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22.11.2017

News

„Big Data in der Medizin“ - 3. Internationales Symposium am HPI

Obwohl im Gesundheitssystem immer mehr elektronische Daten zur Verfügung stehen, bleibt die Digitalisierung hinter den Erwartungen zurück. Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) beleuchtet vom 20. bis zum 21. November bereits zum dritten Mal den Einfluss von Big Data auf die unterschiedlichen Akteure im Gesundheitswesen. Veranstalter ist in diesem Jahr die HIMSS Europe, die extra zu diesem Anlass das Veranstaltungsformat „HIMSS Impact“ kreierte.

Paul Jones, Gründer und ehemaliger CEO von Genomics Enterprises. (Foto: HPI/F.Flemming)

Wie können durch verantwortungsvollen Umgang mit medizinischen Daten praktikable und gleichzeitig innovative Lösungen entstehen? Wo schafft die Digitalisierung schon heute einen klaren Mehrwert für Bürger und Ärzte aber auch für Pharma- und MedTech-Industrie sowie Versicherungen und die Gemeinschaft?  

100.000 Genome sollen neue medizinische Erkenntnisse liefern

Ein Beispiel lieferte Keynote-Redner Paul Jones, der als Gründer und ehemaliger CEO von Genomics Enterprises beim 100.000 Genomes Project mitgewirkt hat. Ziel des Forschungsprojekts, das 2012 in ganz England startete, ist die Genom-Sequenzierung von etwa 70.000 Patienten und deren Familienangehörigen, die unter seltenen Krankheiten oder Krebs leiden. Die Analyse genetisch ähnlicher Patientengruppen soll zu neuen medizinischen Erkenntnissen führen, die in die Forschung einfließen und zukünftig vergleichbaren Patienten helfen sollen. Nach Jones‘ Worten beträgt die aktuelle Verzögerung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Anwendung in der klinischen Praxis etwa 20 Jahre; er halte durch die enge Verzahnung von Forschung und Praxis eine Verkürzung dieser Latenzzeit auf 2 bis 3 Jahre für denkbar.

Jones hob insbesondere das freiwillige Einverständnis und die umfassende Information der Patienten als Grundvoraussetzung für den Erfolg des Projektes hervor. Auch die Beteiligung von privaten Unternehmen im Bereich der genomischen Medizin ist laut Jones einer der entscheidenden Faktoren, um Patienten medizinische Innovationen schnell und effizient zugänglich zu machen.

Digital Health Center des HPI stößt neue Forschungspartnerschaften an

Das HPI weitet bestehende Forschungsaktivitäten im Bereich Digital Health derzeit stark aus: So entsteht unter der Leitung von Professor Erwin Böttinger ein Digital Health Center. „Mit dem Digital Health Center möchten wir ein Forum für die Verbesserung der Rahmenbedingungen im digitalen und personalisierten Gesundheitsmanagement schaffen, dass allen Akteuren im Gesundheitsbereich offen steht“, so Böttinger. Es soll den Dialog in den Bereichen Digital Health, Connected Healthcare und Precision Medicine intensivieren und neue globale Forschungs- und Innovationspartnerschaften anstoßen. Außerdem wird zum Wintersemester 2018/19 ein neuer Masterstudiengang „Digital Health“ an der gemeinsam mit der Universität Potsdam 2017 gegründeten Digital-Engineering-Fakultät starten.

Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber ist der Aufbau des neuen Digital Health Centers am HPI eng mit dem Erfolg der Region verknüpft: „Der digitale Wandel hat immense Auswirkungen auf die Wirtschaft. Big Data birgt enorme Potenziale im Medizinbereich – und die Gesundheitswirtschaft in der Hauptstadtregion nutzt diese bereits sehr erfolgreich. Das trägt zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung hier in der Region bei und zur Entwicklung exportfähiger Produkte. Ich bin überzeugt: Mit dem Aufbau des Digital Health Centers und des Studienganges Digital Health an der gemeinsamen Digital-Engineering-Fakultät der Universität Potsdam und des HPI wird in Brandenburg ein einzigartiges Kompetenzzentrum mit internationaler Ausstrahlung entstehen.“

Das Team des IT-Gipfelblogs sprach im Video-Interview mit Paul Jones: