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01.07.2015

News

HPI optimiert Chemotherapie für Krebspatienten

Auf dem Symposium zum Thema "Big Data in der Medizin" hat das gastgebende Hasso-Plattner-Institut (HPI) eine neue Lösung präsentiert, mit der in Minutenschnelle die für einen Krebspatienten optimale Chemotherapie ermittelt werden kann. Bislang dauerte es oft Wochen, bis Onkologen den weltweit wachsenden Bestand an Daten über Untersuchungs- und Test-Ergebnisse ausgewertet hatten.

Hochleistungsrechner unterstützen die Analyse medizinischer Daten.

Zusammen mit dem Berliner Forschungspartner Charité setzt das HPI eine selbstentwickelte Höchstgeschwindigkeits-Datenbank ein. Dadurch können Ärzte zum Beispiel das Ansprechen von Tumoren auf bestimmte Medikamente besser vorhersagen und die Wirkstoffmengen reduzieren.

"Krebsforscher versetzen wir außerdem in die Lage, Zusammenhänge zwischen Varianten in den Erbanlagen von Patienten und der Wirkung von Medikamenten bei diesen zu ermitteln", erläuterte HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel auf dem Symposium, dessen Mitveranstalter die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist. Nach Meinels Worten können Annahmen erstmals innerhalb von Minuten überprüft und Indikatoren für die Auswahl von bestimmten Kombinations-Therapien abgeleitet werden.

Mathematisches Modell hilft bei Ermittlung von spezifischen Medikamenten

"Wir kombinieren Daten historischer Fälle, um bei der Auswahl der passenden Behandlung für akute Patienten zu unterstützen", sagte HPI-Wissenschaftler Dr. Matthieu-P. Schapranow. Die Informationen über Patienten, Tumore und Medikamentenwirkungen würden mit neusten medizinischem Wissen aus aller Welt verknüpft. "Ein mathematisches Modell bewertet die Daten verschiedener Patienten und ermöglicht so eine Prognose der individuellen Ansprache eines einzelnen Patienten auf ein spezifisches Medikament in Echtzeit", unterstrich Schapranow. 

Anwendung auf PerMediCon-Kongress ausgezeichnet

Er verwies auf Untersuchungen amerikanischer Forscher aus dem Jahr 2012, nach denen drei von vier Chemo-Therapien nicht den gewünschten Erfolg erzielten. Auf dem Kölner PerMediCon-Kongress zur persönlichen Medizin waren die Potsdamer und Berliner Forscher für ihre Lösung "Drug Response Analysis" vergangene Woche mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. 

An dem Potsdamer Symposium zur Nutzung riesiger Datenmengen in der Medizin nehmen am 1. und 2. Juli mehr als 80 geladene Forscher und Industrievertreter teil. Ihnen geht es darum, internationale Ansätze in der biomedizinischen Grundlagenforschung, der individualisierten Medizin und der klinischen Praxis zu erörtern. Auch Lösungsansätze für Probleme der Handhabung, Interpretation und Verwendung riesiger Datenmengen sollen diskutiert werden.