter auch neueste Entwicklungen wie die SAP-Hauptspeicherdatenbank HANA, deren Grundlage am HPI gelegt wurde.

Relationale Datenbanksysteme haben sich durchgesetzt

Allen Systemen gemeinsam ist, dass es sich um relationale Datenbanksysteme mit einer kommerziellen Verbreitung handelt. Bei relationalen Datenbanken werden die Daten als Datensätze in Tabellen festgehalten und können über mehrere Tabellen hinweg miteinander verknüpft werden. Sie bilden heute die Basis fast aller Unternehmenssoftwaresysteme und kommen beispielsweise beim Erfassen von Bestellungen oder Speichernn von Banküberweisungen zum Einsatz. 

"Die Karte zeigt sehr schön die Entwicklungslinien der verschiedenen Datenbanksysteme. Die Anzahl und Dichte der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Systemen ist ein Zeichen dafür, wie sich relationale Datenbanken in den letzten 50 Jahren durchgesetzt haben. Sie bilden trotz der jüngsten Popularität so genannter NoSQL-Systeme noch immer das dominante Modell für die Strukturierung von Daten", erklärte Naumann. Ausgehend von der IBM-Entwicklung "System R", dem ersten relationalen Datenbanksystem, seien kontinuierlich weiterehinzugekommen. Als eine der größten Inspirationsquellen gelten die "Ingres" und "Postgres"-Datenbanksysteme der University of Berkeley, was an den langen Entwicklungslinien und den vielen Verzweigungen zu erkennen sei.

Ahnentafel relationaler Datenbanksysteme
Die am HPI-Fachgebiet "Informationssysteme" recherchierte Übersicht gibt es auch in einer hochauflösenden Version unter: http://hpi.de/naumann/projects/rdbms-genealogy.

Hinweise aus der Forschergemeinschaft gerne willkommen

Die Daten für die erste Ausgabe der Übersicht recherchierten Studenten im Rahmen einer Vorlesung von Professor Naumann im Jahr 2011. Seitdem ist die Ahnentafel viermal überarbeitet und ergänzt worden. Neben der eigenen Recherche arbeitet der HPI-Professor auch Rückmeldungen aus der Forschergemeinschaft ein. "Hinweise auf Neuentwicklungen oder noch nicht berücksichtigte Systeme sind immer willkommen", sagte Naumann. Nur durch die Zusammenarbeit mit anderen Forschern könne man bei der Fülle an neuen Versionen den Überblick behalten, so der Datenbankexperte.

Dass es die Verbindungen nicht nur auf der Karte sondern auch im realen Leben gibt, hat Naumann gerade erst selbst erfahren. Nach der abgeschlossenen Promotion im letzten Jahr wechselte sein Doktorand Ziawasch Abedjan ans Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort forscht er seitdem gemeinsam mit Professor Michael Stonebraker, einem der Erfinder des Ursystems "Ingres" der University of Berkeley und Gewinner des diesjährigen Turing Awards, dem so genannten "Nobelpreis" der Informatik.